Donnersbergkreis „Neu, anders, hip, cool“
„We are open“, wir sind offen – das war das Motto der „Nacht der offenen Kirchen“ in Winnweiler. In dieser Nacht waren die Türen der christlichen Gotteshäuser geöffnet. Bei der ökumenischen Veranstaltung konnten protestantische und katholische Jugendliche gemeinsam die Kirche und den Glauben von einer ganz neuen Seite kennenlernen.
Neu, anders, hip, cool – mit diesen Worten wurde die „Nacht der offenen Kirchen“ besonders häufig beschrieben. Und genau dieses Ergebnis wollten die Veranstalter auch erzielen: Kirche mal anders, mal von einer neuen Seite kennenlernen und etwas über „die Anderen“, wie die protestantischen und die katholischen Jugendlichen sich gegenseitig betitelten, zu erfahren. Eine richtige Trennung der Konfessionen konnte und sollte am Freitagabend aber auch nicht gemacht werden. Im Gegenteil, es wurde bewusst gemischt. Die „Junge Kirche Winnweiler“, bestehend aus Katholiken, hatte ihre Station des Abends in der evangelischen Kirche. Gemeinsam konnten dort Kerzen gestaltet werden. Während Fische und Regenbogen aus den Wachsplatten ausgeschnitten wurden, kamen die Jugendlichen ins Gespräch. Aber auch für die Jugendlichen, die mit Kirche nicht viel am Hut haben, wurde viel geboten. Man zeigte ihnen: Kirche kann auch „cool“ sein, und der Glaube lässt sich gut mit in den Alltag nehmen. Eine dieser Aktionen war zum Beispiel die Selfie-Station. Bunte Hüte, Perücken, große Brillen, Krawatten und Schnurrbärte, die man sich vors Gesicht halten konnte, lagen auf den Kirchenbänken. Zögerlich näherte sich eine Mädchengruppe der Station. Erst schüchtern, dann mit lautem Gekicher wurden die verschiedenen Utensilien anprobiert. „Oh Gott, ich seh ja schrecklich aus“, kam es immer wieder zwischen dem Gekicher hervor. Und dann, als alle soweit „eingekleidet“ waren, wurde sich hinter einen Bilderrahmen gestellt und für ein Foto posiert. Das wurde dann direkt vor Ort ausgedruckt und konnte mitgenommen werden. In der katholischen Kirche nebenan ging es etwas ruhiger zu. Im „Raum der Stille“ konnte man sich dem Trubel komplett entziehen. Aber es gab auch Möglichkeiten, sich kreativ aus-zuleben. Ein riesengroßes Mandala, gedruckt auf Folie, war schräg vor dem Altar aufgebaut. Bunter Sand lud zum Gestalten des Bildes ein. Vorsicht war gefragt: Da der Sand nur auf die Folie gestreut wurde, konnte schnell etwas verwischen. Konzentrierte Blicke von Groß und Klein waren zu beobachten. Eine weitere Station zeigte, wie aktuell Kirche sein kann: Die Flüchtlingskrise wurde thematisiert. Ein kleiner Koffer sollte den Jugendlichen zeigen, wie wenig man auf die Flucht mitnehmen kann und wie viele Gegenstände und vor allem auch liebe Menschen man zurücklassen muss. Wer wollte, konnte auf einem Papierboot seine Wünsche für die Flüchtlingskinder dieser Welt aufschreiben. Jugendreferent Joachim Bäcker griff etwas auf, was ständig ein Thema ist: Glück. Er übertrug Glück auf die Bergpredigt und zeigte, dass der Glaube auch eine Möglichkeit ist, Glück zu empfinden. Laut Studien machen drei große Gs, die für Geld, Gesundheit und Geselligkeit stehen, das Glück der Menschen aus. Mit der Übertragung der Bergpredigt zeigte er, dass das G von Glaube eine vierte Säule des Glücks sein kann. Mit Einsetzen der Dämmerung bekam die Nacht der Kirchen dann nochmal eine Steigerung: Bunte Beleuchtungen setzten ein und mit ihnen auch ein geheimnisvolles Kribbeln bei den Jugendlichen. Immerhin war es für viele das erste Mal, allein mit Freunden bis zur Dunkelheit unterwegs zu sein. Und das ist eben nun mal richtig „cool“.