Rockenhausen
Südstaatenblues mit Helt Oncale im Schlosspark
So richtig reduzieren auf eine Begrifflichkeit wie Country-Musik lässt sich das, was Helt Oncale und John McCullough da auf der Bühne machen, eigentlich nicht. Sie sind nicht die Männer mit den Cowboy-Hüten, die von Pferd, Liebe oder Liebe zum Pferd und zur Weite des Westens singen. Sie sind aber auch nicht die Männer des Blues aus dem Süden der USA. Nein, sie mischen vielmehr die Stile bunt durcheinander und bieten so einen recht beeindruckenden Überblick über das, was auf einer Autofahrt über die Grenze von Louisiana nach Texas locker auch aus dem Autoradio erklingen könnten.
Die Lieder werden gefühlvoll vorgetragen, sie haben Sprachwitz und zeugen gleichzeitig ein wenig von der Verbundenheit der beiden Männer auf der Bühne mit ihren Wurzeln. Belegen lässt sich da, wenn John McCullough von seiner Oma erzählt, die allerdings aus Oklahoma stammt, einem weiteren Nachbarstaat von Louisiana.
Ausflüge nach Irland
Gleich zu Beginn des Konzerts entschuldigt sich Helt Oncale erst einmal für seinen hessischen Akzent. Er meint damit natürlich den amerikanischen Einschlag in seiner Sprache. Es lässt sich nicht verleugnen, wo der Singer-Songwriter herkommt, und das ist ja auch gar nicht gewollt. Oncale arbeitet an diesem Abend im Rockenhauser Schlosspark mit Gitarre oder Geige, je nachdem, woher er seine klanglichen Anleihen gerade hernimmt.
So gibt es Ausflüge ins Irische Klangbild, bekannte Melodien variiert Oncale sehr geschickt und verleiht ihnen so neue Klangstruktur. Er nutzt diese kleinen Exkursionen, um die unterschiedlichen Spielweisen von Iren und Amerikanern („die spielen oft zwei Töne gleichzeitig auf der Geige“) zu erklären. Und so macht es Spaß, sich auf diesen etwas anderen Ausflug in die Musik des amerikanischen Südens einzulassen.
Songs von Johnny Cash
Es war klar, dass es die Musik des weißen Südens ist, der Nachfahren der europäischen Einwanderer, die sich trotz einigen Bluesklängen so eindeutig von der Musik der Nachfahren der schwarzen Amerikaner unterscheidet. Helt Oncale nutzt die Tatsache, dass im Anschluss der Film über das Leben von Johnny Cash gezeigt wird, und spielt einige Cash-Lieder, die im Film nicht vorkommen. So wird das Gastspiel der beiden Musiker auch ein Stück weit eine Art Vorprogramm zum Film, auf dessen kostenlosen Genuss sich die Mehrzahl der Besucher an diesem Abend freuen.
Das lässt sich auch daran ableiten, dass nach und nach immer mehr Menschen in den Schlosspark strömen. Helt Oncale und John McCullough schaffen es, eine ideale Einleitung für das filmische Ereignis zu bieten. Daran hat der Bassist McCullough einen wichtigen Anteil. Er ist nicht nur Sidekick, sondern singt seine Lieder ebenso wie Oncale mit viel Gefühl in der Stimme. Beide improvisieren sehr gekonnt auf ihren Instrumenten, so dass ein wenig Jazz-Gefühl aufkommt.
Bestuhlung nicht optimal
Zuhören macht Spaß bei diesem etwas anderen Konzertabend. Die Musiker hätten es sicher leichter gehabt, den Funken überspringen zu lassen, wenn die Bestuhlung im Schlosspark etwas näher an die Bühne herangerückt worden wäre. Das hätte den ersten Reihen beim Film keine Nachteile gebracht. Über ein Heranrücken an das Geschehen auf der niedrigen Schlossparkbühne sollten die Verantwortlichen unbedingt nachdenken.
Info
Am Freitag, 5. August, 20 Uhr, gastiert Bozen Brass im Schlosspark in Rockenhausen.