Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Sitzungsmarathon: Zukunft des Schlosshotels weiter unklar

Das Schlosshotel in Rockenhausen steht seit mehr als einem Jahr leer. Ein Jugendherbergen-Betreiber würde es gerne übernehmen.
Das Schlosshotel in Rockenhausen steht seit mehr als einem Jahr leer. Ein Jugendherbergen-Betreiber würde es gerne übernehmen.

Die neue Jugendherberge soll 112 Betten in 28 Zimmern anbieten. Die Stadt Rockenhausen ist bereit, ihr Wahrzeichen abzutreten – der VG-Rat trifft aber noch keine Entscheidung.

Das Wort „Glücksfall“ war regelmäßig zu hören, auch von einer „Win-Win-Situation“ war wiederholt die Rede. Es wurde zudem deutlich, dass es schwer ist, überhaupt negative Auswirkungen einer möglichen Jugendherberge in Rockenhausen zu finden. Wenn da das liebe Geld nicht wäre. Am Donnerstagabend tagten der Stadtrat und der VG-Rat Nordpfälzer Land in einer gemeinsamen Sitzung. Zu Gast waren Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender der „Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland“ und Architekt Matthias Dimmer, die ihre Pläne für Rockenhausen vorstellten. Der Stadtrat entschied zudem in nicht-öffentlicher Sitzung, sein Wahrzeichen an die VG verkaufen zu wollen. Der Ball liegt nun also beim VG-Rat, der nach sehr langer, ebenfalls nicht-öffentlicher Diskussion eine Entscheidung vertagte.

Stadtrat stimmt Verkauf des Schlosses zu

Nach mehr als vier Stunden verließen die Ratsmitglieder am späten Abend den Sitzungssaal. Dem Vernehmen nach waren die Bedenken aufgrund der finanziellen Belastung für die VG zu groß, um bereits eine Entscheidung zu fällen. Die Ortsbürgermeister der 36 Gemeinden im Nordpfälzer Land sollen nun befragt werden. Schließlich würden die Kosten für eine Erhöhung der VG-Umlage von aktuell 40,25 auf dann 40,59 Prozent sorgen und damit jede einzelne Kommune belasten – insgesamt 77.849 Euro. Den größten Brocken müsste die Stadt Rockenhausen mit 25.637 Euro tragen, bei den kleineren Gemeinden bleibt der Betrag im dreistelligen Bereich. Auch das sorgt in Zeiten klammer Kassen mancherorts bereits für Probleme im Haushalt.

Diese Hürde muss allerdings genommen werden, wenn die Jugendherberge in den Räumlichkeiten des Schlosshotels Realität werden soll. Der Stadtrat hat dafür bereits grünes Licht gegeben. In einer ebenfalls nicht-öffentlichen Sitzung am gleichen Abend stimmte er dafür, der VG das Wahrzeichen zum Verkauf anzubieten. Zu welchem Preis ist nicht bekannt, es soll sich aber um einen mittleren sechsstelligen Betrag handeln. Die Entscheidung des Stadtrates ist zudem wohl keineswegs einstimmig ausgefallen.

Betreiber geht von 18.000 Übernachtungen aus

Schon im öffentlichen Teil der Sitzungen wurde deutlich, dass ein Großteil der Ratsmitglieder der Idee einer Jugendherberge grundsätzlich positiv gegenübersteht. Zumal Jacob Geditz sich und die geplante Jugendherberge vorstellte und auch versuchte, alle Fragen zu beantworten. Im Schlosshotel will Geditz keine ausufernden Umbauten vornehmen. Wiederholt sprach er von einem „Facelifting“ der einzelnen Zimmer und der Sanitäranlagen. Die Grundstruktur der Räume solle erhalten bleiben. Insgesamt käme man auf 112 Betten in 28 Zimmern, sowie auf sechs Tagungs- und Aufenthaltsräume, die für „Bildungsangebote und ähnliche Dinge benötigt werden“, wie Geditz erläuterte. Er geht von 18.000 Übernachtungen pro Jahr für Rockenhausen aus. Für die Renovierung der Zimmer, die dringend nötige Erneuerung der Trinkwasserleitung und eine Heizung geht Geditz von etwa zwei Millionen Euro an Investitionskosten aus. Ein großer Teil davon fließt auch in einen neuen Anbau im Innenhof des Schlosshotels, wo künftig ein Bistro für die Gäste entstehen soll. Die Räume der bisherigen Gastronomie sollen dann als Tagungsräume dienen.

Geditz versuchte bewusst, die Vorteile zu präsentieren, die seine Jugendherbergen bereits andernorts gebracht hätten. 40 Herbergen betreibt er aktuell in den beiden Bundesländern, teilweise in ähnlich ländlichen Regionen. Einer Studie zu Folge, so Geditz, würde jeder Gast etwa 45 Euro pro Übernachtung auch außerhalb der Herberge ausgeben und so die lokalen Unternehmen voranbringen. Besonders die regionale Gastronomie, der Einzelhandel und Freizeitangebote würden profitieren. Zudem versicherte er, langfristig etwas in Rockenhausen umsetzen zu wollen. „Wir fangen nicht irgendetwas an und schmeißen dann hin“, so Geditz. Es steht im Raum, dass sich der Betreiber vertraglich verpflichten würde, die Herberge in Rockenhausen für mindestens 25 Jahre zu betreiben.

Keine Fördermittel von Land und Kreis

Auch Stadtbürgermeister Michael Vettermann (FDP), der gar keinen Hehl daraus macht, wie sehr er sich diese Lösung für Rockenhausen wünschen würde, versuchte nochmals zu verdeutlichen, welche Auswirkungen die Herberge auf die Region haben könnte. Vettermann las eine lange Liste von möglichen Ausflugszielen bis hin zum Barfußpfad in Bad Sobernheim oder der Altstadt von Meisenheim vor. Aber auch der Donnersbergkreis selbst locke mit Ausflügen, Wanderwegen und künftig womöglich mit einem noch besseren Radwegenetz. Verbandsbürgermeister Michael Cullmann (SPD) sprach von einer „Perspektive für die ganze Region“. Eine Jugendherberge in Rockenhausen könne „Bildungsort und Begegnungsort“ sein. Auch Landrat Rainer Guth war über die komplette Dauer der Sitzungen mit anwesend und verdeutlichte, dass der Kreis ein großes Interesse an der Verwirklichung hätte. Eine finanzielle Unterstützung könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zusagen. Auch Landesmittel stehen nicht zur Verfügung, wie Cullmann und Vettermann betonten.

Aus dem Rat gab es bereits im öffentlichen Teil zahlreiche Nachfragen. Jochen Grimm (CDU) fragte nach der Auslastung, und ob die Herberge denn dauerhaft besetzt sein würde. Geditz versicherte, dass „man eigentlich nie ohne Gäste ist“ und die Jugendherberge lediglich an den beiden Weihnachtsfeiertagen geschlossen bleibt. Die Zimmerauslastung liege bei 70 Prozent. Winfried Hammerle (Freie Liste Nordpfalz) brachte die geschlossene Herberge in Steinbach zur Sprache. „Dort hatten wir keine vertragliche Verpflichtung“, so Geditz. Außerdem hätten die Auswirkungen der Corona-Pandemie damals zur Schließung geführt. Auf Rockenhausen wolle man sich aber bewusst einlassen und glaubt an den Standort. Nun brauche es nur noch das Vertrauen des Verbandsgemeinderates.

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