Donnersbergkreis „Naturschutz hat immer mit Kompromissen zu tun“

Ist als Ruheständler nun häufiger auf seinem Motorrad anzutreffen: Walter Gehm.
Ist als Ruheständler nun häufiger auf seinem Motorrad anzutreffen: Walter Gehm.

„Naturschutz hat immer mit Kompromissen zu tun, und es wird da auch immer Probleme geben“, ist Walter Gehm überzeugt und zieht damit auch Bilanz seiner langen Berufsjahre als Landespfleger in der Kreisverwaltung. Der Mensch steht unweigerlich in Wechselwirkung mit der Natur, da geht es darum, die so schonend wie möglich zu gestalten. 38 Jahre lang war Gehm, der seit 1991 in Dannenfels lebt, Landespfleger und damit ein Pionier im Kreishaus. Nun ist er im Ruhestand – hat sozusagen das Biotop gewechselt.

Der Weg zum Naturschutz ist Walter Gehm in die Wiege gelegt, die „glückliche Kindheit auf dem Bauernhof“, von der er erzählt, hatte ihre Eigenheit in der Naturnähe. Aufgewachsen ist Gehm auf der Galappmühle bei Kaiserslautern, als Mühle noch versehen mit einem Bachlauf durchs Haus. Fische, Flußkrebse, Libellen, „all das konnte man betrachten und entdecken. Das gabs alles live vor der Haustür“. Bis eines Tages die Straße neu gebaut und über den Mühlbach geführt wurde. Da die Familie sich die geforderte finanzielle Beteiligung an einer Brücke nicht leisten konnte, wurde der Mühlgraben einfach für die neue Straße zugeschüttet. „Warum das?“ fragt sich Gehm noch heute, es hätte Alternativen gegeben. „Da muss man was machen“, so seine erste frühe Orientierung auf einem Weg, der ihn zum Studium der Landespflege an der Hochschule Weihenstephan bei München führen sollte. Nach dem Studium habe er mit zwei Kollegen ein Planungsbüro gründen wollen, sei dann aber doch zu der Überzeugung gelangt, man müsse erstmal Erfahrungen sammeln. So bewarb er sich beim Umwelt-Landesamt und kam bei der Bezirksregierung in Neustadt in den Vorbereitungsdienst. Da gab es reichlich Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln – bei nahezu allen Behörden und Verbänden, die Berührungspunkte mit dem Naturschutz aufwiesen, wurde er herumgereicht, von der Landwirtschaftskammer über Wasserwirtschaftsamt und Forstamt bis zum Straßenbauamt und anderen mehr. „Da habe ich viele Leute kennengelernt, mit denen ich später immer zu tun hatte. Das war eine tolle Sache.“ Im Vorbereitungsdienst war er bereits abgeordnet zur Kreisverwaltung Donnersbergkreis, wo er noch zu Zeiten von Landrat Karl Ritter anfing – Gehm hat damit also unter vier Landräten im Kreishaus gewirkt. „Der behördliche Naturschutz war noch in den Kinderschuhen“, erinnert sich Gehm. Zunächst habe es lediglich ehrenamtliche Naturschutzberater gegeben, bevor Naturschutzbehörden eingerichtet wurde, besetzt mit einer Verwaltungs- und einer Fachkraft. Die Fachkraft sei damals, als er ins Kreishaus kam, ein Obst- und Weinbauberater gewesen, der sich inhaltlich völlig auf die Mülldeponie Eisenberg konzentriert habe, die damals errichtet wurde. Etwa vier Monate hat Gehm noch in seiner Vorbereitungszeit mit ihm zusammengearbeitet, danach war er „Einzelkämpfer“ als Landespfleger. Erst in den 90er Jahren kam ein Kollege hinzu – die Konstellation, die noch heute besteht, nun mit Dieter Hünner und Gehms Nachfolgerin Christine Zerbst als den Landespflegern im Referat. Einer Partei habe er nie angehört und sich seine politische Neutralität stets bewahrt. Auch mit den Grünen, mit denen es „naturgemäß“ Schnittmengen geben dürfte, stimme er nicht in allem überein. Als den besten Umweltminister seiner Dienstzeit nennt Gehm auch einen Christdemokraten, nämlich Klaus Töpfer. „Er hat für den Naturschutz im Land wohl am meisten bewirkt“, meint er und rechnet ihm hoch an, dass er die Naturschutzgesetzgebung in Land und Bund deutlich vorangebracht habe. Viel ging in diesen 38 Jahren über Gehms Schreibtisch. Fragt man ihn nach den gewichtigsten Projekten in dieser Zeit, fällt ihm als erstes der Bau der A 63 ein. Aus Sicht der Landespflege ein problematisches Projekt. Die Straße war in einer wirtschaftlichen Aufbruchphase mit noch geringen Umweltstandards geplant worden, die Umsetzung aber dauerte und fiel dann in eine Zeit, als Planung und Planfeststellung schon zehn, 15 Jahre zurücklagen und neu hätten bewertet werden müssen. „Mit einer neuen Planung hätte man viel mehr machen können“, meint Gehm rückblickend. So musste man versuchen, die Dinge einigermaßen „hinzubiegen“. Ein Problem sei etwa die Deponierung des Erdaushubs gewesen. Dafür habe man sich damals unter anderem den Steinbühl ausgeguckt - heute ein Naturschutzgebiet. Es habe vieler Überzeugungsarbeit bedurft, um da andere Strategien umsetzen zu können. Der für den Steinbühl gedachte Aushub liege nun zwischen Ziegelhütte und Bolanderhof unter dem Acker – was man damals den Landwirten schwer habe vermitteln können – und falle dort niemandem mehr auf. Ein Beispiel von sicher vielen. Manches andere fällt ihm ein, was verhindert werden konnte – etwa ein Hotel, das oben auf dem Donnersbergplateau gebaut werden sollte. „Der Donnersberg weckt manche Begehrlichkeiten“, sagt Gehm dazu und hofft, dass der Bergrücken, sicher der windbegünstigste Bereich im Landkreis, auch in Zukunft etwa von Windrädern verschont bleibt. Ohnehin sei er mit manchem Windkraftstandort im Kreis nicht einverstanden, sieht ihn grundsätzlich von Wind nicht ausreichend begünstigt. „Natur ist Dynamik“, sagt Gehm, man müsse auch dynamisch mit ihr umgehen. Damit wendet er sich gegen ältere, konservative Ansätze, Schutzgebieten sozusagen eine Käseglocke überzustülpen. Auch in solchen Gebieten müsse man tätig werden, und der Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft mache seinerseits ausgewogene Maßnahmen erforderlich. Diese Aufgaben liegen nun hinter Gehm, der seinen Beruf mit Freude gemacht hat, aber auch nicht undankbar dafür ist, viele Streitigkeiten, vielen Ärger und Kleinkram hinter sich zu wissen. „Für Naturschutz ist jeder, nur nicht vor der eigenen Haustür.“ Nun im Ruhestand angelangt, stehen ihm die Horizonte offen, größere Reisen hat er vor, vor allem nach Afrika zieht es ihn mächtig. Auch auf seiner 650er BMW wird man ihm, noch gar nicht lange Inhaber eines Motorradführerscheins, häufiger begegnen. Allerdings muss er bei seinen Hobbys auch umdisponieren. Nach einem unglücklichen Sturz ist ihm das Klettern und Bergsteigen nicht mehr möglich, das Wandern gehe noch, hier ist Gehm beim örtlichen Pfälzerwaldverein aktiv.

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