MARNHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Thaiboxen: Thore Wagner will auch dieses Jahr wieder angreifen

Mit seinem Vater (rechts) trainier er mehrere Stunden die Woche um das Niveau zu halten. Am meisten Spaß machen ihm beim Kämpfen
Mit seinem Vater (rechts) trainier er mehrere Stunden die Woche um das Niveau zu halten. Am meisten Spaß machen ihm beim Kämpfen die Kicks.

Er ist die Nummer fünf der Weltrangliste im Thaiboxen: Thore Wagner von den Vikings Muay Thai. Der Elfjährige machte 2019 mit Topleistungen auf sich aufmerksam und will auch dieses Jahr wieder national und international angreifen. Seine Familie ist dabei ein ganz besonderer Rückhalt.

Es ist kurz nach 18 Uhr, in einer halben Stunde beginnt das Training im Gym der Vikings Muay Thai in Marnheim. Thore und seine Familie sind schon da. Gerade tobt der Elfjährige mit seinen jüngeren Brüdern Lasse und Ole im Ring herum. Schwester Solveig wartet auf den Trainingsbeginn und Mutter Sonja und Vater Marc Wagner kümmern sich um verschiedene Aufgaben.

Thore geht in die fünfte Klasse des Weierhof-Gymnasiums, seine Lieblingsfächer sind Englisch, Deutsch – und natürlich Sport. Denn neben Thaiboxen spielt Thore auch gerne Fußball und Tischtennis und fährt viel Fahrrad. Zur Entspannung spielt er gerne mal das Action-Spiel „Fortnite“. Das Training füllt aber auch einen Großteil seiner Freizeitaktivitäten aus, gerade wenn große Turniere anstehen. Viermal die Woche etwa zweieinhalb Stunden Training müssen Sportler auf seinem Niveau schon opfern, erklärt Vater und Trainer Marc Wagner. „Das bedeutet viel Arbeit, man muss wie ein Profi trainieren und auch seine Ernährung im Blick haben.“ Thore ist in diesem Jahr bis 42 Kilo gemeldet, das darf bei den Kämpfen nicht überschritten werden.

Am meisten Spaß machen die Kicks

Mit sieben Jahren hat Thore angefangen, ein bisschen spielerisch zu trainieren, dann wurde es immer mehr. Vier Jahre später ist er Westdeutscher Vize-Thaiboxmeister, Ostdeutscher Thaiboxmeister, Deutscher und Belgischer Thaiboxmeister, Mitglied der Nationalmannschaft und somit WM-Teilnehmer und Nummer fünf der Weltrangliste, in der 130 Länder vertreten sind. Gerade im Vergleich zu der internationalen Konkurrenz aus den Ostblockstaaten und Thailand, wo es auch spezielle Internate für Thaiboxer gibt, sei das eine unglaubliche Leistung, lobt Marc Wagner.

Am meisten Spaß machen Thore beim Kämpfen die Kicks. Er schätzt aber ebenfalls, dass er bei seinem Sport gesund und in Form bleibt, mit anderen Kindern spielen und abends auch mal ein bisschen länger aufbleiben kann. Die Belastung merkt er aber manchmal auch: „Am schwierigsten ist, wenn man schon fertig ist, das Training aber noch eine Stunde geht.“ Wenn er bei internationalen Turnieren unterwegs ist, sind die ersten Tage toll, aber dann komme doch ein bisschen Heimweh nach seiner Familie dazu, auch wenn Vater Marc immer mit dabei ist.

Schon 30 Kämpfe absolviert

Außerhalb des Rings kommt der Elfjährige manchmal noch ein bisschen schüchtern herüber, im Ring ändert sich das postwendend. Kick, Kick, Schlag. Kick, Block, Konter. Das alles passiert in Windeseile. Abwechselnd reißt Thore Arme und Füße hoch und folgt konzentriert den Anweisungen seines Vaters, der die thailändischen Fachbegriffe nutzt. In einem richtigen Kampf geht es später darum, Punkte zu landen, um so den Gegner zu bezwingen. Thore hat in seinem jungen Alter bereits an die 30 Kämpfe absolviert: „Ich bin da jetzt schon dran gewöhnt, war schon sehr oft im Ring, das geht automatisch. Vor dem Kämpfen bin ich immer noch ein bisschen aufgeregt, aber im Ring ist das sofort weg.“

Was beim Thaiboxen groß geschrieben wird, ist der Respekt- und Fairplay-Gedanke, hebt Marc Wagner hervor. „Wenn jemand aggressiv wird, wird er ausgeschlossen, egal ob vom Training oder bei einem Kampf“, erzählt er. Thaiboxen sei zwar Kampfsport, aber nicht dafür da, seine Aggressionen auszulassen. Stattdessen ist es gang und gäbe, dass Thore und seine Gegner nach dem Kampf noch zusammen Pommes essen oder gemeinsam eine Cola trinken.

Champions League

Eine Neuerung gibt es 2020 noch: Thore und sechs andere Sportler der Vikings werden in der erstmals stattfindenden internationalen Muay-Thai-League antreten, die in Slowenien ausgetragen wird. Dabei soll bei vier Meisterschaften im Jahr ermittelt werden, wer das beste Gym ist. „Das ist etwa so wie die Champions League“, erklärt Marc Wagner. „Wir haben uns da angemeldet, weil wir nur so das internationale Niveau halten können.“ Gerade hier sind Sponsoren wichtig, die diese Reisen mitfinanzieren. Viel zahlen die Vikings auch aus eigener Tasche. Für Thore steht als Nächstes die Westdeutsche Thaiboxmeisterschaft an. Anschließend ist Thores Ziel für dieses Jahr, seinen Deutschen Thaiboxmeistertitel zu verteidigen. Auch die WM steht wieder an. Der Elfjährige hat auf jeden Fall noch viel vor sich.

Nils erklärt: Thaiboxen

Also ich muss sagen, was ich da gerade über Thore gelesen habe, hat mich ganz schön fasziniert – euch auch? Ich bin gespannt, was er noch so für Erfolge feiern wird, und werde das auf jeden Fall verfolgen.

Wusstet ihr, dass Thaiboxen auch Muay Thai genannt wird? Das bedeutet übersetzt „freies Boxen“ (Muay = Boxen und Thai = frei). Die Wurzeln dieser Sportart können über 100 Jahre zurück verfolgt werden. In Thailand ist sie Nationalsport. Thaiboxen ist dort also so wichtig für Sportfans wie in Deutschland der Fußball. Diese spezielle Form des Kämpfens wurde damals erfunden, um weiterkämpfen zu können, auch wenn man seine Waffe verlieren sollte.

Was ich immer noch kniffelig finde, ist der Unterschied zwischen Boxen, Thaiboxen und Kickboxen. Thore hat mir erklärt, dass er bei seiner Sportart boxen und kicken darf und auch Ellenbogen- und Kniestöße erlaubt sind. Beim Boxen darf man hingegen nur die Fäuste benutzen. Kickboxen besteht aus Faustschlägen und Fußtritten. Beim Thaiboxen ist also mehr erlaubt als bei den anderen beiden Boxformen.

Deswegen ist es wichtig, dass die Kämpfer gut geschützt in den Ring gehen, um keine Verletzungen davonzutragen. Thore trägt wie alle anderen Kämpfer einen Ellenbogen- und einen Kopfschutz, Boxhandschuhe, Schienbeinschützer mit Spannschutz, einen Tiefschutz und auch einen Zahnschutz. Die Knie bleiben ungeschützt, deswegen dürfen die Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre keine Kniestöße gegen den Kopf ausführen. Darauf wird streng geachtet, damit sich keiner verletzt.

Erst elf Jahre alt, aber schon international erfolgreich: Thaiboxer Thore Wagner.
Erst elf Jahre alt, aber schon international erfolgreich: Thaiboxer Thore Wagner.
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