Donnersbergkreis „Ohne Sonne läuft gar nix“
Er wird wohl als nasser und kühler, jedenfalls sehr unbeständiger Sommer in die Wetter-Geschichte eingehen. Zu den Leidtragenden gehören Kiosk-Betreiber in den Freibädern Rockenhausen und Winnweiler.
Es ist warm an diesem Augustnachmittag, das Thermometer zeigt immerhin 24 Grad, aber der Himmel hält sich bedeckt. Parkplatzprobleme am Naturschwimmbad Rockenhausen gibt es heute nicht, sieben Autos verteilen sich übersichtlich auf dem Gelände. Die Dame an der Kasse unterhält sich entspannt, niemand verlangt eine Eintrittskarte. Ein bisschen Freibadleben ist dann doch erkennbar: Etwa 80 Personen, hauptsächlich Kinder vom Feriencamp, tummeln sich auf der Wiese und im Wasser. Der Kiosk hat trotz der geringen Besucherzahl geöffnet; die Pächter, das Ehepaar Salih und Boguslawa Ertürk, putzen den Küchenbereich. „Eigentlich lohnt es sich nicht, bei diesem Wetter den Kiosk überhaupt aufzumachen. Da sind die Kosten für den Arbeitseinsatz höher als die sehr überschaubaren Einnahmen“, erklärt Salih Ertürk. „Die ganze Saison ist wegen des wechselhaften Wetters eine Katastrophe. Wenn wir nicht noch ein anderes Standbein hätten, ginge es uns im Moment sehr schlecht. Leben kann man von diesem Kiosk nicht – schon gar nicht in diesem Jahr.“ Tatsächlich fanden bisher nur gut 19.000 Besucher den Weg ins Naturbad, 2015 waren es insgesamt über 37.000. Aber wenn es nicht nur warm ist, sondern obendrein noch die Sonne scheint, sieht es anders aus: Bis zu 1300 Eintrittskarten werden dann täglich verkauft. Und bei Familie Ertürk ist schon einmal Stress angesagt. „Manchmal scheint es, als wenn die Menschen mit Bussen vor unserem Kiosk ausgeladen werden, und es bildet sich eine lange Schlange am Verkaufsfenster. Und anschließend ist es für längere Zeit richtig ruhig. Halt bis zum nächsten Bus“, lacht Boguslawa Etürk. „Aber ich kann gut damit umgehen. Ich liebe meine Arbeit, und jetzt im dritten Jahr unserer Pacht habe ich schon viel Routine. Und wenn nötig, hilft der Rest der Familie.“ Das Speisenangebot werde sehr gut angenommen, so Salih Etürk weiter. Besonders beliebt seien die frisch gemachten Döner, dann steigen der Umsatz und auch die Temperaturen in dem kleinen Raum. „Wir haben schon mal gut 50 Grad im Küchenbereich, dann sind wir eine heiße Kiste“, schmunzelt Salih Ertürk. Aber natürlich liegen nach wie vor auch Pommes gut im Rennen, 30 bis 35 Kilo werden an belebten Tagen verputzt. „Wir haben es schon einmal mit Kuchen versucht. Das lief nicht. Und Frisches wie Salat ist in der Vorbereitung zu aufwendig,“ bedauert die Pächterin. Da hat es der Betreiber des Kiosks in Winnweiler, Pellegrino Scarpinati, dessen Familie den Verkaufsstand seit 2008 gepachtet hat, leichter: Der Salat lässt sich fast fertig angerichtet aus seinem Restaurant und Eiscafé „Garden“ mitbringen. Und das selbstgemachte Gelato natürlich auch, sieben Sorten gibt es im Schwimmbad zur Auswahl. Aber das hilft alles nichts, wenn die Kunden ausbleiben. „Seit zwei Wochen habe ich den Kiosk schon geschlossen“, berichtet Scarpinati an einem sehr unterkühlten Augustmorgen. „Es lohnt sich einfach nicht. Ich kann den Betrieb hier nicht für fünf oder zehn Euro Umsatz anschmeißen.“ Und die Dauerschwimmer, die jeden Morgen bei fast jedem Wetter ihre Bahnen ziehen, seien für sein Angebot völlig uninteressant: „Von denen isst keiner um acht oder neun Uhr schon Pommes rot-weiß.“ Auch hier springt die Familie ein, wenn es wirklich heiß hergeht. Laut Bademeisterin Christine Fritz strömen – wie in Rockenhausen – schon mal über 1000 Besucher an einem Tag in die schöne Anlage. Im Supersommer 2015 waren es über 36.000, aktuell kurz vor Ende der Saison sind es gerade einmal gut 16.000. „Ohne Sonne läuft gar nix. Auch wenn es warm sein sollte – zeigen sich Wolken, kommen die Leute nicht, eben tote Badehose. Sie brauchen mindestens zwei Sonnenanlauftage, bis sie sich entschließen, das Bad zu besuchen“, beklagt Scarpinati. „Einen Kiosk mit Freibadwettergarantie gibt es eben leider nicht.“