Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Passionsmusik in der Peterskirche mit überraschenden Akzenten

Die Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler gestaltete an Karfreitag die Passionsmusik (hier eine Aufnahme aus dem Vorjahr)
Die Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler gestaltete an Karfreitag die Passionsmusik (hier eine Aufnahme aus dem Vorjahr).

Ein minimalistischer Instrumentaleinsatz und ein kraftvoller Chor sorgten am Karfreitag in der Peterskirche für eine berührende Andacht an das Leiden und Sterben Jesu Christi. In der Liturgie wurde auch an die Opfer und Flüchtlinge der aktuellen Kriege erinnert.

Die unteren Ränge der Peterskirche in Kirchheimbolanden sind an diesem Nachmittag gut gefüllt. Es herrscht eine gefühlt schwermütige Atmosphäre, geprägt von besonders stillen Momenten des Innehaltens. Zum Ende hin wird dies besonders deutlich. Abschließende Worte werden nicht gesprochen. Pfarrerin Birgit Rummer lässt die Musik für sich sprechen. Mit einem Stück von Ludwig von Beethoven (1770-1827), Messe C-Dur op. 86 Agnus Dei, werden die Gläubigen entlassen. Bezirkskantor Martin Reitzig kommuniziert ohne Worte und regt lediglich mit einer Handbewegung die Auflösung der Passionsmusik an. Die Mitglieder der Kantorei gehen zu ihren Sitzplätzen, während die Besucher noch regungslos auf den Sitzbänken verharren. Erst nach dem Zögern ergießt sich ein Applaus wie strömender Regen.

Die musikalischen Elemente schließen die Liturgie von Pfarrerin Rummer perfekt ein. Der Flötenkreis eröffnet am Anfang mit einem Stück von Claudio Monteverdi (1567-1643) aus der Messa da Capella a quattro voci. Während des Konzerts zeigen sich die Flötentöne durchweg dominant in der Klangentfaltung und schaffen einen Berührungspunkt mit der Seele. Das Flötenspiel geht unter die Haut, und man fühlt sich insbesondere bei melancholischen Momenten zutiefst berührt.

Telemann im Zentrum

Eine Ausnahme bildet das Stück „Deine Toten werden leben“ von Georg Philipp Telemann (1681-1767), gespielt auf der Empore von einem Trio. In Anbetracht von Karfreitag ist es fast schon ein wenig progressiv, dieses Stück überhaupt zu spielen, nimmt es doch die Auferstehung nach der Kreuzigung in gewissem Maße vorweg. Das freudig klingende Flötenspiel von Katharina-Maria Jalali lässt hierbei die Hoffnung regelrecht spürbar werden. Martin Reitzig begleitet sie an der pneumatischen Pfeifenorgel und überrascht mit einer dynamischen Akzentuierung.

Die Sopranistin Lea Maria Kosack komplettiert das Trio mit opernhaften Gesang, der selbst in den unteren Sitzreihen noch ein Kribbeln im Bauch hervorruft, wobei immer wieder einzelne Besucher den Kopf nach oben drehen, um das Geschehen mit den Augen zu verfolgen. Die Orgel von Martin Reitzig neigt zwar anfänglich dazu, die Stimme der Sopranistin zu überlagern, doch im weiteren Spiel geraten die Orgelklänge durch eine Verminderung der Lautstärke soweit in den Hintergrund, dass das Rezitativ von Lea Maria Kosack glasklar hervorsticht und sich bestens entfalten kann. „Deine Toten werden leben“ ist das Prunkstück dieser kirchenmusikalischen Veranstaltung und hätte in einem nicht kirchlichen Rahmen sicherlich einen kräftigen Applaus ausgelöst.

Momente des Innehaltens

Stattdessen kehrt wieder dieser besondere Moment der Stille ein, der zum Nachdenken und Mitfühlen anregt. Im gemeinsamen Gebet erheben sich die Gläubigen und sprechen zusammen mit Pfarrerin Rummer das „Vater Unser“. Es folgt der vielstimmige Chorgesang „So liebt Gott die Welt“ aus Johannes 3,16 des Komponisten John Steiner (1840-1901). Das Vokalwerk klingt mit seinen rund zwei Dutzend Gesangsstimmen einfach prachtvoll. Die vier männlichen Tenorstimmen werden von einer weiblichen Tenorstimme ergänzt. Der Kanon der Alt-Stimmen durchströmt das Kirchengemäuer und erzeugt dabei ein unbeschreibliches Gefühl zwischen purer Gänsehaut und tiefer Entspannung. Im Anschluss daran erteilt Pfarrerin Rummer den Segen.

Es sind jene stimmungsvollen Elemente, von denen es viele an diesem Tag gibt, die das Passionsprogramm prägen. Dabei überrascht diesmal auch Bezirkskantor Martin Reitzig mit einer gekonnten Improvisation. Statt mit Blockflöten oder einem Streichquartett spielt Reitzig die Grundfuge I aus der Fuge von Johann Sebastian Bach (1685-1750) gänzlich allein an der Kirchenorgel. Die Improvisation ist selbstverständlich nicht formvollendet, klingt jedoch erfrischend anders.

Einnehmende Klänge

Reitzig spielt während des Konzertgottesdiensts je nach Titel entweder am Klavier, das unten im Mittelschiff der Kirche platziert wurde, oder an der Kirchenorgel, die direkt oben auf der Empore gespielt wird. Musikalisch entfalten sich die Klänge im Kirchengemäuer stets einnehmend, sodass Liebhaber der klassischen Musik ihre Freude daran haben. Gleichsam erleben die Gläubigen an diesem Tag aber auch eine ergreifende Passionsmusik der besonders kurzweiligen Art.

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