Donnersbergkreis Per Rolltreppe zum Hufschmied

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ALSENZ. Trotz strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke hatten sich am Sonntag rund 120 Besucher in der Festhalle eingefunden, um bei mehr oder weniger tiefgründigen philosophischen Betrachtungen über „Glück“ und „Pech“ nachzudenken. Und das aus dem berufenen Mund eines Südhessen, der aus eigener, leidgeprüfter Erfahrung als fast 60-jähriger, seit 28 Jahren verheirateter Vater eines Endzwanzigers locker flockig aus dem reichen Erfahrungsschatz seines irdischen Daseins (dampf-)plaudert: Bodo Bach.

Bodo Bach, der kleine Mann mit dem markanten Kinn weiß, wie er mit Selbstironie, gezieltem Understatement nach Komplimenten fischen muss, um die Nordpfälzer vom Fleck weg für sich zu gewinnen. Trotz durch die weite Anreise von Offenbach nach Alsenz verursachtem Jetlag und der eingestandenen Tatsache, dass er „nicht die hellste Kerze auf der Torte“ sei und deshalb niemand von ihm Kabarett, schon gar kein politisches erwarten dürfe. Wohl aber gezielte Perspektivenwechsel, denn des einen Freud ist ja bekanntlich des anderen Leid. Was spätestens dann klar wird, als er davon berichtet, wie er mit der Frau Gemahlin bei einem Esoterik-Abend in der Nachbarschaft eingeladen war oder vom Besuch eines schwedischen Einrichtungshauses und dem aufgezwungenen Verweilen in der Markthalle genannten „Vorhölle“, ehe man sich dem gewünschten Objekt zu nähern in der Lage ist. Bodenständig hessisch seine Erkenntnis, dass er keiner Lichtdusche bedarf, um augenblickliche Glückseligkeit zu erlangen. Vielmehr genüge ihm eine geöffnete Kühlschranktür mit mehreren gekühlten Flaschen Bier und 300 Gramm Aufschnitt darin. So hat er auch in der Festhalle in Alsenz „viel zu saache“. Im Gegensatz zum familiären Umfeld, in dem er nach eigenem Bekunden „nix zu melde“ hat. Die Einteilung der Bildenden Künste in Gattungen folgt bei ihm die Erkenntnisdefinition: „Impressionismus, Surrealismus, Alkoholismus“. Wie sonst könnten die Schmierereien auf Leinwand sonst entstanden sein denn als Folge übermäßigen Missbrauchs von geistigen Getränken? Ähnliche Ursachen muss wohl auch die Idee gehabt haben, Mittelaltermärkte in Einkaufszentren zu veranstalten. Mit der Rolltreppe zum Hufschmied? Wenn da kein mittelalterliches Feeling aufkommt… So parliert sich der gute Mann von Geschichte zu Geschichte, schweift kurz ab, bezieht zwei arme Gestalten (Uwe und Thomas) der ersten Reihe immer wieder mit ein, lästert zwischenzeitlich genüsslich über das Publikum des Vorabends ab, das angeblich erst Stunden nach Ende der Vorstellung über Pointen lachen konnte und schleimt sich so heimlich still und leise bei den Alsenzer Besuchern ein – die aus dem Lachen, Klatschen und Schenkelklopfen kaum mehr heraus kommen. Erst recht, als Sohn Rüdiger, Endzwanziger, Zuhause-Wohner und Bett-Belagerer, ins Visier wohldosierter Ironie gerät. Der sich noch dazu als „bevölkerungspolitischer Blindgänger“ erweist und dem armen Comedian, der den Ruhestand erwartet, einen ersehnten Enkel verweigert. Mit Seitenhieben auf Kontaktanzeigen, Körperkult und ganz allgemein den Unterschied zwischen früher und heute.

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