Winnweiler
Sauberes Wasser und gesicherte Entsorgung – VG Winnweiler investiert in die Zukunft
Die Generalsanierung der Gruppenkläranlage Winnweiler war eine Mammutaufgabe für die Verbandsgemeinde. Insgesamt hat sie vier Jahre gedauert. Zuletzt wurde die sogenannte „Biologie“ modernisiert. Damit ist die Anlage jetzt energetisch optimiert und technisch auf dem neuesten Stand. Sie hat ihren CO2-Ausstoß verringert und reinigt das Abwasser mit der modernsten Technik, die der Markt aktuell hergibt. Bei reduziertem Energie- und Chemikalienverbrauch werden die derzeit bestmöglichen Reinigungsgrade erreicht.
Bürgermeister Rudolf Jacob freut sich über die Vorteile, die die Modernisierung für die Verbandsgemeinde bietet: „Es ist nicht nur im Sinne der Daseinsvorsorge, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit von großer Bedeutung, dass Kläranlagen, die wie unsere mittlerweile über 30 Jahre alt sind, nach den neuesten Gesichtspunkten saniert werden. Damit steigt die Entsorgungssicherheit und es wird Energie und damit Kosten gespart. Davon profitieren nicht nur unsere Kunden in Form von günstigen Gebühren, sondern auch die Umwelt.“
Vom Umweltministerium gab es am Freitagnachmittag noch einen Förderbescheid über 1.148.200 Euro – 1.002.600 Euro als zinsloses Darlehen, 145.600 Euro als Zuschuss. Staatssekretär Erwin Manz brachte ihn persönlich vorbei.
Seit 2006 gibt es auch ein Blockheizkraftwerk
Wie Jacob erläuterte, wurde die 1991 in Betrieb genommene Anlage in den 34 Jahren ihres Bestehens bereits mehrfach teilmodernisiert. Vor allem der Bereich Schlammbehandlung war davon betroffen. So wurde 1998 zunächst ein Schlammlagerplatz gebaut, ein Umbau des Schlammspeichers zu einem Faulbehälter mit Faulgasnutzung folgte 2000. Sechs Jahre später wurde dann noch ein Blockheizkraftwerk installiert. Damit war die Anlage auf dem für die damalige Zeit neuesten Stand.
Nur wenige Anpassungen gab es in dieser Zeit im Bereich Abwasserreinigung. „Dies war zunächst auch nicht erforderlich, da die Anlage die geforderten Einleitkriterien sicher einhielt“, so Jacob. Trotzdem wurde irgendwann dann doch eine Generalsanierung notwendig. Wie das so ist bei älteren Anlagen: Es steigen die Energiekosten, und zwar erheblich, und es wird immer schwieriger, Ersatzteile zu beschaffen. Die Modernisierung betraf sowohl die mechanische als auch die biologische Reinigungsstufe.
2021 und 22 wurde die Mechanik saniert
Die Anlagenteile der mechanischen Stufe – das Zulaufpumpwerk, die Rechenanlage und der Sandfang – wurden bereits 2021 und 2022 saniert. Diese Stufe fungiert quasi als Erstannahmeeinheit für das Schmutzwasser: Aus einem Auffangbecken wird es in die Rechenanlage gepumpt, wo große Rechen schon einmal den gröbsten Schmutz herausfischen. Die Feststoffe kommen später auf die Deponie, der aufgefangene Sand wird gewaschen und aufbereitet, um dann wieder im Straßenbau verwendet zu werden. Anschließend geht es zur zweiten Stufe, „Biologie“ genannt. Hier wird das Schmutzwasser durch Mikroorganismen gereinigt.
Wesentlicher Teil der Planung war der Umbau des ursprünglich riesigen Belebungsbeckens in eine Zwei-Becken-Anlage. Grob gesagt wurde das kreisrunde Becken, in dem Mikroorganismen den Schlamm unter Zugabe von Druckluft zersetzen, durch eine Zwischenmauer zweigeteilt. Die eine Hälfte ist aus statischen Gründen zwar immer noch mit Wasser gefüllt, aber faktisch stillgelegt, um Energie zu sparen. Wenn das benutzte Becken gewartet werden muss, kann auf das stillgelegte Becken umgeschaltet werden. Zudem kann nun auf größere Zulaufmengen kann entsprechend reagiert werden. Auch die Druckluftanlage wurde neu erstellt. Gleichzeitig wurde durch die Halbierung des Beckens der Stromverbrauch verringert. Das optimierte Belebungsbecken ging im Oktober 2024 in Betrieb.
Strenge Ablaufwerte werden eingehalten
Im Nachklärbecken wird der abgesetzte Schlamm vom klaren Wasser geschieden, das dann in die Alsenz fließt. Die Sanierung des Nachklärbeckens wurde zwischen April und Juni dieses Jahres erledigt. Damit ist die Anlage optimiert. Dank des Einsatzes von neuester Mess- und Regeltechnik können auch die strengen Ablaufwerte eingehalten werden. Auch ein neues Blockheizkraftwerk, das mit den Faulgasen des Schlamms betrieben wird, ist bereits in Betrieb.
Jetzt fehlt nur noch die Fahrzeughalle mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. Sie soll noch in diesem Jahr errichtet werden. „Dann sind wir praktisch energieautark“, so Rudolf Jacob, der großes Lob für das werkeigene Team um Abwassermeister Moritz Stabel hat, das einen großen Teil der Eigenleistungen erbracht habe. „Ihrem großartigen Engagement ist es zu verdanken, dass die Anlage zu keiner Zeit vom Netz genommen werden musste. Da die Gruppenkläranlage in Winnweiler für 24.000 Einwohner bemessen sei, aktuell aber nur für knapp halb so viele genutzt werde, seien hier noch viele Kapazitäten frei, um gegebenenfalls Neubaugebiete, aber auch Industrie anschließen zu können, betonte Jacob.
Zahlen und Fakten
Insgesamt sind in das Projekt Gruppenkläranlage 6,4 Millionen Euro geflossen. Für die jüngste Maßnahme, die Modernisierung der biologischen Stufe und ihre energetische Optimierung hat das Land eine zweckgebundene Zuwendung in Höhe von 1.148.200 Euro zur Verfügung gestellt. Sie verteilt sich auf 145.600 Euro als Zuweisung sowie 1.002.600 Euro als Darlehen aus dem Zinszuschussprogramm.
An der Gruppenkläranlage Winnweiler hängen die Gemeinden Winnweiler mit den Ortsteilen sowie Falkenstein, Gonbach, Imsbach, Lohnsfeld, Münchweiler, Schweisweiler und Wartenberg-Rohrbach sowie US-Kaserne Heuberg.
Insgesamt gibt es in der Verbandsgemeinde Winnweiler rund 5000 Abwasseranschlüsse, 163 Kilometer Kanalnetz, sieben Kläranlagen, 23 Regenentlastungsanlagen und 27 Pumpstationen.