Biedesheim
Ortsbürgermeisterwahl: Ein Kandidat wirft Hut in den Ring
Seit Dienstag um Mitternacht ist Holger Pradella (69) kein Bürgermeister von Biedesheim mehr. Weil der viel beschäftigte Architekt keine Zeit mehr für seine Familie und sich hatte, bat er die Verbandsgemeinde Göllheim um seine vorzeitige Entlassung. Die Sitzung des Gemeinderates am Mittwochabend leitete deshalb der Erste Beigeordnete Armin Wendel, der bis zur Neuwahl des Ortschefs die Amtsgeschäfte führt. Er bedankte sich für die Leistungen Pradellas. Der gebürtige Eisenberger wisse aufgrund seines Berufes die Materialien historischer Gebäude zu schätzen, habe dafür gesorgt, dass die alten Gehöfte so instand gesetzt werden, „wie es sich gehört“. Bei einigen Objekten habe er ein Schild aus Ton mit der Aufschrift „Harmonie am Bau“ angebracht. „Holger hat an vielen Häusern Spuren hinterlassen und dem Ortskern ein Gesicht gegeben“, lobte Wendel. Auch sei man wegen der Fachkenntnis des Ortschefs an viele Förderprogramme gekommen, die sonst vielleicht übersehen worden wären.
Besonders hob er hervor, dass Pradella die Personenwahl eingeführt habe. Er sei 2009 über die Liste der Freien Wählergruppe Bürgermeister geworden, aber zur nächsten Kommunalwahl seien die Parteizugehörigkeiten abgelegt worden. „Die spielen auf örtlicher Ebene auch keine Rolle“, findet der Beigeordnete. „Ich freue mich, dass hier alle an einem Strang ziehen, unabhängig von parteiideologischen Befindlichkeiten“, meinte Steffen Antweiler (FWG), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim. Kommunalpolitik sei in den letzten Jahren nicht einfacher geworden und für einen Mann, der es gewohnt sei, zuzupacken sei die Verwaltung oft ein lästiger Bremsklotz gewesen. „Danke für deine stets offenen Worte, Holger“, so Antweiler und überreichte dem 69-Jährigen einen Präsentkorb. Leider gebe es immer mehr Dörfer, wo sich niemand mehr bereit erkläre, so ein verantwortungsvolles Amt zu übernehmen. Für die Biedesheimer hoffe er das Beste.
„Ich habe ein bisschen Bammel“
Zumindest ein Mann hat sich dazu entschlossen, zu kandidieren: Armin Wendel. Ein erstes Anzeichen: Als es um die Ernennung des Wahlleiters ging, hielt er sich zurück und ließ der Beigeordneten Anita Olczak den Vortritt. „Ich habe ein bisschen Bammel, weil die Erwartungshaltung groß ist“, sagte er zur RHEINPFALZ. Er sei zwar, ebenso wie Pradella, genervt von der Bürokratie und der Langsamkeit in Deutschland, „aber es lohnt sich, den Biedesheimern Freiräume zu erkämpfen“. Mit Blick auf die bisher sehr gute sachorientierte Zusammenarbeit im Rat, zeigt sich der 60-Jährige optimistisch, dass das Gremium „im Team“ einiges erreichen wird. Auch habe er die Erfahrung gemacht, dass es durchaus etwas bringe, bei Verbandsgemeinde, Kreis oder Land immer wieder auf der Matte zu stehen und in den eigenen Angelegenheiten Druck zu machen. Genug Zeit werde er für das Amt haben, meinte der Industriekaufmann im Vorruhestand, der seit mehr als zehn Jahren im Gemeinderat sitzt und seit 2019 Erster Beigeordneter ist.
Gegenkandidaten für das Amt des Ortschefs in Biedesheim können sich noch bis Montag, 6. März, 18 Uhr, melden: bei Wahlleiterin Olczak oder bei der Verbandsgemeindeverwaltung Göllheim. Als Datum für den Urnengang hat der Gemeinderat einstimmig Sonntag, 23. April, festgelegt. Eine eventuelle Stichwahl wäre dann 14 Tage später am 7. Mai. Die Termine bedürfen nun noch der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht. „Wir hätten die Stimmabgabe gern am 12. März, dem Tag der Wahl des VG-Bürgermeisters, ermöglicht, aber da reicht uns die Zeit nicht“, sagte Büroleiter Thomas Peter. Für die Aufwendungen rund um die Biedesheimer Wahl wie Bekanntmachungen, Drucken von Stimmzetteln und Erfrischungsgeldern für die ehrenamtlichen Helfer stehen im Haushalt der Ortsgemeinde 5000 Euro bereit.