Donnersberger Echo
Spritpreise: Den ländlichen Raum trifft’s mal wieder besonders hart
100 Euro und 87 Cent! Nicht 69,37 Euro wie am 6. Januar. Auch nicht 71,94 Euro wie noch am 3. März. Sie wissen vermutlich längst, wovon ich schreibe: Es geht um die Spritpreise – oder soll man sagen den Spritwucher? Wie auch immer: Erstmals in meinem Leben habe ich diese Woche für über 100 Euro getankt! Zwar gibt es seit Mittwoch leichte Entspannung, aber immer noch kostet ein Liter Diesel rund 55 Cent, ein Liter E10 knapp 40 Cent mehr als vor Beginn des Ukraine-Kriegs – und das, obwohl der zwischenzeitlich stark gestiegene Rohölpreis – mit Schwankungen – wieder gefallen ist.
Natürlich ist die jüngste Preisexplosion vor allem dem Krieg und den Sanktionen gegen Russland geschuldet, natürlich will niemand Putins Verstöße gegen das Völkerrecht mitfinanzieren. Die Frage ist aber, wer von den horrenden Beträgen profitiert – die Tankstellenbetreiber sind es wohl nicht. Stattdessen machen die Mineralölkonzerne den Reibach – wie so oft auf Kosten des kleinen Mannes und der kleinen Frau.
Lindner will lindern – und erntet Kritik
Wie diese entlastet werden können, darüber wurde diese Woche in der Bundespolitik heftig diskutiert. Bundesfinanzminister Lindner hat einen Spritpreis-Rabatt ins Spiel gebracht, der sofort beim Bezahlen an der Tankstellen-Kasse abgezogen wird. An diesem Vorschlag gab’s umgehend (berechtigte) Kritik, sowohl von Vertretern anderer Parteien als auch von Experten. Die einen sagen, solche direkten Nachlässe müsse der Staat über Schulden finanzieren – und sich das Geld später von den Bürgern über Steuern mindestens in gleichem, eher noch in höherem Maße wiederholen. Andere verweisen darauf, dass die mit den Sanktionen gegen Russland (vermeintlich) knapper werdenden fossilen Brennstoffe – nicht zuletzt mit Blick auf den Klimaschutz – weniger verbraucht werden sollen, dafür sorgten nun mal die höheren Preise. Stattdessen solle beispielsweise verstärkt in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs investiert werden. Dritte wiederum sehen durch Lindners Vorschlag gerade Vielfahrer großer, PS-starker Autos und damit in der Regel Besserverdienende entlastet – notwendiger seien dagegen gezielte Hilfen für Haushalte mit geringerem Einkommen. Übrigens nicht nur was den Sprit, sondern was die immensen Energiepreise von Strom über Gas bis Öl insgesamt anbelangt
Welcher Weg der richtige, welche Unterstützung am sinnvollsten ist, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Dass sie kommen muss, ist aber klar! Und auch das liegt auf der Hand: Der ländliche Raum ist von dieser Misere mal wieder besonders stark getroffen! Der Schichtarbeiter bei der BASF kann ja mal versuchen, zu seinem morgendlichen Dienstbeginn aus dem Donnersbergkreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Ludwigshafen zu kommen. Apropos: Auch die meisten Linienbusse benötigen Sprit – wie sieht es hier mit finanziellen Hilfen für die Betreiberfirmen aus? Ob Handwerksunternehmen oder Rettungsdienste: In unserer Region sind die Wege nun mal weiter – einiges wird letzten Endes in Form höherer Rechnungen auf den Verbraucher zurückfallen.
Ehrenamtliche müssen noch tiefer in die Tasche greifen
Ein weiterer Aspekt, der meines Erachtens bisher übersehen wird: Der gerade bei uns ausgeprägte Sektor der Ehrenamtlichen wird die drastischen Erhöhungen ebenfalls zu spüren bekommen. Beispiel Jugendsport: Hier müssen diejenigen, die – bestenfalls unterstützt vom Verein – auf eigene Kosten Akteure von A nach B fahren, noch tiefer in die Tasche greifen. Wenn etwa die B-Junioren von Rockenhausen gegen Stetten/Gauersheim spielen, sind natürlich deutlich mehr Kilometer zurückzulegen als bei der Partie TSG Kaiserslautern gegen Wiesenthalerhof.
Mehr noch: Es gibt Sportarten wie Basketball, da sind – wie ich aus familiärer Betroffenheit weiß – mangels Mannschaften Auswärtsspiele oft nicht „um die Ecke“, sondern in Maxdorf, Speyer oder Bad Bergzabern. Diese Fahrten waren bei einigen Eltern, die als Chauffeure benötigt werden, schon in der Vergangenheit nicht sehr beliebt – man kann sich ausmalen, dass künftig bei diesen Partien vermehrt Kinder plötzlich „verhindert“ sind... Ähnliche Beispiele lassen sich bestimmt in anderen Bereichen finden, sei es bei Tanzgruppen oder Jugendorchestern. Wenn der Sprit zum Luxusgut wird, dann spart man – verständlicherweise – dort, wo es am ehesten verzichtbar ist: bei den Hobbys. Mit der Folge, dass die ohnehin unter der Pandemie leidenden Vereine vermutlich weitere Mitglieder verlieren werden.
Wie sehr entlasten die Entlastungen?
Sicher: Die Bundesregierung hat am Mittwoch diverse Entlastungspakete beschlossen – von einer höheren und vorgezogenen Pendlerpauschale über eine Verdopplung des Heizkostenzuschusses bis hin zu höheren Steuerfreibeträgen. Auch lässt sich durch eine vorausschauende und angepasste Fahrweise (was ist eigentlich mit einem Tempolimit?) einiges an Sprit sparen. Allein mir fehlt der Glaube, dass so die genannten negativen Auswirkungen des Zapfsäulen-Wahnsinns nur halbwegs aufgefangen werden können. Schon gar nicht hier auf dem Land. Ich bin gespannt, ob die Preise jemals wieder das ebenfalls schon hohe Vorkriegsniveau erreichen werden. Wetten würde ich nicht darauf, dass die 100,87 Euro für eine Tankfüllung mein persönlicher Rekord bleiben ...
Mein Tipp: Lassen Sie das Auto am Wochenende möglichst in der Garage – es ist ohnehin verdreckt vom Sahara-Staub.