Donnersbergkreis Stilistische Vielseitigkeit

Die Musical-AG hat das Publikum mit ihrer Inszenierung „Dracula und der besiegte Vampir“ begeistert.
Die Musical-AG hat das Publikum mit ihrer Inszenierung »Dracula und der besiegte Vampir« begeistert.

«Winnweiler.» Ein kunterbuntes Pasticcio, sozusagen „querbeet“, prägte das Sommerkonzert zum Ausklang des Schuljahres des Wilhelm-Erb-Gymnasiums Winnweiler. Im Festhaus schlug am Freitagabend vor allem die Stunde hochbegabter Vokalisten, die sich an der Rampe gut „verkauften“ oder als Kometen am Klavier für erstaunliche Leistungen sorgten. Kosmopolitische Offenheit und stilistische Vielseitigkeit waren angesagt.

Es ergab sich durch das Mitwirken verschiedenster Solisten und Ensembles mit unterschiedlichen Voraussetzungen und programmatischen Ausrichtungen ein abwechslungsreiches Konzertprogramm, das mit dem „Vater der Musik“ begann. So wurde Johann Sebastian Bach als harmonischer Wegbereiter heutiger Tonalität oft genannt. Gitarrenlehrer Abbas Mashyekh inspirierte sein Ensemble mit einer Satzauswahl aus dessen Lautensuite zu einem subtilen Klangerlebnis der außergewöhnlichen Art. Bach hat viele Werke seines italienischen Zeitgenossen des Barock, Vivaldi, gekannt und umgearbeitet. Daher passte das folgende Violinkonzert Vivaldis sehr gut zu diesem festlichen Einstieg: Die solide Lagen- und Bogentechnik offenbarende Geigerin Chiara Neißer konnte Motivik und Motorik des Kopfsatzes gut vermitteln. Als treibende Kraft erwies sich einmal mehr Musiklehrerin Stefanie Burkhardt, die hier einfühlsam am Klavier begleitete und bei späteren Klangbeispielen aus dem Genre des Musicals arrangierte oder sich auch als Chorleiterin mit der Vermittlung klarer Werk- und Tempovorstellungen auszeichnete. Zunächst blieb das Konzert aber bei dem klassisch-konzertanten Einstieg, der mit dem Pianisten Finn Schiebel seine adäquate Fortsetzung fand: Auch er kam an Bach nicht vorbei, nutzte aber dessen Fuge C-Dur zur Darlegung satztechnischer Finessen sowie spielerischer Klarheit und Solidität gleichermaßen. Die folgenden Klangbeispiele des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera zeigen vor allem typische folkloristische, rhythmische Besonderheiten, die der Pianist in mitreißender Gestaltung von Kolorit und Drive erfasste und vermittelte. Der zeitgenössische Komponist und Bandmusiker Wolfgang Fuchs hat die Stilistik romantischer Charakterstücke mit der Tradition von Jazz- und Rockballaden zu einem eigenen Klavierstil verschmolzen. Den traf der Klavierschüler Marco Bertoluzzi genau in der Diktion. Und zusammen mit Schwester Eva zündeten beide aus der Sammlung der vierhändigen Souvenirs für Piano von Samuel Barber ein Feuerwerk an pianistischer Brillanz: Dieser Galop offenbarte mitreißende Gestaltungskraft und hohe pianistische Schule gleichermaßen. Vor der Pause schlug die große Stunde der Musical-AG, in der Einstudierung durch Lehrerin und Arrangeurin Stefanie Burkhardt. „Dracula und der besiegte Vampir“ in der Textfassung durch Schülerin Chiara Neißer sowie in der szenischen und stimmlichen Gestaltung durch Schüler/innen der 5. Klassen, die diese Musik von Carey Blyton gut umsetzten. Gefolgt von dem Chor mit Schülerinnen der 5. bis 7. Klassen, die unterstützt von Pianisten und Schlagwerk einen Erfolgstitel der amerikanischen Metal-Band „Disturbed“ im großen Stil aufführten. Publikumswirksame Bands wie die „Wunderfinder“ mit den durch Charme und Charisma bezaubernden Frontsängerinnen Nele Döring, Tirza Franz, Nicole Adam und Naomi Kohn waren die eine Seite der „Medaille“; die andere waren aber auch Raritäten, die zwar mehr im verborgenen blühen, aber eine sehr intensive Schulung voraussetzen: Man denke an die Sammlung der heiteren Spielmusik von Jürgen Runge, die Waldhorn und Klavierbegleitung (Kristina Kappes) Gelegenheit zur gefälligen Selbstdarstellung in Hülle und Fülle bietet. Die mit sicherem Ansatz und tonschöner Darstellung und eindringlicher Satzcharakteristik aufwartende Hornistin Anna Gaedtke nutzte die Gunst der Stunde für diese Höhenflüge. Einer Unterrichtseinheit entsprang die Komposition von Louisa Whitton, die eine Ballade und die dazugehörige Klavierbegleitung komponierte und zusammen mit Emma Lawler eindrucksvoll selbst interpretierte. Mit „Kurz vor Knapp“ setzte sich eine aufstrebende Band in Szene, die als Trendsetter aber frühzeitig die Weichen stellt. Die Formation mit Luke Ströhla, Samuel Tussing – der den Abend auch schlagfertig moderierte – und Robert König profitiert vor allem vom starken Frontgesang von Maximilan König, der alle mitreißt. Der Schlusspunkt war zugleich der Kulminationspunkt: Lilli Knoll hat eine sehr ausdrucksvolle Soulstimme und wandelte bei der Ballade „Read all about it“ von Emeli Sandé in der Erfolgsspur der schottischen Sängerin, wobei sie aber auch eine eigene Note in den sehr wirkungsvollen Vortrag einbrachte. Das galt nicht minder für den zweiten Teil, in dem sie das Lied mit einer selbst entwickelten Ballett-Choreografie mit viel Dynamik und Ausdruck tänzerisch interpretierte.

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