Eisenberg
Nach Hangrutsch: Wie problematisch ist eigentlich der Bau auf Klebsand?
Eisenberg und der Klebsand – das ist ja eigentlich eine Liebesgeschichte. Denn der vor rund 30 Millionen Jahren entstandene Klebsand ist ein begehrter Rohstoff – und damit ein echter Wirtschaftsfaktor. Rund 40.000 Tonnen bauen die Eisenberger Klebsandwerke (EKW) jedes Jahr von diesem speziellen Sand ab, der sich durch Temperaturbeständigkeit, eine ideale Bindefähigkeit und auch durch eine hohe mechanische Festigkeit auszeichnet. Früher waren es sogar 200.000 Tonnen. Als feuerfester Werkstoff ist er etwa für die Gießereiindustrie, Hütten- oder auch Stahlwerke interessant. Es ist ein Millionengeschäft.
Nun ist es aber so, dass nicht nur die Abbauwände der Sandgruben das Eisenberg Stadtbild prägen, sondern dass der Klebsand natürlich sozusagen fast überall ist. Eben auch im Boden, auf dem man baut. Ist das eigentlich problematisch?
Lothar Görg ist in seiner Zeit als Leiter des Eisenberger Bauamts nicht zu dem Schluss gekommen, dass das Bauen in Eisenberg durch die Klebsandvorkommen herausfordernder ist als anderswo. „In den 25 Jahren, in denen ich nun hier arbeite, hatten wir nur einen Fall, bei dem mal nach einem Regenfall eine Baugrube zugerutscht ist. In Kerzenheim war das, 1996/97 muss das gewesen sein, im damaligen Neubaugebiet Am Brübel“, so Görg. Niemand sei dabei verletzt worden. „Ansonsten haben wir mit dem Klebsand aber bisher keine Probleme gehabt, weder was die Statik der Gebäude angeht, noch was den Straßenbau angeht.“
„Wie ein Gleitmittel“
Natürlich sei es theoretisch so, dass der Klebsand zwischen zwei Tonschichten beispielsweise wie eine Art Gleitmittel wirken kann. „Wenn Klebsand trocken ist, dann ist er hart wie Beton. Wenn er aber nass wird, schmiert er weg, ist dann wie Schmierseife“, so Görg, der die Erfahrung selbst gemacht hat, als er sich mal eine Natursteinmauer auf seinem Grundstück gebaut hatte, die auch Anteile aus Klebsand enthielt. „Als es dann geregnet hatte, hatte ich plötzlich Löcher in der Mauer“, erinnert er sich.
Muss man sich also wegen der möglicherweise immer häufiger vorkommenden Starkregenereignisse in Eisenberg Gedanken machen? „Das muss man prinzipiell, aber nicht wegen des Untergrunds, nicht wegen des Klebsands. Man muss einfach generell schauen, wie man Starkregenereignisse in Zukunft gemanaged bekommt“, so Görg. An dem Thema sei man dran, es werde ja an einem Hochwasserschutzkonzept gearbeitet.
Das war am Samstag passiert
Am Samstagabend hatte starker Regen dafür gesorgt, dass in der Eisenberger Hauptstraße ein Hang abrutschte. Wie am Montag berichtet waren rund 60 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk vor Ort und versuchten, das unten stehende Haus zu sichern. Das Gebäude sei vor rund einem Jahr schon einmal von dem herabrutschenden Hang verschüttet worden. Damals halfen Nachbarn und Freunde, den Hang zu sichern; es sei darum gegangen, den Druck von den Mauern zu nehmen. „Die Stützmauern haben sich gedreht wie Torflügel“, erinnerte sich der Vermieter im RHEINPFALZ-Gespräch. Nach dem erneuten Hangrutsch wurde das Haus vom Kreisfeuerwehrinspektor als unbewohnbar eingestuft. Die beiden Bewohner wurden noch in der Nacht in einer anderen Unterkunft untergebracht.
Klargestellt