Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Realschulschüler sprechen virtuell mit Partnerschule in Chile

 Projektleiterin Sabine Schielmann schaut sich mit zwei Schülern des den Schulgarten der Albert-Schweitzer-Realschule an.
Projektleiterin Sabine Schielmann schaut sich mit zwei Schülern des den Schulgarten der Albert-Schweitzer-Realschule an.

Was haben eine Schule in Chile und eine Schule im Donnersbergkreis gemeinsam? Zum Beispiel, dass beide Kartoffeln anbauen und die Schüler sich darüber virtuell austauschen. Für dieses Projekt hat die Albert-Schweitzer-Realschule (ASR) in Winnweiler einen Preis erhalten.

In der Albert-Schweitzer-Realschule sitzen die Schüler der fünften und sechsten Klasse vor einem Laptop. Sie machen ein Videotelefonat mit den Fünftklässlern der Grundschule Maqhehue in Chile. Dabei sprechen sie über das Gemüse, das im Schulgarten in Winnweiler und im Schulgewächshaus in Chile angepflanzt wird. Es wird über Kartoffeln gesprochen und die Schüler stellen fest, dass Kartoffelpüree bei allen sehr beliebt ist.

„Chile ist eines der ersten Kartoffelherkunftsländer und auch die Pfälzer essen gerne ihre Grumbeere“, sagt Sabine Schielmann. Sie leitet das Projekt, das in Form einer Ganztags-Arbeitsgemeinschaft (AG) in der Realschule stattfindet. Die Gemeinsamkeiten zwischen den Schulen habe den Ausschlag für das Schulgartenprojekt gegeben, sagt Schielmann.

Chile-Tradition übernommen

Die Projektleiterin kommt als sexterne Kraft nach Winnweiler und arbeitet für das Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie mit Sitz in Köln. Sie hat selbst drei Jahre in Chile gelebt und dort Schulprojekte unterstützt, wie beispielsweise den Bau eines Solardachs, das nun den virtuellen Austausch zwischen den beiden Schulen ermöglicht. Den Kontakt zu der Partnerschule in Chile stellte sie her. Deren Schüler sind hauptsächlich Mapuche, also Teil des größten indigenen Volks in Chile. In der Vergangenheit wurde das Land, auf dem die Mapuche lebten, für industrielle Zwecke enteignet. Obwohl sich die Situation der Mapuche seitdem verbessert hat, gibt es weiterhin Diskriminierungen.

In der AG der Albert-Schweitzer-Schule haben die Schüler den Schulgarten gehegt und gepflegt, Gemüse angebaut und später geerntet. Aus den Kartoffeln wurden Chips gemacht. „Die haben besser als normale geschmeckt“, meint Schülerin Emilia Schneider aus der 5a, die bei der Ernte dabei war. Das Ergebnis haben die Schüler per Videokonferenz der chilenischen Schule vorgestellt. Und die stellte wiederum ihre Arbeit im eigenen Schulgewächshaus vor.

Neues Kochgericht gelernt

Weil die Jahreszeiten in Chile anders verlaufen, wird das Gemüse dort zu anderen Zeiten geerntet. Außerdem gibt es in dem südamerikanischen Land andere Kartoffelsorten, darunter eine lilafarbige und krumme. Seit vielen Generationen gibt es bei den Mapuche die Tradition, eine Zeremonie bei der Einpflanzung abzuhalten. Damit möchte man die Pflanzen und das Essen, das später geerntet wird, wertschätzen. Eine Idee, die die ASR-Schüler übernommen haben.

Während des virtuellen Austausches sprachen die Schüler auch über Fußball, Musik und Handyspiele. Durch die Zeitverschiebung fand das Gespräch nachmittags statt. Geredet wurde auf Englisch. Manchmal halfen die Lehrer beim Übersetzen. Später probierten die Schüler das Kochgericht „Sopailla“ aus, das bei den Mapuche gegessen wird und so ähnlich wie Brot ist. Durch den Austausch bekamen die Schüler eine weitere Besonderheit mit: Neujahr feiern die Mapuche im Juni und sie tragen dabei schwarze Röcke und Umhänge.

Dritter Platz beim Wettbewerb

Der Fokus des Projekts sei in erster Linie der Austausch, sagt Julia Thiekötter, Pädagogische Koordinatorin der ASR. „Es geht darum, Werte zu vermitteln und ein Verständnis dafür zu schaffen, dass die Menschen in Chile die gleichen Bedürfnisse und die gleichen Interessen haben.“ Mit dem Projekt sollen Ängste vor dem Fremden genommen werden, sagt sie. Ein Thema, das aktueller denn je sei. Darüber hinaus solle der Wert des Essens vermittelt werden, wenn es mit den eigenen Händen angebaut wird. „Das ist natürlich auch ein Erfolgserlebnis, wenn man ernten kann, was man selbst angebaut hat“, sagt Thiekötter.

Praktisch sei außerdem, dass das Projekt Fächer wie Englisch und Biologie fördere. Auch nächstes Schuljahr soll das Projekt weitergeführt werden. Nicht nur bei den Schülern kommt es gut an: Nun hat die Albert-Schweitzer-Schule für das Projekt den dritten Platz bei dem Wettbewerb „Act! Eine-Welt-Schulpreis“ erreicht. Dieser wird vom Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk und vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium getragen. In ihrer Begründung lobte die Jury den Kontakt, den die Schülern aus Chile und Deutschland untereinander aufgebaut haben.

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