Donnersbergkreis Schießen Jäger zu wenig Schwarzkittel?

KIRCHHEIMBOLANDEN. Sie sind ein wiederkehrendes Thema und gerade wieder ziemlich aktuell: die Schäden, die Wildschweine in Äckern, Gärten und Wiesen anrichten. Sehr gern toben sich die Schwarzkittel auch auf Pferdekoppeln aus. Über die Art der Wiedergutmachung geraten sich Grundbesitzer und Jagdpächter des öfteren auch in die Haare – und über die Frage, ob und wie sich diese Schäden verhindern lassen.
Otto Klag aus Kirchheimbolanden zum Beispiel hält Pferde, unter anderem auf der Haide. In Waldnähe hat er eine große Koppel – und schon im dritten Jahr in Folge ziemlichen Ärger. „Jedes Mal machen sich Wildschweine über die Weide her und verursachen beträchtlichen Schaden“, ärgert sich Klag. Entschädigung habe er von den Jagdpächtern mal bekommen, mal sei er vertröstet worden. An der Sache selbst habe sich jedenfalls nicht viel geändert: „Ich bin der Meinung, dass die Jäger das Revier stärker bejagen müssten. Meiner Ansicht nach schießen sie einfach zu wenig Wildschweine ab. Sie müssten mehr dahinter her sein, auch mal einzeln rausgehen und gezielt ansitzen.“ Wie Kreisjagdmeister Klaus Weber, gleichzeitig in der Kreisverwaltung zuständig für Jagdangelegenheiten, weiß, steht Klag mit seinem Problem nicht alleine da. „Gerade Weiden sind für Schwarzwild hochinteressant wegen ihres Bodenlebens“, erklärt Weber. Weil sie durch die Ausscheidungen der Pferde gut gedüngt würden, seien die Grasflächen voller eiweißreicher Kleinlebewesen wie Würmer und Maden. „Das lieben die Wildschweine.“ Ist der Schaden erst mal da, sieht das Wiedergutmachungsprozedere eigentlich immer gleich aus: „Der Grundstücksbesitzer muss darauf drängen, dass der zuständige Jagdpächter sich um den Schaden kümmert“, so Weber. Zunächst müsse er den Schaden bei der Verbandsgemeinde anmelden. Danach habe er eine Woche Zeit, um sich mit dem Pächter zu einigen. Sollte es nicht zu einem Einvernehmen kommen, werde im Streitfall ein Schätzer bestellt. Im Ernstfall könne es bis zur Gerichtsverhandlung kommen. Den meist nächtlichen Aktionen der Schwarzkittel vorbeugen kann man nur bedingt. „Eine chemische Ablenkung durch Düfte beispielsweise wirkt hier nur sehr kurzfristig“, sagt Weber. Tatsächlich bleibe am Ende nur die Möglichkeit, den jagdlichen Druck zu erhöhen, mit anderen Worten: mehr Wildschweine abzuschießen. „Gerade erfahrene Bachen merken sich so etwas und meiden dann Stellen, wo bereits einmal Mitglieder ihrer Rotte abgeschossen wurden“, sagt Weber, „sie sind intelligent und sehr lernfähig“. Allerdings könne man den Jägern nicht pauschal nachsagen, dass nicht genug gejagt würde: „Im vergangenen Jahr wurden im gesamten Kreis 410 Wildschweine geschossen. In diesem Jahr waren es bis Oktober bereits 595. Im November sind noch einmal 195 dazugekommen. Speziell im Revier Kirchheimbolanden-Haide gab es am Buß- und Bettag zusätzlich noch eine Drückjagd, da dürften auch nochmal um die 70 Sauen erlegt worden sein.“ Grundsätzlich sei es auch schwer festzustellen, wie viele Wildschweine es im Revier gebe, weil die Tiere ständig unterwegs seien und zum Teil weite Strecken zurücklegten. Es sei auch gar nicht immer so einfach, die Tiere zum Abschuss überhaupt anzutreffen. Gerade die Randgebiete von Kirchheimbolanden und der Haide seien sehr belebt und unruhig und die ortsnahen Straßen gut ausgebaut. Zudem herrsche auf ihnen Aktivität bis in den frühen Abend. Da werde das Wild entsprechend scheu und bleibe im Wald versteckt, anders als in einem ruhigeren Revier. Dazu müsse jeder Jäger auch darauf achten, sich nicht strafbar zu machen: „Die Bachen können zweimal im Jahr werfen. Es kann also durchaus sein, dass sie jetzt im November noch mit Frischlingen unterwegs sind. Wenn er aber eine Junge führende Bache abschießt, begeht der Jäger eine Straftat.“ Auseinandersetzungen zwischen Grundbesitzern und Jagdpächtern, so folgert Weber aus der Situation, werde es daher wohl auch in Zukunft immer wieder geben.