WINNWEILER RHEINPFALZ Plus Artikel Sonntags-Gottesdienst diesmal mit Fernseh-Drehbuch

In der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche ist am Wochenende das ZDF zu Gast und überträgt den Gottesdienst zum 1. Advent.
In der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche ist am Wochenende das ZDF zu Gast und überträgt den Gottesdienst zum 1. Advent.

Vor vielen Menschen zu stehen und Gottesdienst zu halten, ist für den katholischen Pfarrer Carsten Leinhäuser Alltag. Doch einen Fernsehgottesdienst abzuhalten, der dann noch live über den Sender gehen soll? Da steht er vor einer neuen Herausforderung.

Das ZDF und die Katholische Fernseharbeit haben für ihren Gottesdienst zum ersten Advent 2021 die katholische Pfarrei Heilig Kreuz in Winnweiler ausgewählt, und in Abstimmung mit der Bischofskonferenz wurde bereits vor über einem Jahr der Startschuss für dieses besondere Ereignis gegeben.

„Im Fernsehen laufen ja schon lange solche Vorbereitungen, und es wird geschaut, welche Region noch nicht dran war, alles im Wechsel mit den evangelischen Gottesdiensten. Und so hat es vor gut einem Jahr die Anfrage bei uns gegeben“, erklärt Pfarrer Leinhäuser, gespannt und mit großer Vorfreude. Zu dem hohen technischen Aufwand kommt noch die Beachtung der Corona-Regeln in diesem Jahr aktuell hinzu, da wird gehöriges Organisationstalent von den ZDF-Profis und dem Team der Kirchengemeinde verlangt.

Im Anschluss Zuschauertelefon geschaltet

„Wir haben viele engagierte Leute, die sich mit mir freuen, unser Winnweiler bekannt zu machen. Dabei sind nicht nur die Mitgestalter der Liturgie gefragt – da sind zehn Menschen mit dabei. Im Anschluss an den Gottesdienst wird ein Zuschauertelefon für Fragen zum Gottesdienst und sicher vielem mehr angeboten, auch dafür haben wir Helfer benötigt und gefunden“, so Leinhäuser. Durch die Corona-Regeln ist nur eine begrenzte Anzahl Plätze in der Kirche vorhanden, hinzu kommen noch die Techniker und Mitarbeiter vom Fernsehen.

Doch der Pfarrer ist zufrieden, hier eine Kompromisslösung gefunden zu haben. „Am Samstag findet um 16.30 die Generalprobe als reguläre Vorabendmesse zum 1. Advent statt, da haben wir 70 Plätze vergeben können, genau so viel wie für den Sonntagsgottesdienst, der dann ab 9.30 Uhr live im ZDF übertragen wird. Wir haben uns bemüht, die Plätze rechtzeitig und fair zu verteilen, haben aber auch so manche Stimmen gehört, die froh sind, ihren Gottesdienst sicher von zu Hause aus zu verfolgen.“

Bei der Live-Sendung muss alles sitzen

Leinhäuser hat mit den Fernsehleuten ein regelrechtes Drehbuch erarbeitet, denn bei der Live-Sendung muss alles sitzen. Insgesamt sind 44 Minuten und 30 Sekunden genau durchgeplant, so der Pfarrer, den es schon begeistert, vor einem Millionenpublikum Gottesdienst zu feiern.

„Aufgeregt bin ich aber schon, ich seh ja nicht alle Menschen an den Bildschirmen vor mir, sondern habe meine Gemeinde und die Kameras. Da muss es mir gelingen, dass ich nicht nur die Technik, sondern auch noch meine Gottesdienstbesucher im Blick habe. Der Augenkontakt ist mir in meinen Gottesdiensten sehr wichtig, das müssen wir auch mit der Kamera hinbekommen“, sagt er.

Der Samstagabendgottesdienst wird vor allem von den ruhigeren Semestern besucht werden, erklärt der Pfarrer. So seien sie bei dem besonderen Ereignis dabei und doch nicht ganz so im Mittelpunkt wie die Besucher am Sonntag. Die Musik wird auch am Samstag nicht zu kurz kommen, auch hier ist die Generalprobe wichtig. Johannes Weber spielt die Orgel, und die junge A-Capella-Band Voitex wird singen, als Kantorin fungiert Mireio Trinley in den beiden Gottesdiensten.

„Gott kommt in die düstere Welt“

Die Predigt steht auch schon, und Leinhäuser ist sich bewusst, dass gerade die für den ersten Advent vorgeschriebenen Bibeltexte sehr anspruchsvoll und schwierig sind. „Es geht um das Ende der Welt, heftig für den Advent. Aber dadurch wird uns bewusst gemacht, dass alles endlich ist. Gott ermöglicht uns keine Welt im Stil ,Friede, Freude. Eierkuchen’, er kommt in die düstere Welt. Das passt gerade in unseren aktuellen Zeiten der Pandemie und der vielen weiteren Herausforderungen. Doch Gottes Begleiten stärkt und trägt uns, das ist das Wichtige, und Jesus hilft uns, dass wir Christen dazu beitragen können zu heilen und dadurch auch geheilt zu werden. Ein harter, aber wichtiger Einstieg in den Advent und in die frohe Botschaft“, erläutert Leinhäuser seine Gedanken zum Gottesdienst.

Vorfreude auf den Fernsehgottesdienst mischt sich also mit der Vorfreude auf die kommende Zeit. Sehr viel Aufwand ist dafür notwendig, das braucht der Winnweilerer Pfarrer nicht jeden Sonntag, aber er ist begeistert über die Reichweite durchs Fernsehen und stolz, dass seine kleine Pfarrei so weit wirken kann.

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