Donnersbergkreis
Online-Unterricht in Fahrschulen? – Da sind die Meinungen geteilt
Hygienevorschriften mit Teilnehmerbegrenzungen sorgen stets für eine „volle Hütte“, erzählt Heiko Merz, Inhaber der Fahrschule Big Daddy. Der Würzweilerer, der in Rockenhausen und Winnweiler zwei Schulungsräume angemietet hat, darf elf beziehungsweise zehn Schüler pro Unterrichtsstunde zulassen, die sich über Whatsapp einen Platz reservieren. Merz will jedem seiner Kunden ermöglichen, mindestens einmal pro Woche an der Theorie teilnehmen zu können.
Ab 1. April begrüßt Big Daddy seine Fahrschüler in Rockenhausen in neuen Räumlichkeiten – von der Bahnhofsstraße geht es in die Luitpoldstraße 3. „Womöglich können wir dort bis zu 15 Personen unterbringen“, sagt Merz, der übrigens keinen Online-Unterricht angeboten hat. Die Anschaffungskosten haben sich für ihn nicht gerechnet. Aktuell registriert der Fahrlehrer zunehmende Anmeldungszahlen. „Diejenigen, die vor dem Lockdown nicht fertig wurden und die ganze Zeit nichts machen durften, wollen das Ganze ja jetzt auch schnell zum Abschluss bringen“, sagt Merz, der auch froh ist, seinen einzigen in Vollzeit angestellten Mitarbeiter wieder aus der Kurzarbeit holen zu können.
Auf Führerschein angewiesen
Ebenfalls nicht auf das Angebot des Online-Unterrichts ist Stefan Geißler, Inhaber der Fahrschule Harry Jung, eingegangen. „Ich habe viel darüber gelesen und gehört, dass die Verbindung nicht stabil genug ist und es oft ruckelt. Die Interaktion und die ganzen Rückfragen der Teilnehmer online abzuhandeln, stellt sich doch als sehr schwierig dar“, nennt Geißler den Qualitätsverlust als Hauptgrund, warum er erstmal nicht in die digitale Technik investiert hat. Präsenzunterricht, den der Fahrlehrer an seinen zwei Standorten in Kirchheimbolanden und Albisheim nun wieder wöchentlich je zweimal durchführen darf, sei eben wesentlich effektiver und „die Leute sind ja auch froh mal wieder raus zu kommen.“
Der Theorieunterricht sei immer voll. „Jeder soll einmal die Woche unterkommen“, betont Geißler, der die Fahrschule 2013 übernommen hat. In Kurzarbeit musste der 46-Jährige Ilbesheimer keinen schicken. Geißler blickt optimistisch in die Zukunft. „Wir sind Kämpfer, es geht immer weiter. Womöglich wird es auf unbestimmte Zeit nicht so sein wie vorher, aber wir sind doch auf dem Land in einer deutlich besseren Lage als die Großstädter.“ Die Nachfrage sei ungebrochen, die jungen Leute seien auf den Führerschein angewiesen.
Demmerle und Braunsdorf setzen auf Onlineunterricht
In enger Zusammenarbeit haben die Fahrschulen Demmerle und Maiks Fahrschule an der Umsetzung für den digitalen Unterricht gefeilt und setzen dabei auf die Plattform „netucate system“. Um den Anspruch an Qualität gerecht zu werden, belaufen sich die Investitionskosten jeweils auf einen etwas höheren dreistelligen Betrag. „Wir hätten das auch günstiger lösen können, doch wir wollten so nah wie möglich an die Umsetzung der Normaltheorie herankommen“, betont Timo Demmerle, der in seinen Räumlichkeiten am Standort Rockenhausen seit Ende Januar wöchentlich zur Bildschirm-Konferenz einlädt.
24 Schüler dürfen da maximal teilnehmen. „Es ist zwar nicht immer ausgebucht, wird aber sehr gut angenommen. Natürlich merken wir das Internet unseres ländlichen Raumes, dennoch können wir hier einen interaktiven Unterricht gestalten. Die Teilnehmer sind sehr aktiv und bescheinigen uns eine bessere Verbindung als im Homeschooling.“ Nach bisher 22 Onlinesitzungen verfüge man schon über einen großen Erfahrungsschatz. „Ich denke, das hat sich schon bewährt und könnte ein Konzept für die Zukunft sein“, so Demmerle. Trotzdem ist er froh, in Rockenhausen, Winnweiler, Göllheim und Börrstadt wieder Theorieunterricht vor Ort anbieten zu dürfen.
In die gleiche Kerbe wie Demmerle schlägt Kollege Maik Braunsdorf, der seit 1996 Maiks Fahrschule leitet : „Ich kann mir den Onlineunterricht auf jeden Fall dauerhaft und sinnvoll für bestimmte Themen vorstellen. Klar ist aber auch, dass ein Präsenzunterricht nicht zu ersetzen ist.“ Braunsdorf, der an den Standorten in Kirchheimbolanden, Albisheim, Alsenz und Kriegsfeld nun auch wieder Präsenzunterricht anbieten darf, sieht eine 50:50-Tendenz der Fahrschüler: „Die eine Hälfte, die schlechtes Internet hat und nicht mobil ist, bevorzugt den Präsenzunterricht, die andere Hälfte die Onlineveranstaltungen.“
Besondere Herausforderung für Prüflinge
Dieter Bernardy von der gleichnamigen Fahrschule, lehnt den Onlineunterricht ab: „Natürlich habe ich mich damit beschäftigt, aber das kann nur zweite Wahl und erst eine Alternative sein, wenn sonst gar nichts mehr über viele Monate geht. Die Notbremse sozusagen.“ Einzig im richtigen Präsenzunterricht seien mögliche Defizite der Schüler zu erkennen und zu beheben, nur so könne verantwortungsbewusst kommuniziert werden. „Noch viel wichtiger ist das bei den Erstausbildungen, da die Jugendlichen noch total unerfahren sind mit der Thematik“, betont Bernardy.
Seit 1. März gibt es wieder Präsenzunterricht – einmal in Dannenfels mit je zehn Personen und zweimal Kirchheimbolanden mit je zwölf Personen. Stets voll besetzt. „Wir haben das Glück, dass wir auch viel im Bereich Lkw und Bus ausbilden. Da der Gesetzgeber diese Art als systemrelevant einstuft, hatten wir dort keine Einschränkungen“, sagt Bernardy. Nichtsdestotrotz „trifft die Pandemie uns alle. Einbußen hat jeder. Ich denke da auch an die besondere Herausforderung der Prüflinge. Diese sind ohnehin aufgeregt, schwitzen und müssen dann noch durch die Maske atmen. Bei den Brillenträgern kommen noch beschlagene Gläser hinzu.“