Donnersbergkreis Schnupperkurs in Winnweiler

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Winnweiler. Die Situation im Tischtennissport ist angespannt. Hier, auf dem Land, sogar prekär: Bereits seit Jahren verfällt das schnelle Spiel mit der Celluloid-Kugel schleichend zu einem Rentner-Vergnügen. Es fehlt der junge Elan, der Drang des Nachwuchses. Aber was dagegen tun? Aufzuhalten ist die Negativ-Entwicklung nicht – höchstens einzudämmen. Mit dem „Schnuppermobil“ rief der nationale Tischtennis-Verband (DTTB) daher eine Aktion ins Leben, um Kinder in Vereine zu locken. Wir sahen uns das in Winnweiler mal an.

„Du musst einen Schritt vor. Und geh’ früher über dem Tisch an den Ball!“ Alexander Murek spricht leise, gleichzeitig eindringlich. Er flüstert seinem Schützling fast ins Ohr. Natürlich: Abschreckend darf ihn hier, in einem Getümmel aus elf- und zwölfjährigen Schülern, keiner finden. Das wäre kontraproduktiv. Gelassen steht Murek hinter Leonie und packt sachte ihr rechtes Handgelenk. Dort hält sie, etwas unbeholfen, den Schläger. Linkes Bein nach vorne, beim Ausholen schön den Oberkörper drehen, Arm vorwärts schnellen lassen. Lehrbuchmäßig. „Genau so!“, macht Murek der Sechstklässlerin Mut. Die Ballmaschine auf der anderen Tischseite spielt die kleinen, weißen Kugeln langsam rüber. Und siehe da: Leonie, gefühlvoll von ihrem Lehrmeister geführt, trifft. Am laufenden Band. Zappelnd bleiben die Bälle im schwarzen Auffangnetz hängen. Leonie lacht. Sie hat Spaß. Darum geht es an diesem Freitagmorgen ja auch. Alexander Murek ist ausgewiesener B-Lizenz-Trainer und Angestellter des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Ein fülliger, gemütlicher Kerl in blauem Trikot und schwarzen Anzughosen, gesegnet mit einem „Händchen“, wie man viel Schlaggefühl im Tischtennis nennt. Er leitet die Aktion heute, in der Sporthalle der Winnweilerer Realschule Plus. Den Roboter, Mini-Tische, unterschiedliche Schläger – das alles hat er in sein „Schnuppermobil“ gepackt. Gerade tourt er durch die Pfalz. Und will Schüler für den Sport begeistern. „Wir wollen zuerst mal zeigen, was Tischtennis ist und die Kinder heiß machen. Ziel soll schließlich sein, dass sie dann auch den Weg zum Verein finden“, schildert Murek. „Wir versuchen, Schüler im ortsansässigen Klub zu integrieren und sie an diesen zu binden. Für einen Lehrer geht es hier um die sozialintegrative Seite. Dass es Regeln und feste Zeiten gibt, das lernen sie in Vereinen“, beschreibt auch Walter Blum, zuständiger Lehrer und selbst aktiver Spieler bei der TSG Eisenberg. Veranstaltet wird die DTTB-Aktion als Kooperation zwischen Verband, Schule und örtlichem Verein, dem TTC Winnweiler. Jede Seite kann ihren Nutzen daraus ziehen. Die Schüler lernen im Klub das soziale Miteinander, umgekehrt soll durch die Mobilisierung des Nachwuchses der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden. Denn das Problem der Randsportart ist offensichtlich: Jugend ist seit Jahren schon Mangelware, der Altersschnitt liegt in einigen Vereinen bei über 40. „Wir müssen junge Leute mehr zum Tischtennis kriegen. Damit wir auch mal wieder mehr als nur eine Schüler-Mannschaft stellen können“, erhofft sich Alexander Geißler vom TTC. Zu stoppen ist der Trend nicht. Wenigstens aber muss er verlangsamt werden. Das „Schnuppermobil“ ist ein Ansatz, nicht mehr. Die Vereine sind es, die aktiv werden müssen. Leonie steht press am Tisch. So, wie es Murek wollte. Den Ball früh nehmen, dann kommt er fast sicher. Schuss, Treffer. Allmählich hat die Schülerin eine feste Routine im Arm. Schnell sind Fortschritte zu erkennen. Während vorhin die Bälle noch in alle Himmelsrichtungen, bloß nicht auf den Tisch segelten, kommen sie jetzt fast alle. Sie könne sich vorstellen, das öfter zu spielen, nickt Leonie. Ob sie jedoch überhaupt ein Probetraining beim TTC macht – offen. Natürlich rennt nicht jeder demnächst zum Verein. Auch nicht die Hälfte oder ein Drittel. Ein Glücksfall wäre, wenn ein, zwei fest hängen bleiben. „Man kann sagen, dass sich nach diesem Tag etwa 20 Prozent im Verein versuchen. Es liegt in der Hand der Vereine, wie es weitergeht“, sagt Murek. Der Sport hat frischen Wind nötig. Von 54 Vereinen im Bezirk Westpfalz Nord haben nur 18 eine Jugendabteilung. Immerhin: Sechs der Winnweilerer Schüler stehen am Abend in Geißlers Nachwuchstraining. „Ich weiß nicht, ob die auch dran bleiben“, ist er unsicher. Ein erster Schritt ist getan. Es wäre ein langer, harter Weg – wenn sich etwas ändern soll.

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