Rockenhausen / Sippersfeld
Redaktionsassistentin geht in Ruhestand: Warum Anette Theobald der RHEINPFALZ fehlen wird
Als ich 2003 in die Lokalredaktion Rockenhausen kam, war Anette Theobald schon da. 1998 war sie zur RHEINPFALZ gestoßen, arbeitete zunächst für die im gleichen Gebäude untergebrachte Geschäftsstelle. Aber bereits damals hat die Sippersfelderin öfter Tätigkeiten im Redaktionssekretariat übernommen. Im Dezember 2003 wurde die Geschäftsstelle geschlossen, und unser Chef Lorenz Hofstädter lotste sie zur Redaktion. Der „Transfer“ war ein Glücksfall – und von da an saßen wir 21 Jahre gemeinsam im „Roggehaiser Roipalz-Boot“.
Verwirrt hat mich erst die Sache mit dem Namen. Heißt sie Theobald? Oder doch „Fraa Leopold“? Denn so nannte Hofstädter sie – öfter auch „Leopoldsen“ oder kurz „Leo“. Wie sie zu dem Spitznamen kam, bleibt ein Geheimnis des „redrok-Teams“. Kein Geheimnis ist, was „Leo“ ausmacht. Sie ist die personifizierte Zuverlässigkeit, Krankheit war für sie ein Fremdwort. Überpünktlich saß sie jeden Morgen auf ihrem Platz – auch dann, wenn ihr Ort rundum eingeschneit war. Obwohl nur halbtags beschäftigt, war sie stets zur Mehrarbeit bereit. So war es nach Kommunalwahlen – damals noch in der digitalen Steinzeit – für sie selbstverständlich, mit ihrer Kollegin Sonja Herrmann tagelang bis in die Nacht per Dreisatz Ergebnisse auszurechnen und in Tabellen einzutragen.
Der geborene Blitzableiter für unzufriedene Leser
Zweitens: ihre Loyalität. Der Teamgeist in unserer Mini-Redaktion war besonders ausgeprägt – der Weggang Hofstädters nach einem schweren Autounfall traf uns 2015 hart. Liebe Kolleginnen und Kollegen kamen und gingen – wir blieben. Anette war der geborene Blitzableiter für unzufriedene Leser, die viele Jahre lang durch die offene Eingangstür spazierten – heute undenkbar. Sie erklärte auch beim 1000. Mal geduldig, dass bei uns keine Anzeigen (mehr) aufgegeben werden konnten, sie nahm sich trotz Hektik Zeit für einen Plausch mit Vereinsvertretern, die ihre Meldungen abgaben.
Dazu kommt ihre Hilfsbereitschaft, von der ich zigfach profitierte: Wenn sie die leckeren Laugenstangen vom Schweisweilerer „Haase Bäcker“ mitbrachte, wenn sie penibel auf unseren Zuckerhaushalt achtete („Ich geh uff die Poschd – soll ich was se Schnääke mitbringe?“) oder wenn sie bei Bedarf mal die Hausaufgabenbetreuung meiner Töchter übernahm, falls Mama oder Oma gerade nicht konnten.
Nur ihre Familie war wichtiger als die RHEINPFALZ
Kurzum: „Leo“ ist ein herzensguter Mensch, empathisch weit über den Job hinaus. Ob Todesfälle und Krankheiten von Eltern und Partnern, ob Trennungen, Prüfungen oder Hochzeiten unserer Kinder: Wir haben miteinander getrauert, gebangt, gefeiert. Für ihre Familie – und nur für sie – hat sie selbst die RHEINPFALZ hintangestellt. Mit Schließung der ROK-Redaktion haben sich 2024 unsere beruflichen Wege schweren Herzens getrennt – sie wurde für ihre letzten Dienstjahre von den Kolleginnen und Kollegen in Kibo herzlich „adoptiert“.
Nun macht sie sich, wie sie in der Einladung zu ihrer Verabschiedung am Freitag, 28. Februar, geschrieben hat, mit ihrem Mann Hardy, den Töchtern und Enkelinnen samt Hund „die Welt, wie sie mir gefällt“. Dafür wünsche ich ihr nur das Beste und sage Danke für die überragende Zusammenarbeit. Wir sehen uns – der Ort steht ja schon fest. Schließlich gilt in Anlehnung an den alten Nordpfälzer Spruch: „Wo finn ich die beschd (Ex-)Kolleeschinn der Welt? Ganz beschdimmt in Sibberschfeld!“