Dreisen RHEINPFALZ Plus Artikel Renaturierung: Für Fische geht es wieder (pfrimm)aufwärts

Die neue Fischtreppe in der Dreiser Ortsmitte. Links ist ein Teil der alten Sandsteinbrücke zu sehen.
Die neue Fischtreppe in der Dreiser Ortsmitte. Links ist ein Teil der alten Sandsteinbrücke zu sehen.

Seit geraumer Zeit wird die Pfrimm auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Göllheim renaturiert. Die jüngste Maßnahme: bauliche Veränderungen bei Dreisen, die es Fischen wieder ermöglichen sollen, ungehindert flussaufwärts zu schwimmen. Die RHEINPFALZ war mit VG-Chef Steffen Antweiler vor Ort.

Die Pfrimm ist einer jener Bäche, die in der Vergangenheit „dank“ diverser Begradigungsmaßnahmen viel von ihrer ursprünglichen Natürlichkeit verloren haben. Im Bachbett verbaut wurden Betonrinnen und Uferrandbefestigungen, aber auch Röhren oder Stauwehre. Keine Frage, dass dies den aktuellen EU-Wasserrahmenrichtlinien widerspricht, die unter anderem die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen fordern.

Zu spüren bekamen das vor allem die Fische. Für sie wurde es im Lauf der Jahre immer schwieriger, zum Ablaichen bachaufwärts zu schwimmen, da Staustufen, Sohlsprünge und Flachwasserstrecken ihren Weg behinderten. Der Rat der Verbandsgemeinde Göllheim hatte daher schon im Januar 2020 beschlossen, die Durchlässigkeit der Pfrimm für Fische, vor allem die dort vorkommende Bachforelle, wiederherzustellen.

Alle Maßnahmen laufen über „Aktion blau plus“

„In erster Linie sollten künstliche Stufen entfernt und Gefällstrecken abgeflacht werden“, erklärt Verbandsbürgermeister Steffen Antweiler. „Außerdem sollten Mulden entstehen, die den gegen die Strömung kämpfenden Fischen als Ruheräume dienen können. Die Maßnahmen sollen außerdem bei sehr niedrigem Wasserstand für eine Mindesttiefe sorgen“, so der VG-Chef. All dies im Rahmen der bereits seit Jahren laufenden Pfrimm-Renaturierung, die über die „Aktion blau plus“ des Landes gefördert wird. Geplant und begleitet wurde die Maßnahme vom Kirchheimbolander Ingenieurbüro Ideal Brehm, gebaut wurde von Oktober bis Dezember 2020.

Ins Auge gefasst wurden dabei vor allem drei Stellen: die Brücke in der Bahnhofstraße, das Gelände der ehemaligen Kläranlage und das ehemalige Wehr unterhalb des Münsterhofs an der Abzweigung des Mühlgrabens. Wie Antweiler erläutert, verlaufen an der Brücke in der Ortsmitte diverse Versorgungsleitungen, etwa die Gasleitung, die Kabel der Telekom und ein Mischwasserkanal, direkt durch den Bach. Zum Schutz gegen Freispülen sind die Leitungen mit Beton ummantelt und mit Betonplatten abgedeckt. „Dadurch entstand bei Niedrigwasser ein Hindernis für die Fische, zumal in den wenigen tieferen Rinnen auch noch die Fließgeschwindigkeit zu hoch war“, so Antweiler. Daher wurde an dieser Stelle eine Fischtreppe in Form von zwei Blocksteinreihen gebaut, die eine Rinne ergeben, in der sich bei Niedrigwasser der Abfluss konzentriert.

60-Zentimeter-Stufe zu hoch für Fische

Die zweite neuralgische Stelle ist das Gelände an der ehemaligen Kläranlage. „Hier wurden in den Wänden verbaute Steine entfernt, der Bachlauf verbreitert und der Uferbereich so gestaltet, dass sich das Gewässer dort hineinentwickeln kann“, erläutert Antweiler. Vor allem aber wurde dort ein sogenannter Sohlsprung, eine rund 60 Zentimeter hohe Stufe, die sich im Lauf der Zeit gebildet hatte, aufgefüllt. Auch sie war für gegen die Strömung schwimmende Fische ein kaum zu überwindendes Hindernis. Außerdem hat die Verbandsgemeinde ein Stück Land im Uferrandbereich erworben. „Das wird jetzt nur noch mit Gras eingesät und kann dann als Retentionsraum bei Überflutungen dienen“, so der VG-Chef.

Stauwehr wird nicht mehr gebraucht

Dritter Punkt ist das Wehr unterhalb des Münsterhofs. Es diente ursprünglich einmal dazu, den Bach so weit aufzustauen, dass einen Teil des Wassers in den Mühlgraben abgeleitet werden konnte. Da im Ort aber keine Mühle mehr klappert, genügt es, wenn der Graben künftig nur noch einen Mindestwasserstand aufweist. „Dafür reicht aber auch eine kleinere Staustufe aus. Daher wurde das Wehr komplett abgerissen“, erläutert Antweiler. An seiner Stelle wurden Mulden und Querriegel aus Steinen im Bachbett angelegt. Die Riegel sind für Fische durchlässig, und die Mulden können den Tieren als Ruheräume dienen. Außerdem wurde zum Teil die Böschung abgeflacht und bearbeitet.

Gekostet hat die gesamte Maßnahme rund 300.000 Euro. „Allerdings bleiben an der VG nur ganze 400 Euro hängen“, so Antweiler. Ganze 296.000 Euro kamen als Zuschuss vom Land: 266.400 Euro über die Aktion blau plus und 29.600 von der Stiftung Natur und Umwelt.

Hier wurde ein Sohlsprung entfernt und das Bachbett modelliert.
Hier wurde ein Sohlsprung entfernt und das Bachbett modelliert.
VG-Chef Antweiler erläutert die Maßnahmen an der früheren Kläranlage. Der Acker im Hintergrund ist als Retentionsfläche gedacht.
VG-Chef Antweiler erläutert die Maßnahmen an der früheren Kläranlage. Der Acker im Hintergrund ist als Retentionsfläche gedacht.
Unterhalb des ehemaligen Wehrs in der Nähe des Münsterhofs weist die Pfrimm mehrere kleine Staustufen und Mulden auf.
Unterhalb des ehemaligen Wehrs in der Nähe des Münsterhofs weist die Pfrimm mehrere kleine Staustufen und Mulden auf.
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