Donnersberger Echo Pandemie und Krieg – vom Leben im Goldfischglas

Ist klüger als gedacht und mag weder Corona noch Krieg: der Goldfisch.
Ist klüger als gedacht und mag weder Corona noch Krieg: der Goldfisch.

Geht es Ihnen auch so? Man fühlt sich in der jüngeren Vergangenheit so ein bisschen wie der Goldfisch, der seine Runden im Glas dreht und dabei einfach nicht so recht vom Fleck kommt. Runde für Runde präsentiert sich ihm derselbe Ausblick.

Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass das dem Goldfisch gar nichts ausmacht. Weil er ja ohnehin eine dermaßen überschaubare Aufmerksamkeitsspanne besitze, dass er sich bei jedem Blick durchs Glas nach draußen schon gar nicht mehr daran erinnern kann, das Bild bereits eine Runde zuvor gesehen zu haben. Von noch weiter zurückliegenden Runden ganz zu schweigen. Bis heute hält sich dieses Gerücht hartnäckig. Und das, obwohl Wissenschaftler längst herausgefunden haben, dass der Goldfisch durchaus in der Lage ist, sich mehrere Monate zurück zu erinnern.

Die anhaltende Pandemie zermürbt

Das ist jetzt ein bisserl blöd für den Goldfisch. Denn nur aufgrund dieser Erkenntnis sind ja die Aquarien nicht größer geworden. Heißt: Er erreicht wohl einen deutlich höheren Grad der Langeweile als er dies täte, wenn er tatsächlich dumm wie zehn Meter Waldweg wäre.

Was wir ebenfalls wissen – und die Erkenntnis ist auch schon eine ganze Zeit alt: Auch wir Menschen erinnern. Die meisten von uns sogar über die zweite und dritte Runde hinaus. Und deshalb fällt es uns auf, dass es in diesen Zeiten nicht so ganz einfach ist, vom Fleck zu kommen. Vor allem gedanklich.

Da ist auch nach mehr als zwei Jahren noch immer diese Pandemie, die der virologisch-epidemiologisch Unbedarfte schon so vielfach überwunden geglaubt hat. Aller wissenschaftlichen Unkenrufe zum Trotz. Am Ende aber holt uns das Thema wieder und wieder ein.

Gefangen in de Zeitschleife

Ja, stimmt: Jetzt erwarten uns weitere Lockerungen. Die angeordnete Absonderung für Infizierte wird kürzer und kürzer. Ob’s ein nachhaltiger Schritt in Richtung Normalität ist? Zumeist, seien wir ehrlich, haben tiefgreifende Lockerungen deutlich erhöhte Infektionszahlen nach sich gezogen – und früher oder später ging’s dann doch wieder zwei Schritte zurück.

Das soll kein Urteil darüber sein, ob das Vorgehen falsch oder richtig ist. Lediglich ein Verweis darauf, warum es scheint, als fehle nur noch allmorgendlich „I Got You Babe“ von Sonny & Cher aus dem Radiowecker – so wie bei Wetteransager Phil Connors, der in dem Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in Punxsutawney in Pennsylvania festsitzt und in einer Zeitschleife gefangen ist.

Donnersbergkreis zeigt Courage

Und dann ist da noch die Sache mit dem Krieg in der Ukraine. Auch da wünscht man sich Tag für Tag, dass das Leid, die Angst, die Not so vieler Menschen vorübergehen. Ein weiteres Thema, das Potenzial birgt, gedanklich zu zermürben. Aber: auch ein Thema, bei dem durch Engagement und Einsatz jeder sein Scheflein dazu beitragen kann, die Situation zu verbessern. Vielleicht nicht auf der ganz großen Bühne, aber doch im Kleinen, beim Dienst an und für den einzelnen Menschen.

Und da zeigt sich wieder einmal, dass jenes Engagement, jene Einsatzbereitschaft für die, denen es schlecht geht, im Donnersbergkreis ganz besonders hoch sind. Ähnlich wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal tun sich die Menschen rund um die höchste Erhebung der Pfalz auch jetzt wieder hervor mit ihrer großen Hilfsbereitschaft.

Wie in Punxsutawney: Das Ende des Wartens

Die Sanierung des Willkommenshausees für Flüchtlinge durch die Adient-Belegschaft in Rockenhausen ist eines der tollen Beispiele aus dieser Woche. Oder die Idee der Ortsgemeinde Höringen, ein Fahrzeug für die dort lebenden Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. Großartig! Oder die vielen anderen kleinen und großen Aktionen, die sich die Menschen im Landkreis einfallen lassen, um diejenigen zu unterstützen, die aus Angst um ihr Leben aus dem Osten Europas zu uns geflohen sind, ihr Hab und Gut haben hinter sich lassen müssen.

Taten statt Worte – das ist und bleibt eine Stärke unserer Region. Wer sich einsetzt, wer verantwortungsvoll und mitfühlend handelt, der gibt auch schwierigen Situationen einen Sinn. Und der ist plötzlich gar kein Goldfisch mehr. Und wartet nicht auf das Murmeltier.

In diesem Sinne, herzliche und nachdenkliche Grüße aus der coronabedingten Isolation.

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