Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Nur wenige Besucher beim hochwertigen Konzert des Acelga Quintetts

Die musikalische Darbietung des Acelga Quintetts hätte mehr Publikum verdient gehabt.
Die musikalische Darbietung des Acelga Quintetts hätte mehr Publikum verdient gehabt.

Das Kammerkonzert mit dem Acelga Quintett am Freitag in Rockenhausen zeigte bei aller Euphorie und Anerkennung für das Festival Neue Musik auch eine fundamentale Krise im Musikleben. Der Umbruch von sogenannter Gebrauchsmusik hin zu gewagter elitärer, experimenteller Musik wurde spürbar.

Man stelle sich vor: Da konzertiert in der liebevoll und aufwendig weihnachtlich dekorierten Kundenhalle der Sparkasse Donnersberg in Rockenhausen ein so hoch qualifiziertes und von Rang und Namen außergewöhnliches Ensemble, vergleichbar etwa mit einer Nationalmannschaft im Sport. In dem Quintett musizieren Musiker aus den Top-Orchestern zwischen Mannheimer Nationaltheater, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Gürzenich Orchester Köln und Elbphilharmonie Hamburg; und es sitzen nur kläglich wenige Besucher im Publikum – und das, obwohl im Donnersbergkreis noch rund 20 Musikvereine im Musikkreis neben weiteren aus der Umgebung aktiv sind. Wo waren die, als diese Sternstunde ihnen die künstlerischen und spielerischen Möglichkeiten offerierte und die Anwesenden in andere Sphären der Klangkultur entführte?

Kein Grund für Schwellenangst

Vielleicht war die Bewerbung unter der Überschrift „Neue Musik“ abschreckend, obwohl sich die hochinteressante Veranstaltung in Rockenhausen programmatisch einer sehr interessanten stilistischen Gegenüberstellung widmete. Mozarts aufgeführte Werke sind eine seit 1770 aufkommende Harmonie- oder Gebrauchsmusik, die als Freiluft-Serenadenkonzerte oder Tafelmusik damals en vogue waren, als man entweder Divertimenti eigens dafür komponierte oder populäre Werke aus Oper und Konzert entsprechend bearbeitete. Kein Grund also für Schwellenangst. Im Gegenteil, die Ouvertüre zur volkstümlich gewordenen Oper „Die Zauberflöte“, ein lyrisch beseeltes Andante und schließlich eine damals abendliche Serenade, kam in der Fassung für Bläserquintett zu Gehör und erwies sich kompositorisch und interpretatorisch als würdig, um Rockenhausens Festival einen überregionalen Nachhall zu bescheren.

Ohne Fehl und Tadel

Hanna Mangold (Flöte), Sebastian Poyault (Oboe), Julius Kircher (Klarinette) sowie Amanda Kleinbart (Horn) und Antonia Zimmermann (Fagott) sorgten für erlesene und detailliert ausgefeilte Spielkultur ohne Fehl und Tadel. Ja, sie entführten mit Spielwitz, Akribie und Esprit in eine Musikwelt der schöngeistigen wie anregenden Unterhaltung auf allerhöchstem künstlerischem Niveau: Da erfüllte jeder Ton seine absolut präzise Funktion, ereignete sich das Zusammenspiel auf den Akzent genau, floss alles wunderbar und harmonisch zusammen. In dieser lebhaft auftrumpfenden Spielfreude wurde auch das für Mozart in seinen Briefen, Biografien und Verfilmungen so typische ironische Augenzwinkern und schalkhafte, listige Kokettieren greifbar. Das geht allerdings nur, wenn Musiker derart locker und souverän trotz Brillanz und Rasanz der Tempi über diesem Anspruch stehen.

Bewusstes Ausreizen

So betrachtet, gibt es zu dem österreichisch-ungarischen Komponisten György Ligeti und dessen Zyklen der „Zehn Stücke“ und „Sechs Bagatellen“ durchaus Analogien. Was Mozart kompositorisch allerdings nur extrem beim – in Rockenhausen nicht aufgeführten – „Dorfmusikanten-Sextett“ praktizierte, trieb Ligeti mitunter bei diesen Sätzen auf die Spitze: Dissonante Klangwirkungen, und die noch extrem schrill im Diskant auf Piccoloflöte und Klarinette mit Oboe – das muss wirklich wehtun. Ligeti wollte bewusst ausreizen, wie weit man gehen kann, was man einem Publikum und Ensemble an Clustern zumuten kann – und vor allem ging es um die Frage: Was ist an Klangfarben mit dieser eigentlich klassischen Bläserbesetzung möglich? Daher auch das verwendete große Instrumentarium mit drei Flöten, Alt- bis Piccoloflöte, und neben Oboe auch Englischhorn und das Horn mit dem sogenannten Stopfen oder Dämpferspiel auch mit Doppelzunge und die Klarinette hoch bis zu extrem überblasenen Tönen.

Aus der Klaviermusik und dem Zyklus „Musica Ricercata“ formte Ligeti die Bagatellen, die neben provokant-experimentellen Passagen bisweilen aber auch sehr ansprechende Partien mit zirzensischem Charakter in pfiffiger, verschmitzter und fetziger Manier enthalten. Da lässt wieder das Schalkhafte grüßen, das schon bei Mozarts Serenade spürbar war.

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