Winnweiler
Renate Bickmann gibt Kindern seit 20 Jahren Einblicke in die heimische Natur
„1998 habe ich meinen Jagdschein gemacht“, erzählt die 71-Jährige, „und landete damit in einer Männerwelt, in der Frauen darauf hingewiesen wurden, dass das Gewehr doch eigentlich zu schwer für sie sei. An einen Austausch mit anderen Jägerinnen war damals gar nicht zu denken.“ Trotzdem habe sie nicht aufgegeben und schließlich sei es ihr gelungen, einen Stammtisch mit sieben Frauen zu gründen.
Die wurden auch gleich aktiv und organisierten als „Jägerinnenforum“ zahlreiche Veranstaltungen, die zu Einladungen ins Ausland führten, beispielsweise nach Lettland und nach Ungarn. „Darüber, aus welcher Ecke die Bezeichnung ,Flintenweiber’ für unsere Damenrunde kam, braucht man nicht lange zu spekulieren“, sagt Renate Bickmann und lächelt. Seit vier Jahren ist sie Sprecherin des Fachausschusses Jägerinnen beim Landesjagdverband Rheinland-Pfalz und im Donnersbergkreis zuständig für die Ausbildung von Jungjägern und Jungjägerinnen. So werden alle Anfänger genannt, auch wenn sie schon älteren Semesters sind.
Nicht nur jagen, auch lehren und unterhalten
Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen brauchte es offensichtlich schon, um in eine ehemals ausschließlich männlich besetzte Domäne vorzudringen. Dazu kam recht früh in Bickmanns Jägerinnen-Werdegang noch ein besonderes Bedürfnis: „Ich wollte unbedingt etwas Soziales, etwas Gutes tun, das sich mit meiner Jagdleidenschaft verbinden ließ. Vor 20 Jahren sprach ich darüber mit einem Jagdkollegen, der damals als Hausmeister in der Schule am Donnersberg arbeitete, in der Kinder mit erhöhtem Betreuungsaufwand unterrichtet werden. Er schlug vor, diesen Kindern etwas mit Natur und Wald anzubieten.“ Sie habe sich daraufhin mit Schulleiter Harald Dechent getroffen und ihm Vorschläge gemacht – er sei sofort von den Ideen begeistert gewesen.
Und die Begeisterung hält offensichtlich an. Seit 2002 organisiert Renate Bickmann für die Schule vier Mal im Jahr je zwei Wochen lang Erlebnisse im Wald. Das heißt, in diesen Zeiträumen macht sich – außer an den Wochenenden – jeden Tag eine Klasse mit zirka zehn Kindern auf den Weg. Die werden – begleitet von Lehrerinnen und Lehrern – mit kleinen Bussen in Renate Bickmanns Revier gefahren. Dort beginnt es immer mit einem Frühstück für alle, das die Jägerin spendiert. Danach geht es ab in den Wald – je nach Jahreszeit mit unterschiedlichem Programm. Im vergangenen November galt es beispielsweise, schöne Blätter für den Unterricht zu sammeln. Außerdem gab es eine kleine Hundeshow. Britta Näpel, eine Jagdkollegin Bickmanns, zeigte, wie beeindruckend ihre beiden Labradore Buffy und Lucy auf ihre Zeichen reagieren. Und die rheinland-pfälzische Jagdkönigin Joeline Remy-Weber war extra angereist, um kleine Präsente zu verteilen.
Viel Lob für das Angebot
Sonja Degenhardt, eine der Lehrerinnen an der Schule am Donnersberg, die schon seit Langem die Ausflüge begleitet, findet die Angebote wunderbar: „Frau Bickmanns Engagement ist für uns sehr wichtig. Die Kinder lieben diese Auszeiten in der Natur, im Wald. Und es gibt immer Abwechslung, Langeweile ist fehl am Platz.“ Renate Bickmann bestätigt, dass sie sich um Vielfalt bemüht: „Mal pflanzen wir Bäume, sammeln Eicheln oder suchen Spuren. Nur das mit dem Wild gestaltet sich schwierig. Zum Beobachten der Tiere sind die Kinder zu laut. Aber wir freuen uns auch schon über ein Eichhörnchen.“ Im Moment sei sie gespannt auf die nächsten Veranstaltungen in der Osterzeit: „Die sind immer besonders schön, weil es den Kindern so viel Spaß macht, die versteckten Eier im Wald zu suchen. Und mir, ihnen dabei zuzuschauen. Es liegt mir sehr am Herzen, den Kindern etwas richtig Schönes zu bieten, ihnen den Kontakt zur Natur zu ermöglichen.“ Und das tut Bickmann seit 20 Jahren mit ungebrochener Begeisterung.