Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Baustopp und Turbulenzen: Sechs seniorengerechte Wohnungen fertig gestellt

Über 50 bis 90 Quadratmeter Wohnfläche verfügen die in der Kreuznacher Straße entstandenen barrierefreien Wohnungen. Zwar stehen
Über 50 bis 90 Quadratmeter Wohnfläche verfügen die in der Kreuznacher Straße entstandenen barrierefreien Wohnungen. Zwar stehen diese nur zum Verkauf, könnten dann aber vom Eigentümer auch vermietet werden.

2015 startete in der Kreuznacher Straße der Bau von sechs seniorengerechten Wohnungen. Doch bald darauf geriet das Projekt wegen Verstoßes gegen die Denkmalpflege vorübergehend ins Stocken. Streitpunkt: ein Scheunen-Abriss. Im Vorjahr kam’s zur Einigung. Jetzt ist der Komplex fertig – jedenfalls fast.

Der Fall hatte in Rockenhausen ziemlich hohe Wellen geschlagen. Nur wenige Monate, nachdem Ende 2015 die Arbeiten zur Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Gelände des ehemaligen Anwesens Glaß begonnen hatten, prangte an der Baustelle in der Kreuznacher Straße ein roter Zettel – dieser war mit den Worten „Illegale Bauausführung“ überschrieben. Die Kreisverwaltung hatte die Maßnahme vorerst eingestellt. Begründung: Bauherr Martin Putsch – bis zum Verkauf an den US-Konzern Johnson Controls Ende 2010 Gesellschafter des Autozulieferers Keiper – habe gegen „denkmalpflegerische Belange verstoßen“. Konkret ging es um eine auf der Rückseite des Anwesens stehende alte Scheune, die laut der Behörde ohne Genehmigung größtenteils abgerissen worden sei.

Das hatte damals Andreas Dürnberger, Inhaber des mit dem Projekt betrauten Architekturbüros Gläser, gegenüber der RHEINPFALZ dann auch gar nicht bestritten: Der Abbruch sei eine „Ad-hoc-Entscheidung aus Gründen der Verkehrssicherheit“ gewesen: Das mit Abrissarbeiten auf dem 650 Quadratmeter großen Areal beauftragte Unternehmen habe darüber informiert, dass die Scheune – nicht Bestandteil des Bauantrags – einsturzgefährdet sei. Daraufhin habe der Träger des Projekts eine sofortige Demontage des Bauwerks für notwendig gehalten, so Dürnberger; stehen geblieben sind lediglich die Außenmauern der Scheune.

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Dass dies ohne Zustimmung der Kreisverwaltung geschehen ist, sei nicht richtig gewesen, räumte Dürnberger damals ein. Zwar stand das Anwesen selbst nicht unter Denkmalschutz, das Grundstück liegt aber in der die Altstadt umfassende Denkmalzone. Nicht einverstanden zeigte sich der Architekt allerdings damit, dass auf Intervention des Mainzer Landesamts für Denkmalpflege das gesamte Projekt vorübergehend auf Eis gelegt worden war. Dieses hatte ferner gefordert, die Scheune „denkmalgerecht“ wieder aufzubauen.

Auch mit Hilfe von Anwälten habe man erreichen können, dass noch 2016 „der komplette Baustopp aufgeweicht und der Neubau – weil dieser als separates Vorhaben gewertet wurde – weiter betrieben werden konnte“, so Dürnberger. Abgelehnt wurde allerdings der Antrag, aus dem ehemaligen Scheunen-Part Pkw-Stellplätze zu machen. Erst im vergangenen Herbst sei dann Einigung mit der Denkmalpflege erzielt worden.

Sechs barrierefreie Wohnungen

Der „Deal“: Unter Einbeziehung der alten Scheunen-Mauern wird auf diesem Teil des Geländes eine zusätzliche Wohneinheit in Loft-Stil errichtet. Ein Loft (Englisch für Dachboden beziehungsweise Speicher) bezeichnet einen zur Wohnung umfunktionierten Lager- oder Industrieraum. Der Planer verspricht eine moderne Holzkonstruktion auf vier Meter hohen Stützen mit 75 Quadratmetern Wohnfläche und Blick auf den Rognacplatz. „Die restliche Fläche zwischen Haus und hinterer Scheunenwand bleibt ein offener, begrünter Innenhof“, erläutert Dürnberger. Die Baugenehmigung hat die Kreisverwaltung im vergangenen November erteilt – Ziel sei nun, die Arbeiten im zweiten Quartal zu starten und im dritten Quartal abzuschließen.

Mittlerweile fertig gestellt sind dagegen die Räume im eigentlichen Gebäude. „Aktuell beginnt die Vermarktung. Das ist nicht möglich gewesen, so lange für die Fläche der früheren Scheune keine Lösung gefunden war“, betont Dürnberger. Schließlich könne man niemandem eine Wohnung verkaufen, „wenn nicht klar ist, was mal dahinter kommt“. Jetzt warten sechs barrierefreie Wohnungen – je drei in den beiden oberen Stockwerken – auf ihre Abnehmer. Die Größe variiert zwischen 50 und 90 Quadratmeter.

Wohnungen werden verkauft

Zur seniorengerechten Ausstattung gehören ein Aufzug, geräumige Badezimmer und Schiebetüren, jede Einheit verfügt zudem über eine Loggia (Freisitz). Bislang habe es für die Gestaltung nur Lob gegeben, so der Architekt: „Ich werde in der Stadt oft auf das Projekt angesprochen, das Interesse ist in jedem Fall da.“ Sei es nun für den Eigenbedarf, sei es als potenzielle Geldanlage. Denn vorgesehen ist keine Vermietung, sondern ein Verkauf der Wohnungen; der Preis beginne bei 2700 Euro pro Quadratmeter, teilt Dürnberger mit, der ein „exklusives Wohngefühl“ ankündigt.

Im Erdgeschoss ist eine rund 220 Quadratmeter große Gewerbeeinheit entstanden, für die es ebenfalls bereits mehrere Anfragen gegeben habe. Ein besonderes „Schmankerl“: Zwischen den Geschäftsräumen und dem Treppenaufgang zu den Wohnungen führt eine öffentlich zugängliche Passage von der Kreuznacher Straße durch das Gebäude und den Innenhof zum Rognacplatz.

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