Donnersbergkreis Nur an Weihnachten geschlossen
Der einzige Tag, an dem im Metro-Logistikzentrum Stille einkehrt, ist der Erste Weihnachtsfeiertag. Es ist der Tag, an dem alle Mitarbeiter frei haben. An jedem anderen Tag des Jahres wird rund um die Uhr kommissioniert und sortiert, gehoben und gefahren: Das Logistikzentrum in Kirchheim ist die Zwischenstation zwischen den Produzenten und den Real- und Metro-Märkten. Das Innere des Lagers hält, was der Bau von außen verspricht: Es ist unendlich groß, beherbergt bis zu 14 Meter hohe Regale mit fünf bis acht Stockwerken – gefüllt mit allem, was der Mensch so braucht, um zu leben. Das Sortiment, das hier auf 49.500 Quadratmetern Lagerfläche mit vier verschiedenen Temperaturzonen untergebracht ist, umfasst 9000 verschiedene Artikel. Betriebsleiter Peter Kahler (59), seit 1997 bei Metro, spricht über „optimale Frische“, blitzschnelle Lieferung und den Anspruch an die Qualität. Er sagt: „Es sind nicht nur die Kosten, die uns treiben, sondern auch die Qualität. Sie kommt zuerst, dann kommt die Effektivität.“ Alles, was das Logistikzentrum verlässt, muss tipptopp sein. Deswegen gibt es Qualitätskontrolleure, die das angelieferte Obst und Gemüse prüfen und beproben. Erst, wenn es als für die Gesundheit unbedenklich eingestuft werde - das sei fast immer der Fall - und wenn es den „hohen Standards“ entspricht, die Metro verlange, werde die Ware angenommen. 250 bis 450 Lastwagen verlassen das Logistikzentrum am Tag „250 bis 450 Lastwagen verlassen täglich das Metro-Logistikzentrum in Kirchheim, die meisten nachts“, berichtet Kahler. Die Kritik, dass die vielen Lastwagen die Ursache für die Rückstaus am Autobahn-Kreisel sind, kann er nicht nachvollziehen: „Wir verursachen diese Staus nicht, weil wir vor allem nachts fahren.“ Die Lebensmittel, die die Hersteller nach Kirchheim bringen, werden dort kommissioniert und an Metro- und Real-Märkte in ganz Deutschland geliefert. Von den deutschlandweit 103 Metro-Märkten beliefert Kirchheim 23 mit Obst und Gemüse. Ein richtig großer Spieler ist das Lager im Tiefkühl-Bereich für die Real-Märkte. Von Kirchheim aus wird die Hälfte aller 280 deutschen Real-Märkte mit Tiefkühl-Ware beliefert: Der Einzugsbereich reicht vom Ruhrgebiet bis nach Passau und Würzburg. Das Kirchheimer Lager ist eines von drei Tiefkühllagern, die beiden anderen sind in Bremen und Berlin, von daher der große Einzugsbereich. 68 Real-Märkte bekommen zudem Waren aus dem Trockensortiment. Dazu gehören Reis, Zucker, Nudeln, aber auch Getränke oder Drogerieartikel. 67 Märkte bekommen Waren des Frischedienstes (Molkereiprodukte, Wurst, Käse), und 50 beziehen ihr Obst und Gemüse aus Kirchheim. „25 Prozent der Waren, die Real in Deutschland verkauft, werden hier umgeschlagen“, sagt Kahler. Das ist auch deshalb interessant, weil die Metro AG die Einzelhandelskette Real verkaufen will. Ob das für Kirchheim Folgen hat, ist derzeit offen. Der Gesamtumsatz der Metro AG lag im Geschäftsjahr 2017/18 bei 36,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist in 36 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter. 400 Menschen arbeiten im Logistikzentrum 400 Menschen sind im Logistikzentrum beschäftigt. 300 von ihnen waren auch vor der Eröffnung in Kirchheim schon bei Metro. Denn das Unternehmen hat seine Logistik zentralisiert: die Lager in Gernsheim (Kreis Groß-Gerau, Hessen), Gimbsheim (Kreis Alzey-Worms) und Bingen wurden geschlossen, seit Juli 2018 ist das ganze Lebensmittelsortiment in Kirchheim vereint. Die Mitarbeiter nehmen die Ware an, die die Lkw täglich bringen, lagern sie und stellen sie für die Auslieferung zusammen: Mit Staplern fahren sie von Regal zu Regal und arbeiten die Bestellungen der Märkte ab. Derzeit sind laut Kahler rund zehn Stellen unbesetzt, gesucht würden Lagerarbeiter und Berufskraftfahrer. Denn 40 bis 50 Prozent der Ware würden mit eigenen Metro-Lastwagen ausgeliefert, die Fahrer seien abends wieder zu Hause. „Es ist nicht so einfach, Arbeitskräfte zu finden“, sagt Kahler, der Arbeitsmarkt sei abgeschöpft, es sei eine attraktive Region. Neben den 400 eigenen Beschäftigten arbeiten im Metro-Lager noch knapp 40 Mitarbeiter von Fremdfirmen. Dazu gehören die Reinigungskräfte, das Kantinen- und Sicherheitspersonal und die Mechaniker für die Stapler. Auch für die Spediteure habe sich die Metro-Ansiedlung gelohnt, berichtet Kahler: „Durch den Kirchheimer Standort wurden für die Speditionen im Umfeld zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.“ Kahler ist überzeugt vom Leiningerland: „Das ist ein sehr attraktiver Standort für Logistik. In der Logistik sprechen wir für uns vom geo-optimalen Punkt.“