Donnersbergkreis Sein Herz schlägt für den Radball

Bolanden. Der RV Bolanden ist für ihn mehr als nur ein Verein. Er ist ein Gefühl, das er lebt. Seit 43 Jahren. Dieter Menzel ist eines der prägenden Gesichter des Bolander Radklubs: Als er 1973 eintrat, war der jetzt 66-Jährige treibende Kraft einer Wiederbelebung der Abteilung Radball. Heute, gut vier Dekaden später, erntet diese europaweit Glanz und Gloria. Menzel war im RVB Fachwart, Jugendleiter, Vorsitzender – eben dort, wo er gebraucht wurde. Nach zuletzt zehn Jahren als Erster Vorstand zieht er sich nun zurück. Erinnerungen an frühere Tage.
Das Rad hätte genauso gut auch einen elfjährigen Jungen satteln können. Klein ist es, höchstens 60 Zentimeter hoch. Ein Kinder-Velo mit zierlichem Gestell, hellblauem Rahmen und dem typisch abgeknickten Lenker, um am Berg ordentlich aus dem Sattel gehen zu können. „Das kleine da, das war von Emil Wimmer“, lacht Dieter Menzel und zeigt auf das Rädchen, das mitten im Raum auf dem beigen Teppichboden drapiert ist. Menzel sinniert. Über die Jahre, als der schmale Wimmer – eine Legende des RV Bolanden und liebevoll „Bergfloh“ gerufen – große Titel einfuhr. Über Jahrzehnte, in denen der RVB in Europa unterwegs war, als Botschafter des Radballs. „Was wir alles erlebt haben“, schüttelt der 66-Jährige in früheren Zeiten schwelgend den Kopf. Menzel wandert andächtig durch das kleine Museum seines Vereins. Ein altes Rennrad baumelt da von der Decke, 1928 noch mit antikem Holzrahmen gebaut. Hunderte Plaketten, Wimpel, Vereinsteller und Medaillen hängen an den Wänden, Urkunden sind – wie der Raum an sich – über die Jahre vergilbt. Menzel trägt ein blaues Polo, darauf das leuchtende weiß-blau-goldene Wappen des RVB. Um ihn herum: 112 Jahre Klubgeschichte, bestens archiviert. Einen großen Teil der Historie erlebte Menzel hautnah mit, 43 Jahre, um genau zu sein. Dabei war er, als er 1973 eintrat, in Sachen Radsport ein Amateur. Sachkenntnis? Vorerst nicht. „’72 bin ich von Alzey nach Bolanden auf den Kleeberg gezogen. Damals wohnte dort auch Alfred Anstätt, Erster Vorsitzender des RVB. Als Nachbarn sind wir dann so ins Gespräch gekommen“, erinnert sich der gebürtige Rheinhesse. Ein Rad griff dann wortwörtlich ins andere: Menzel wurde ins Boot gezogen, organisierte mit, half, wo es brannte. Beim Volksrad- und Wanderfahren, später auch als Koch im RVB-Hof auf dem Residenzfest. 31 Jahre lang. Der große Sportler war der Bolander nie. Eher derjenige, der im Verborgenen werkelte und schaffte. Ein Herzblut-Ehrenamtler, gerade in der Sparte Radball – seinem „Kind“, wie er sagt. „Das war so meine Abteilung. Die lag mir besonders am Herzen. Da habe ich angefangen, die habe ich mit aufgebaut“, schwärmt Menzel und lächelt mit einem Glänzen in den Augen: „Die Leute staunten. Ein Nischensport in Bolanden plötzlich ganz groß.“ Er gab sozusagen den Startschuss für den Ruhm, den die RV-Radballer heute genießen: Bis in die 50er Jahre wurde im Burgdorf das kleine Runde mit dem Drahtesel geschossen, die Abteilung schlief aber ein. 1975 die Auferstehung. Unter Menzel. Wenige Jahre, und der RVB war eine Hochburg. Titel räumte er ab, auf Pfalz-Ebene und im Land. Nach nur vier Jahren hatte der Klub Personal für fast zehn Mannschaften. Es war die Zeit, 1979, zu der Menzel die Silberne Ehrennadel des Pfälzischen Radfahrerbundes ans Revers gesteckt bekam – eine Adelung, die einem normal erst nach 25 Jahren zuteil wird. Ob es ihn selbst nicht mal in den Fingern gejuckt habe, professionell zum Rad zu greifen? „Ich war einfach zu alt. In Alzey hatte es so etwas nie gegeben, mit sieben, acht Jahren muss man eigentlich anfangen.“ Als er zum RV stieß, war er ein Mittzwanziger – und die Uhr abgelaufen. Also der andere Weg: Menzel schnappte sich Bücher über den Sport, lernte die Theorie, lehrte sie seinen Buben. Erst 1988, nach 14 Jahren Vorstandschaft, legte der „Mr. Radball“ in seiner Abteilung eine Pause ein. Oben im kleinen, verstaubten Vereinsmuseum, da liegt im Nebenraum ein dicker Wälzer. Erinnerungen, Fotos, Zeitungsartikel. Als Menzel langsam durch die porösen Seiten blättert, stöhnt er plötzlich auf. „Ha, die Gebrüder Pospisil“, ruft er. Das schwarz-weiße Foto zeigt zwei dürre, kantige Typen. Mit dem RVB traf Menzel viel Prominenz. Die Pospisils, zwei Tschechen, wurden 20 Mal Weltmeister im Radball. Der Bolander erinnert sich. „Einer von denen hat kiloweise Mandarinen verschlungen. Und beide haben sie Radschläuche verkümmelt, um die Fahrten bezahlen zu können. Das vergisst man nicht, mit solchen Leuten trainiert zu haben“, sagt er. Seine Karriere beim RVB neigt sich dem Ende zu, auch krankheitsbedingt. „Ich schaffe das nicht mehr“, gibt er zu. „Mitorganisieren werde ich noch. Aber das Vermitteln zwischen den Leuten, dieses Arbeiten, das geht nicht.“ Obwohl Dieter Menzel nie einen Sport ausübte, verlässt ein großer Sportsmann die Bühne. Mit einem Verein im Herzen