Donnersbergkreis Oberliga, wir kommen
Heusweiler. Novum beim TTC Winnweiler! Ab Herbst schlägt er, erstmals in seiner 65-jährigen Historie, in der Oberliga auf. Ein Traum wird wahr. Der „goldene“ Moment: Die saarländische DJK Heusweiler überrollten die TTC-Damen, „Vize“ der 1. Pfalzliga, am Samstag in der Relegation mit 8:2. Klar, aber nicht ganz unerwartet. Ohne Niederlage klettern sie hoch – und sind nach der TSG Zellertal das überhaupt erst zweite Donnersberger Quartett in der Oberliga.
Am Ende, beschrieb Marcella Franck perplex, sei ihr der Trubel gar nicht „bewusst“ gewesen. Sie war im Tunnel. Vergeigt hatte sie (fast) ihr Einzel. Eigentlich. Einem 0:2 in Sätzen hinkte sie hinterher, 7:10 stand es im dritten Abschnitt. Verloren? Oder doch noch nicht? „Tanja hat gezählt und immer wieder gesagt, ich gewinn’ das noch“, blickte die Kapitänin des TTC Winnweiler auf ihr Einzel gegen Sarah Schneider zurück. „Sie ist ruhiggeblieben“, sagte „Zählerin“ Tanja Schultz. „Ihre Gegnerin hat sich wahnsinnig über sich geärgert und sich viel selbst kaputt gemacht.“ Für die DJK Heusweiler war Schneiders Partie der letzte Strohhalm. 2:7 lagen die Saarländerinnen hinten. Doch Schneider zürnte. Und bei Franck lief’s auf einmal. Sie drehte den Satz. Sie drehte das Spiel. 3:2. Ihre Kameradinnen sprangen von der Bank. Das letzte Mosaiksteinchen einer fabulösen Saison. Mit 8:2 fertigte der TTC den Oberligisten ab. In dessen Halle! Heusweiler steigt ab. Winnweiler steigt auf. „Wir waren mega-nervös. Aber der Gegner mindestens genauso. Einige Spiele waren verkrampft, andere sehenswert“, zog Angela Radetz Bilanz, mit zwei Einzeln und dem Doppel an der Seite von Schultz bärenstark. Bei der jungen DJK lagen streckenweise die Nerven blank: Eine Ermahnung seitens des Oberschiedsrichters setzte es – und als Franck den achten Zähler einstrich, flossen die Tränen. Heusweiler hielt dem Druck, für einen höherklassigen Klub ohnehin größer, nicht stand. „Man hat das schon gemerkt. Wir zeigen die Anspannung eben nicht so. Dabei waren wir am Anfang eher eingeschüchtert“, betonte Franck. Das „Finale“ startete durchwachsen für ihren TTC: Franck und Katharina Dinges verloren das Auftaktdoppel 1:3 gegen Sonja Shor und Schneider. Schultz besiegte Shor zwar 3:0, aber Dinges war gegen Heusweilers mit Material bewaffnete Abwehrspielerin Beate Schäfer chancenlos. 2:2. Ein Krimi bahnte sich an, echter Relegationsstoff. Bis der TTC aufs Gas drückte. Und die DJK einbrach. Alle drei Fünfsatzeinzel gab sie ab, Schneider zwei davon. Das letzte holte Schultz gegen Schäfer. „Als die Punkte zum 4:2 gekommen sind, waren die geknickt. Wenn es einmal rollt, dann läuft man weg“, so Schultz, ebenfalls mit zwei Einzeln. Gut, dass Dinges im zweiten Spiel gegen Shor (3:0) besser aufspielte. Gut auch, dass sich die DJK von der eigenen Nervosität aus dem Konzept bringen ließ. Tischtennis ist Kopfsache. Wer zu viel denkt, dem versteift der Arm. Für den TTC Winnweiler, den gesamten Klub, ist das 8:2 der Triumph schlechthin. Selbstredend aber ist, dass die Kaliber im Premieren-Jahr Oberliga größer werden. Die DJK Heusweiler ist als Drittletzter mit 13 Pleiten in 18 Partien kein richtiger Maßstab. Wenngleich die Abfuhr eine Standortbestimmung ist. „Ich habe sie schon ein bisschen stärker erwartet. Aber wir waren gut drauf“, räumte Schultz nach dem Endspiel in der engen, proppenvollen Heusweilerer Halle ein. „Ich glaube, sie haben uns als Favorit gehandelt. Nach dem Start dachte ich, das wird ausgeglichen. Wir waren einfach super erleichtert. Das war eher eine positive Nervosität“, schilderte Angela Radetz die Spannung. Der TTC steigt auf in die Oberliga. Zum ersten Mal seit der Gründung im Jahr 1951. Es winkt dann beinahe eine „Pfalzliga“ der Superlative – mit Germersheim, mit Kaiserslautern, mit Queidersbach. Und mit der Neuauflage des Derbys gegen Zellertal.