Donnersbergkreis
Problem für Schüler: Zu wenig Busse, um Sicherheitsabstand zu wahren
Für Abstandsregeln – und damit Infektionsschutz – ist beim Busfahren in die Schule und am Nachmittag nach Hause kein Platz. Der Zustand in den Bussen zur Schule sei erschütternd, schrieb eine Mutter, die sich an die RHEINPFALZ gewandt hat. Georg Kranzdorf, der bei der Kreisverwaltung für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig ist, hat Verständnis dafür, dass Eltern auf die Barrikaden gehen. Verständnis in jedem einzelnen Fall. Und es sind viele: „Bei mir klingelt von morgens bis abends das Telefon“, berichtet er.
Vorgeschrieben ist es per Landesverordnung derzeit, dass in den Bussen jeder eine Maske tragen muss. Auch an den Haltestellen besteht Maskenpflicht. Das scheint auch größtenteils zu funktionieren. Die Abstandsregeln gelten – aufgrund des Platzmangels in den Fahrzeugen – nur an den Haltestellen. Allerdings hat der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) als Richtwert herausgegeben, dass pro Bus – neben den Sitzplätzen – nur noch maximal 15 Stehplätze vergeben werden dürfen. „Die zugelassenen Zahlen sollten denn auch nicht überschritten werden“, sagt Kranzdorf.
Sieben weitere Fahrzeuge benötigt
Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht wirklich einleuchtend erscheint, dass an den Haltestellen – im Freien – die mindestens anderthalb Meter Sicherheitsabstand gewahrt werden sollen, die Schüler dann im Bus unmittelbar nebeneinander sitzen und stehen sollen, wäre es laut Kranzdorf unmöglich, den Abstand an den Haltestellen zu gewährleisten: „Wenn da 800 Schüler gleichzeitig sind und zwei Meter auseinanderstehen sollen, dann sind die ersten ja schon zu Hause ...“ Zwar sei die Lage im Vergleich zur ersten Schulwoche ein klein wenig entspannter, weil nun der Nachmittagsunterricht eingesetzt habe und dementsprechend weniger Kinder und Jugendliche gleichzeitig Schulaus haben, aber dennoch sei die Situation „ein großes Problem“.
Die Lösung, um Gedränge zu verhindern, liegt auf der Hand: mehr Busse. Drei davon halte die Firma Krauss und Wolff, die den Linienbusverkehr im Donnersbergkreis übernimmt, stets als Ersatzfahrzeuge vor, weiß Kranzdorf. Um die Lage nachhaltig zu entspannen, werden aber noch mehr Busse gebraucht: insgesamt sieben Fahrzeuge, um vor allem auf den hochfrequentierten Strecken für Entlastung zu sorgen – zwischen Eisenberg und Kibo, Kibo und Rockenhausen, dem Zellertal und Eisenberg, abschnittsweise auf der Strecke zwischen Kibo und Monsheim sowie Alsenz und Rockenhausen (über Waldgrehweiler). Und noch einige weitere Verbindungen hat Kranzdorf auf dem Plan.
Kosten: 10.000 Euro pro Monat und Bus
Mangels Reisebusbetriebe im Kreis – der letzte, Schückler in Oberndorf, sei vor gut einem Jahr eingestellt worden – lassen sich schwerlich zusätzliche Fahrzeuge organisieren. Für Abhilfe will das Land sorgen, das einen Pool von 250 Bussen bereitstellen will, um den ÖPNV zu unterstützen. Um die werden sich allerdings neben dem Donnersbergkreis eine ganze Menge anderer rheinland-pfälzischer Kommunen bewerben. Zudem steht laut Kranzdorf noch nicht fest, wer die Kosten trägt: „Einen Teil der Finanzierung werden wir selbst übernehmen müssen.“ Auch von der Höhe dieses Eigenanteils hängt es ab, was möglich ist. Kranzdorf hat errechnet, dass jeder zusätzliche Bus rund 10.000 Euro pro Monat kosten würde.
Zudem weist er auf ein weiteres Problem hin: „Man darf nicht vergessen, dass wir Fahrermangel in Deutschland haben.“ Viele große Personentransportunternehmen rekrutierten ihre Fahrer daher schon seit Jahren im Ausland. Zusätzliche Busse bringen nur etwas, wenn sie jemand steuert. Kranzdorf hofft, dass alle Fragen zu Konzept und Finanzierung schnell zu klären sind. Zumindest die drei Busse, die Krauss und Wolff vorhält, könnten innerhalb weniger Tage in den Linienverkehr eingebunden werden, sagt er.