Donnersbergkreis Schweinepest: Landwirte alarmiert

Wildschweine können die Afrikanische Schweinepest verbreiten. Wenn Spaziergänger im Wald in Blut oder Kot eines erkrankten Tiere
Wildschweine können die Afrikanische Schweinepest verbreiten. Wenn Spaziergänger im Wald in Blut oder Kot eines erkrankten Tieres treten, besteht die Gefahr, dass sie die Seuche nichts ahnend weiterschleppen.

Eine seriöse Aussage darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines ASP-Ausbruchs im Donnersbergkreis ist, lasse sich nicht treffen, sagt Gerold Füge, der Vorsitzende des Kreisverbandes Donnersberg im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV). „Wir hoffen, dass das an uns vorübergeht.“ Die Landwirte seien sich der Gefahr aber bewusst, dass die Seuche im Kreis ausbrechen könnte. Zu ihnen zählt Ute Schmidt vom Hof Esper bei Göllheim. „Wir hatten schon schlaflose Nächte“, sagt sie. Der Betrieb mit rund 100 Muttersauen lebt nur von der Ferkelzucht. Ein Ausbruch der Seuche hätte für den Hof – trotz Versicherung – wirtschaftliche Folgen: „Das wäre unser K. o.“, verdeutlicht Ehemann Gerhard Schmidt. Vor 20 Jahren seien Wildschweine, die die Seuche bei Kontakt mit Hausschweinen übertragen können, rund um Göllheim noch kein Thema gewesen. Das habe sich geändert. „Es sind nicht viele, aber sie sind da. Auf unseren Hof sind noch keine gekommen, aber ich habe schon Spuren auf den Feldwegen gesehen“, berichtet Ute Schmidt. Deshalb haben die Landwirte Vorkehrungen getroffen. „Wir haben den Hof eingezäunt, und es kommt noch ein Tor dazu. Außerdem haben wir die Strohballen, die noch im Außenbereich lagen, reingeholt.“ Erste Auswirkungen von dem ASP-Fall in Belgien bekommen die Landwirte allerdings schon zu spüren: „Der Ferkelpreis ist nicht nur in den Keller, sondern in die Tiefgarage gefallen. Zurzeit bekommen wir für ein 25-Kilo-Ferkel 32 Euro, davor waren es zwischen 40 und 50 Euro.“ Sinkende Preise beklagt auch Markus Grill vom Landwirtschaftlichen Betrieb Grill in Reichsthal. „Als der Fall in Belgien bekannt wurde, ist der Kilopreis direkt gefallen“, sagt der 45-Jährige. In dem Betrieb leben derzeit zwischen 1700 und 2000 Schweine. Grill spricht von Existenzängsten. „Davor gab es die Schweinepest in Polen, das war weit weg. Aber mit Belgien sieht das nun ganz anders aus.“ Im Umkreis des Betriebs gebe es zudem viele Wildschweine. „Die Felder sind voll davon, und die Jäger sind machtlos.“ Der Landwirt sieht das Problem aber eher auf zwei Beinen daherkommen. Denn die Seuche könne auch durch Wurst- oder Fleischreste von infizierten Tieren übertragen werden, die Fernfahrer aus von der Schweinepest betroffenen Regionen mitbrächten. Würden die Reste an Raststätten achtlos weggeworfen, könnten Wildschweine diese fressen, ebenfalls erkranken und die Seuche weiterschleppen. „Der Mensch ist das große Fragezeichen“, sagt Grill. Besondere Sicherheitsmaßnahmen gibt es bei Grill zurzeit aber nicht. „Wir haben strenge Vorschriften, die wir ohnehin immer befolgen. Dazu gehört zum Beispiel, dass sich die Besucher in eine Liste eintragen und Schutzkleidung und -schuhe tragen.“ Ein ASP-Ausbruch würde das Aus für viele Schweinehalter in der Region bedeuten, glaubt der Landwirt. Besonders für die Betriebe, die ihren Bestand töten müssten. „Ein Wiedereinstieg nach der Seuche ist teuer, und es gibt strenge Gesetze. Ich glaube, dass sich das viele gut überlegen würden.“ Auch bei Schweinemäster Gerd Bürcky aus Albisheim gibt es unabhängig von der akuten Bedrohung strenge Vorschriften für den Umgang mit den derzeit 150 Schweinen: „Hygiene, Hygiene, Hygiene. Das gilt bei uns immer.“ Noch sei er optimistisch, dass die Region verschont bleibt. Rund um Albisheim gebe es zudem nur wenige Wildschweine. Dennoch: „Das Risiko ist da. Die Lage ist angespannt. Bei den Schweinezüchtern ist sie aber noch angespannter als bei mir.“ Eine Zwangstötung seiner Tiere würde auch ihn wirtschaftlich treffen. „Aber nicht langfristig.“ Möglicherweise langfristige Konsequenzen könnte ein Ausbruch der Schweinepest im Donnersbergkreis laut Markus Klaßen, Fachbereichsleiter Schweinehaltung, dagegen für den Lehrbetrieb Neumühle in Münchweiler haben. „Wenn wir alle Schweine keulen müssten, ist fraglich, ob der Bestand wieder aufgebaut wird. Dann stehen auch Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagt er. In den Fachbereich müsste laut Klaßen eigentlich dringend investiert werden. Da das zuständige Ministerium einen Zuschuss verweigert (wir berichteten), ist die Zukunft der Schweinehaltung ungewiss. Die Ansteckungsgefahr für die 400 bis 500 Schweine sei in der Neumühle besonders hoch. „Wir sind ein Lehrbetrieb. Hier gehen viele Leute ein und aus. Wir haben Schüler, die selbst Schweine halten, oder welche, die auf die Jagd gehen.“ Aus diesem Grund gebe es besondere Vorschriften. „Wir haben vorerst Führungen durch die Schweinehaltung untersagt, um die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung insgesamt zu senken. Alle anderen Fachbereiche unterliegen bis jetzt noch keinen Restriktionen, was den Besucherverkehr anbelangt“, informiert Klaßen. Auch Praktikanten gebe es zurzeit keine in der Schweinehaltung. Der Lehrbetrieb sei aktuell noch nicht von besonderen Vorsichtsmaßnahmen betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Seuche in der Region ausbricht, sei hoch. „Es weiß nur keiner wann. Das kann im nächsten Monat sein oder in fünf Jahren.“ Wichtig sei deshalb, die Risiken einer Einschleppung zu reduzieren. Dabei seien aber auch die Verbraucher gefordert, mahnt Klaßen. „Das fängt schon mit dem weggeworfenen Wurstbrot an, das die Wildschweine fressen. Essensreste gehören in den Müll.“ Auch Leute, die im Wald unterwegs gewesen seien, sollten einen anschließenden Kontakt mit Hausschweinen vermeiden.

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