DONNERSBERGKREIS RHEINPFALZ Plus Artikel Trend zu regionalen Hofläden von Pandemie noch verstärkt

Hofläden wie hier Kaegy auf dem Bolanderhof sind mit ihren regionalen Produkten im Moment sehr gefragt.
Hofläden wie hier Kaegy auf dem Bolanderhof sind mit ihren regionalen Produkten im Moment sehr gefragt.

Der Gang in den Supermarkt hat sich in den letzten Monaten zum Wochenhöhepunkt gemausert. Doch kaufen viele nicht mehr nur bei den großen Ketten ein, sondern nutzen vermehrt regionale Hofläden. Aber bleibt der Trend auch wortwörtlich nachhaltig? Vier Direktvermarkter erzählen.

Die Pandemie hat vieles mit uns gemacht – und unseren Gewohnheiten. Durch Homeoffice haben wir mehr Zeit zu kochen. Die leeren Nudelregale haben uns gelehrt, wie sehr wir vom Ausland und den Lieferketten abhängig sind. Und ein paar Vitamine für bessere Abwehrkräfte, das kann doch auch nicht schaden. Sich bewusster ernähren und regional einkaufen: Seit der Pandemie wollen das immer mehr Menschen. Die Folge: Hofläden boomen, auch bei uns.

Ein Viertel mehr Umsatz

Über ein Viertel mehr Umsatz erzielte Rolf Kaegy in „Kaegys Kornkammer“ auf dem Bolanderhof in den ersten Wochen des Lockdowns. Ähnlich ging es dem Gemüsebauer Peter Klug aus Enkenbach-Alsenborn: „Sowohl an unserem Marktstand in Winnweiler als auch im Hofladen kamen ca. 20 bis 30 Prozent mehr Leute“, erzählt er. Selbst Reiner Steitz, der überwiegend Kartoffeln in seinem Laden auf dem Schmalfelderhof verkauft, sagt: „Die ersten 14 Tage hatten wir einen wahnsinnigen Zulauf.“ Die ersten 14 Tage, das war, als die Nudeln knapp waren und die Deutschen Mehl hamsterten. Danach sei der Andrang etwas zurückgegangen, berichten sie. Aber nach wie vor sei er höher als vor der Pandemie – um etwa zehn Prozent.

Nach etlichen Corona-Aufs-und-Abs, nach Notbremse, Lockdown light, hartem Lockdown und Teillockdown wissen sie mittlerweile: Ob und wie viele Leute kommen, das hängt stark von den Inzidenzzahlen ab. „Wenn die Maßnahmen verschärft werden, dann kommen auch mehr Kunden“, erklärt Klug. Denn die Leute wollten unter anderem die vollen Supermärkte umgehen, so die Landwirte. Kaegy hat deshalb seinen Laden an die Luft verlegt: Statt im Shop verkauft er seine Ware im Freien. Das hat zwar zur Folge, dass mehr Leute kommen, aber manche Produkte werden eben auch weniger verkauft, weil sie nicht gesehen werden.

Viele meiden volle Läden

Auch Steitz erzählt: Viele kämen, weil sie die vollen Geschäfte meiden wollen. In den regionalen Hofläden fühlen sich viele also sicherer als in den Supermärkten. Außerdem haben die Landwirte beobachtet, dass mehr Städter aufs Land fahren, um bei Direktvermarktern einzukaufen. Zu Klug kommen etwa mehr Kaiserslauterer. „Und junge Familien“, ergänzt er. Ein weiterer Faktor für die Kunden sei außerdem, welche Waren die Bauern anbieten. Steitz führt eher Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Nudeln, die sich ohnehin lange halten. In den ersten Wochen boomten sie weil sie knapp waren. Jetzt sind sie auch anderswo wieder verfügbarer.

Vor allem wer frische Produkte führt, freut sich über mehr Zulauf. Bei Kaegy gibts etwa frische Eier aus den eigenen mobilen Hühnerställen, regionales Fleisch und Gemüse sowie Selbstgebackenes. Das war vor allem gefragt, weil die Deutschen mehr zu Hause waren – und damit mehr Zeit hatten zu kochen. In einer Umfrage des Ernährungsministerium gaben 30 Prozent an, seit der Pandemie häufiger frisch zu kochen.

Ganz neu im Kreis ist der Selbstbedienungs-Hofladen von Melanie Seeber. Im April, mitten in der dritten Welle, eröffnete ihr Laden auf dem Weierhof. „Wir hatten die Idee schon vor der Pandemie. Zwar hätten wir gerne mehr Kontakt zu den Kunden. Aber ohne Personal konnten wir guten Gewissens öffnen“, erzählt die 28-Jährige. Die studierte Agrarwissenschaftlerin aus Heidelberger hat den Hof mit ihrem Partner übernommen, weil die jetzigen Besitzer keine Nachfolger fanden. Nun bieten sie Kichererbsen, Eier, Getreide und Nudeln an – alles Bio und regional. Künftig wollen sie auch Mehl und Milchprodukte aus der Gegend verkaufen.

Zurück zu den Wurzeln

Seit Ausbruch der Pandemie spricht also alles dafür, dass die Deutschen wieder mehr bei den Erzeugern direkt kaufen. Aber bleibt der Trend auch nachhaltig? Die Abhängigkeit von Lieferketten aus dem Ausland, der Tönnies-Fleischskandal: Allein das hat das Bewusstsein für Lebensmittel geschärft. Und laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wollen 20 Prozent der Deutschen auch künftig mehr frische und regionale Lebensmittel einkaufen. Elf Prozent wollen mehr auf Bio setzen. Bundesernährungsministern Julia Klöckner hofft, dass das kein kurzfristiger Trend, sondern eine nachhaltige Veränderung sein wird. Bei der Vorstellung des Ernährungsreports sagte sie: „Corona verändert auch den Ernährungsalltag der Deutschen. Es ist ein neues Bewusstsein für regionale Lebensmittel entstanden – und für die Arbeit derjenigen, die sie produzieren. Diese neue Wertschätzung gilt es, aufrecht zu erhalten.“

Dass auch nach der Pandemie mehr regionale Lebensmittel in die Nordpfälzer Küchen finden, da sind alle Landwirte optimistisch: „Der Trend zum regionalen Einkaufen war schon vor Corona da und wurde nun verstärkt.“ Auch Seeber glaubt: „Die Menschen wollen einfach wissen, woher ihre Lebensmittel kommen. Da ist der direkte Weg zum Landwirt der naheliegendste.“

Klug, der sein Sortiment auf Bio umstellen will, denkt ebenfalls, dass sich auch in Zukunft mehr Menschen gesünder ernähren und mehr Acht auf ihren Körper geben möchten. Er wünscht sich aber ein generelles Umdenken, was Lebensmittel angeht: „Als die Lieferketten zusammenbrachen und im Supermarkt plötzlichen nicht mehr 20.000, sondern nur noch 17.000 Artikel vorrätig waren, brachen die Menschen in Panik aus. Dabei würden 5.000 richtige Artikel doch auch reichen?“

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