Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neustart an den Schulen: Corona bestimmt den Stundenplan

Die Hygienevorschriften am Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler haben sich kaum verändert. Neu ist, dass ab Montag alle Schüler w
Die Hygienevorschriften am Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler haben sich kaum verändert. Neu ist, dass ab Montag alle Schüler wieder da sind.

Donnersbergkreis: Bei einem normalen Arbeitspensum wird es für die Lehrer und Schulleiterungen in den ersten Tagen des neuen Schuljahrs nicht bleiben. Corona fördert Lösungen und das Land liefert wie üblich Vorschriften sehr spät – dennoch haben die Schulen Pläne in den Schubladen, auch für den schlimmsten Fall eines Lock-Downs.

Am Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler soll das, „was sich vor den Sommerferien mit halben Klassen bewährt hat, nun mit Vollbesetzung fortgeführt werden“, sagt Schulleiter Ralf Schäfer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dazu zählt, dass weiterhin jeder Schüler über den Haupteingang das Gebäude betritt, sich zuvor die Hände desinfiziert und im Inneren die „Einbahnstraßen-Regelung“ beibehalten wird.

Neu ist hingegen, dass erstmals seit Beginn der Pandemie wieder Sportunterricht stattfindet. Dazu hat Schäfer zusammen mit den Lehrkräften einen Wegeplan entwickelt: Ferner kann bis zu den Herbstferien der nahe gelegene Sportplatz mitgenutzt werden.

„Es wird uns nicht gelingen, die Klassen nur in ihrem Saal zu unterrichten“, betont Schäfer. Das heißt: Physik-, Chemie-, Biologie- oder Musiksaal müssen für diese Fächer verwendet werden. Zudem sieht er Probleme, in jedem Winkel der Schule „die Abstandsregeln zu 100 Prozent einzuhalten“. Gegensteuern werde man zum einen durch häufigeres Reinigen und Desinfizieren – zwei zusätzliche Kräfte wird der Kreis auf Bitte des Schulleiters bereitstellen. Zum anderen wird der Schülerstrom beim Gang in die Pausen entzerrt und es gibt es für Alt- und Neubau je einen separaten Ausgang an den Stirnseiten des Gebäudes.

Einen Sonderfall stellen die Oberstufenschüler dar: Aufgrund des Kurssystems in der MSS kann der Wunsch nach geschlossenen Gruppen nur für die Jahrgangsstufe als Ganzes eingehalten werden.

Erleichtert ist Schäfer, dass – obwohl 20 Prozent des Kollegiums der Risikogruppe angehören – „Stand jetzt alle unsere Lehrkräfte am Montag zum Dienst antreten werden“. Als „zweischneidiges Schwert“ sieht der Direktor das viel diskutierte Thema Maskenpflicht: „Auf der einen Seite will das natürlich niemand. Auf der anderen Seite geben wir uns große Mühe mit dem Erstellen von Hygieneplänen – wollen dann aber Unterricht wie vor Corona machen und sitzen mit 20, 25 Schülern in einem Klassensaal.“ Vorerst bleibt es aber am WEG dabei, dass die Masken auf dem Schulgelände bis zum Erreichen des Sitzplatzes getragen, dann jedoch abgelegt werden dürfen.

Eine – aber nur auf den ersten Blick – erfreuliche Nachricht hat Schäfer noch für die Schüler parat: Das sonst auf dem Gelände geltende Handy-Verbot wird nicht nur vorübergehend aufgehoben – „wir fordern die Kinder sogar ausdrücklich dazu auf, ihre Geräte anzulassen.“ Allerdings nicht, um zu Spielen oder WhatsApp-Nachrichten zu verschicken: „Im Fall eines Falles kann möglicherweise über die Corona-Warn-App nachvollzogen werden, ob Risikobegegnungen stattgefunden haben.“

Anweisungen oft in letzter Minute

Mit viel Aufwand und Anstrengung sei es – „quasi in letzter Minute“ – gelungen, auch die Anforderungen aus der 5. Hygieneverordnung für die Schulen umzusetzen, sagte Schulleiterin Heike Keller von der Grundschule Göllheim. Demnach werden die Klassenstufen voneinander getrennt unterrichtet, gehen getrennt in die Pausen, und auch für das Mittagessen habe man eine Lösung gefunden, so die Schulleiterin. Das alles sei verbunden mit einer massiven Mehrbelastung der Kollegen, so Keller, die keinen Hehl daraus macht, dass sie die Unterstützung des Landesministeriums für oftmals unzureichend hält. „Natürlich muss man schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren“, so die Schulleiterin. Die Situation an den Schulen sei nun aber genauso wie bereits vor den Ferien angekündigt. „Warum es da in letzter Minute erst genaue Anweisungen gibt, und manches wie der Sportunterricht zum Beispiel nicht früher geklärt werden konnte, das ist nicht zu verstehen“.

Sie sei auch im Austausch mit anderen Schulleitern und stehe mit ihrer Haltung in diesem Punkt keinesfalls alleine da.

Die Grundschule Göllheim werde am Dienstag alle Erstklässer einschulen. Jede Klasse werde einzeln begrüßt, jedes Kind dürfe zwei Personen mitbringen. Kinder und Eltern sollen vorm Haupteingang warten, bis Sie von uns in den Schulhof geleitet werden. Bei Regen finde die Begrüßung in der kleinen Sporthalle statt. Es ist eine kurze Einschulungsfeier geplant, dann findet schon der erste Unterricht in den Klassen statt. Entfallen muss dieses Jahr das Elterncafé. Außerdem müssen die Eltern nach der Einschulungsfeier das Schulgelände verlassen. Abholen dürfen sie ihre Sprösslinge versetzt nach Unterrichtsende vorm Schulgebäude. Die Einschulung erfolgt zeitversetzt für die vier Klassen.

Lüften möglich - gerade noch rechtzeitig

„Gerade noch rechtzeitig“ werden derzeit die neuen Fenster in der Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden eingebaut. „Denn Lüften ist ja eines der großen Themen in Coronazeiten“, so Schulleiter Jörg Oeynhausen. Und manche Fenster ließen sich überhaupt nicht mehr öffnen, so der Schulleiter, der die letzten Tage der Schulferien im ständigen Austausch mit seinen Kollegen stand, um für das neue Schuljahr gerüstet zu sein. „Auch wir wissen natürlich nicht genau, was uns erwartet“, so Oeynhausen, aber eines könne er für alle hier sagen: „Wir freuen uns auf unsere Schüler“.

An dem Prozedere – Maskenpflicht im Gebäude, Einbahnregelung, Händewaschen vor dem Unterricht – ändere sich im Vergleich zu der Zeit vor den Ferien nichts. „Die Klassensäle sind frühzeitig geöffnet, die Schüler kommen in den Saal, waschen sich die Hände und gehen an den Platz, wo sie ihre Masken abnehmen dürfen“, so der Plan.

Die Präsenzpflicht gelte für alle Kinder. „Lediglich die Kinder, die einer Risikogruppe angehören und ein ärztliches Attest haben, sollen weiterhin daheim beschult werden“, so Oeynhausen. Aber das sei eine sehr überschaubare Gruppe, die soweit möglich per Videochat am Unterricht teilnehmen soll.

Auch ein Konzept für Onlineunterricht

Doch es gebe auch einen Plan B, wenn die Zahlen wieder steigen sollten. „Das sieht dann zum Beispiel umfangreiche Wochenarbeitspläne für alle vor, die einen in der Schule bearbeiten und andere zu Hause“, so der Schulleiter. „Und wir haben auch ein Konzept für einen vollständigen Onlineunterricht, falls es zu einem neuen Lockdown kommen sollte“, so Oeynhausen.

Eine Schwierigkeit sieht er noch in der digitalen Infrastruktur. „Es ist schon lange bekannt, dass die Glasfaseranbindung ans Netz fehlt“, die maximale Bandbreite daher beschränkt sei. Auch seien im Haus nicht alle Säle erschlossen und bei hoher Belastung werde es schwierig mit der Verbindung.

Dass Oeynhausen trotz aller Herausforderungen optimistisch ist, dass seine Schüler und Kollegen stemmen werden, was ab Montag auf sie zukommt, das liegt an den Erfahrungen der zurückliegenden Wochen und Monate. „Wir sind da wirklich stolz auf unsere Lehrkräfte, Reinigungskräfte, und vor allem natürlich auf unsere Schüler“, sagt der Schulleiter.

In Vollbesetzung an den Start

Das Lehrerkollegium werde aller Voraussicht nach in Vollbesetzung an den Start gehen – wohl wissend, dass auch in der kommenden Monaten wohl eine 40-Stunden-Woche wieder die Ausnahme sein werde. „Das ist überhaupt nicht machbar“, so Oeynhausen im Wissen, dass die Wahrnehmung in der Bevölkerung oft eine andere sei. Man müsse auch bedenken, dass sich – nicht nur – in diesem Zeiten immer wieder auch Fragen stellen, die nicht unmittelbar mit dem Lernstoff zu tun hätten, sondern beispielsweise die familiäre Situation von Schülern beträfen. „Auch darum kümmern sich die Lehrer hier“, so Oeynhausen.

Dass Schule auch diese soziale Funktion weit über das Lernen hinaus habe, das werde heute nach dem Lockdown viel stärker gesehen. Auch bei den Kindern selbst hätte sich die Wertschätzung der Schule enorm verändert. „Sie waren froh, als es endlich wieder los ging“. Man habe das Miteinander in den Zeiten der Isolation schätzen gelernt hat. „Wir hoffen, dass das anhält.“

Die erste Schulwoche an der Realschule plus wird vollständig im Zeichen der neuen Normalität stehen. Drei Tage lang nehmen sich die Lehrer Zeit, die Kinder fit zu machen in der Nutzung der mobilen Geräte. Wie fotografiere ich meine Arbeitsergebnisse, woher kriege ich meine Aufgaben, wie kann ich am Videounterricht teilnehmen? Das alles soll sitzen, wenn der Fall der Fälle doch noch einmal eintritt. „Wir haben jetzt die Zeit, um uns für den Eventualfall vorzubereiten, und wir werden sie auf jeden Fall auch gut nutzen“, so Oeynhausen.

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