Donnersbergkreis Putziger, aber zumeist ungebetener Gast

Fühlt sich in der Nähe von Menschen wohl und hinterlässt schon mal auf Dachböden, in Gärten und Scheunen, aber auch in Hühnerstä
Fühlt sich in der Nähe von Menschen wohl und hinterlässt schon mal auf Dachböden, in Gärten und Scheunen, aber auch in Hühnerställen und an Autos seine Spuren: der Steinmarder.

Zu den Wildtieren, die sich in der Nähe des Menschen recht wohl fühlen, gehört zweifelsohne der Steinmarder. Auch im Donnersbergkreis hinterlässt der Kulturfolger, der oft auch als Hausmarder bezeichnet wird, zuweilen in Gärten und Scheunen, auf Dachböden und unter der Motorhaube von Autos seine Spuren.

Letzten September stand er im Verdacht, auf dem Eisenberger Friedhof Gräber verwüstet zu haben. Und im Juli 2017 verfing sich ein „Tollpatsch“ in den Maschen des Tornetzes auf dem Kleinspielfeld am Kirchheimbolander Nordpfalzgymnasium. Die Freude über den putzigen Gesellen hält sich bei „heimgesuchten“ Bürgern indes in Grenzen. Zur Familie der Marder (Mustelidae) gehören auch Iltis, Mauswiesel, Hermelin, Fischotter, Dachs und Nerz. Umgangssprachlich sind als Marder zumeist nur die der Gattung „Echte Marder“ (Martes) zugeordneten Stein- und Baummarder gemeint. Mit durchschnittlich 50 Zentimetern Körper- und 25 Zentimetern Schwanzlänge sind beide Marderarten nahezu gleich groß. Trotz ihrer Ähnlichkeit sind sie auch von Laien gut voneinander zu unterscheiden: Das seidig schimmernde Fell des Baummarders hat eine kastanien- bis dunkelbraune Farbe, und der runde oder ovale Kehlfleck ist gelb, daher auch „Goldkehlchen“ genannt. Das eher stumpf wirkende Fell des Steinmarders ist graubraun und der zu den Vorderläufen hin gegabelte Kehlfleck weiß. Da der Pelz des Baummarders in früheren Zeiten weitaus begehrter war als der des Steinmarders, wurde er auch als „Edelmarder“ bezeichnet. Für diese beiden jagdbaren Wildarten zusammen wurden im Donnersbergkreis seit dem Jagdjahr 2000/01 im Durchschnitt 64 Tiere jährlich registriert, knapp ein Drittel davon als verkehrstotes Fallwild. Weder der Stein- noch der Baummarder gelten als bestandsgefährdet. Seit die Nachfrage nach Pelzen gegen Null tendiert, würden Marder allenfalls noch als „Beifang“ beim winterlichen Abendansitz erlegt, räumt Kreisjagdmeister Klaus Weber ein. Trotzdem sei die Bejagung der Marder zum Schutze des Niederwildes noch sinnvoll; Gelege der Bodenbrüter wie auch die Eier und Jungtiere der in den Bäumen brütenden Vögel seien durch die guten Kletterer gefährdet. Der etwas seltenere Baummarder gilt als Kulturflüchter; er ist weitgehend an das Leben im Wald gebunden und daher für den Menschen unproblematisch. Der Steinmarder hingegen hält sich gerne in der Nähe von Wohnsiedlungen auf und hat sogar Innenstädte als Lebensraum für sich entdeckt. Insbesondere im Schnee sind seine Spuren gut an den paarweisen Pfotenabdrücken zu erkennen. Neben zahlreichen Unterschlupfmöglichkeiten findet er im urbanen Bereich ein vielseitiges Nahrungsangebot; Mäuse, Ratten, Vögel, Eier und Insekten, aber auch Obst, Küchenabfälle sowie Hunde- und Katzenfutter stehen auf seinem Speiseplan. Und hat er erst ein Schlupfloch auf dem Dachboden gefunden, kann das in regelrechten Terror ausarten, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung weiß: Zunächst machte sich der Kobold durch Kratzen und Poltern als nächtlicher Ruhestörer bemerkbar. Aber schon bald verriet ein penetranter Gestank aus dem Drempel das Versteck des ungebetenen Untermieters. Erst als der handbreite Spalt neben einem Sparren verschlossen war, hatte der Spuk ein Ende. Gefürchtet sind die nächtlichen Ausflüge der Steinmarder in die Motorräume von Kraftfahrzeugen, was ihnen den Ruf als „Automarder“ eingebracht hat. So ärgert sich zum Beispiel Peter Scherne aus Winnweiler des Öfteren über durchgebissene Kabel und Schläuche oder zerrissene Dämmmatten an seinem in einer Scheune untergebrachten Wohnmobil. Sämtliche Vergrämungsmittel hätten versagt. Selbst die untergelegte Drahtmatte habe mittlerweile ihre abschreckende Wirkung verloren. Nach neuesten Erkenntnissen liege der Grund für die Anziehungskraft von Autos auf Marder aber weder am Geruch von Gummi- und Kunststoffteilen noch in der Restwärme des Motors. Der tierische Vandalismus habe seine Ursache vielmehr im Territorialverhalten: Wenn ein Marder Duftmarken eines Rivalen an einem Gegenstand wahrnimmt, wird er diesen attackieren und selbst neu markieren. Daher sind Marderschäden an Fahrzeugen insbesondere bei der Reviersuche im Frühjahr und der Paarungszeit im Sommer festzustellen. Kraftfahrzeug-Meister Werner Dürr aus Wartenberg-Rohrbach gibt allerdings vorsichtig Entwarnung: Seit einigen Jahren habe er keine Marderschäden mehr reparieren müssen. Die für Marderattacken besonders anfälligen Teile seien in neueren Fahrzeugen so verbaut, dass der beißwütige Räuber da nicht mehr dran gehe. Sein Kollege Nikolai Rölle aus Börrstadt hingegen hat nach wie vor mit mardergeschädigten Autos in seiner Werkstatt zu tun, wenn auch nicht mehr so oft wie früher. Auch Geflügelzüchter sind nicht gut auf den nachtaktiven Jäger zu sprechen. In Hühnerställen und Taubenschlägen richtet er mitunter ein Blutbad an. Selbst ausgewachsene Greifvögel verschont er nicht. Falkner Kurt Kilian vom Buchwaldhof bei Rockenhausen beklagt mittlerweile den Tod von 17 Brutvögeln, darunter Wanderfalken, Gerfalken und Habichte. Letztmalig habe der Marder im März 2018 in der 80 Quadratmeter großen Voliere ein Weißrussisches Habichtpaar samt Eiern vom Nest geholt. Um sich vor dem lästigen Beutegreifer zu schützen, greifen manche genervte Zeitgenossen zu Hausmitteln wie Menschen- und Hundehaaren, nächtlicher Beleuchtung oder der Geräuschkulisse eines Radios. Andere wiederum vertrauen eher auf Vergrämungsmittel, die im Handel angepriesen werden. Häufig versuchen es Autobesitzer mit Elektroschock- oder Ultraschallgeräten. Eine absolut sichere Methode scheint bislang jedoch nicht gefunden zu sein. Selbst die Möglichkeit, die ungebetenen „Haustiere“ mit Fallen zu fangen (siehe „Zur Sache“), hat ihre Tücken. Auch wenn die Fallenjagd auf einen Hausmarder erfolgreich verläuft, muss damit gerechnet werden, dass das so freigewordene Revier alsbald von einem anderen Marder besetzt wird. Auch könnte ein mit der Kastenfalle gefangener und unversehrt irgendwo in der Landschaft wieder freigelassener Marder durchaus den Weg in sein angestammtes Revier zurückfinden.

x