Donnersbergkreis Seit 25 Jahren auf Achse
In Albisheim war es, als bei Thomas Steingaß der zündende Funke flog. Der verführerische Duft knusprig gegrillter Hähnchen hatte seine Nase gekitzelt und seinen Blick auf einen mobilen Grillwagen gelenkt – das war ein Moment von bleibender Bedeutung. Heute, 25 Jahre danach, hat sich die Hähnchenbraterei Steingaß zu einem respektablen kleinen Unternehmen entwickelt.
In Bolanden aufgewachsen und auch heute mit seiner Familie verwurzelt, wird Thomas Steingaß’ Name weit über seinen Heimatort hinaus getragen, eigentlich hinaus gefahren. Seine zwei Grillwagen sind täglich zu festen Zeiten in Winnweiler, Rockenhausen, Göllheim, Albisheim und Alzey unterwegs und bieten neben Grillhähnchen auch knusprige Haxen, Pommes frites und Krautsalat auch gekühlte Getränke an. Mit Fleisch fachgerecht umgehen und die Hygienevorschriften beachten, das hat der heute 50-Jährige in seiner Metzgerlehre in Dreisen gelernt. Den Beruf hat er auch ausgeübt, bis er zur damaligen KKK in Kirchheimbolanden wechselte. 1992 geschah dann die schicksalhafte Begegnung mit dem Grillwagen in Albisheim. Der junge Mann begann zu experimentieren, grillte Spießbraten und Prager Schinken, Hähnchen natürlich auch, und setzte im Juni 1993 nach dem Kauf eines Grillwagens seine Idee in die Tat um. Jeden Samstag stand er am ehemaligen Markant-Markt in Kibo und war überrascht: Das Geschäft lief so gut an, dass er einen zweiten Grillwagen anschaffte. „Ich wollte mir nicht irgendwann den Vorwurf machen, es nicht probiert zu haben“, sagt Thomas Steingaß rückblickend im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nach dem ersten großen Erfolg in den Anfangsjahren, als die Leute an seinen Verkaufswagen Schlange standen, sei nach der Umstellung auf den Euro das Geschäft etwas zurückgegangen, aber er ist sehr zufrieden, sich mit 25 Jahren selbständig macht zu haben und somit nun sein Geschäftsjubiläum feiern zu können. Mittlerweile fahren seine zwei „Mädels“ die Touren zu den jeweiligen Standorten. Das sind Ehefrau Steffi Steingaß und die Thailänderin Pranom Peek, die dem Betrieb schon seit zehn Jahren die Treue hält. Gern hätte er noch eine Aushilfe beschäftigt, aber dafür scheint wohl niemand Interesse zu haben. Ein zweites wirtschaftliches Standbein neben der Hähnchenbraterei legte sich der Jungunternehmer im Jahr 2003 zu: Er kaufte das Haus der früheren Metzgerei in Dreisen und eröffnete darin ein Grill- und Steakhaus mit Imbiss. Täglich ein Tagesessen und jeden Mittwoch frisch gekochtes Wellfleisch, das kam bei seinen Kunden gut an und hielt bis zu zehn Beschäftigte auf Trab. Nach zwölf Jahren verpachtete Steingaß die Gastwirtschaft, um sich ganz auf seine knusprige Spezialität zu konzentrieren. Wie viele Grillhähnchen in einem Vierteljahrhundert wohl durch seine Hände gegangen sein mögen – darüber zu spekulieren, dürfte auch Steingaß selbst schwer fallen. Richtig stolz ist er auf etwas ganz anderes. In den 25 Jahren seiner Selbstständigkeit musste er seine Kunden nur an einem einzigen Tag vergeblich warten lassen: Hoher Schnee in Winnweiler hatte ein Durchkommen zum gewohnten Stellplatz verhindert.