Donnersbergkreis „Mit den Leuten vernünftig reden“
«Bisterschied.» Als Urgestein des pfälzischen Radsports hat Günter Meinert Verband und Bezirk geprägt. Seit über 25 Jahren bekleidet er verschiedene Ämter, sorgte für die Umstellung auf PC, schlichtete in einer ausgeprägten Streitkultur. Mit uns blickt der Bisterschieder Radler aus der Vorderpfalz zurück.
Irgendwie war alles Zufall. Falsche Zeit, falscher Ort. So viel weiß der munter-rüstige Herr mit den grauen Haaren noch. Inmitten eines Chaos von PC-Bildschirmen schiebt er sich auf einem Drehstuhl hin und her, die Schaffhosen sind verspritzt mit Farbe, eigentlich war er gerade dran, die Wohnung zu streichen. Jetzt wühlt er im Gedächtnis. Nach dem einen Tag im Jahr 1992, dem Abend, an dem es jenen „Huddel“ gab, der ihn unvorbereitet in eine über 25-jährige Funktionärslaufbahn im Radsport rutschen ließ. Ohne Pausen, ohne Ruhe. „Das gab schönen Ärger damals“, schaut Günter Meinert zurück. Der Pfälzische Radfahrerbund (PRB) teilt sich in vier Bezirke. Einer davon, die Nordpfalz, stand Anfang der 90er Kopf. Budget sei verschlampt, Geld verlegt worden, das die Vereine hätte fördern sollen. Verzweifelt habe man einen Ersatz für die entmachtete Spitze gesucht. Und gefunden. „Ich hab’ dann gesagt, ich mach’s“, sagt Meinert heute, nicht ohne grinsend abzuwinken. Ab da war’s geschehen um ihn. Bis heute ist er Vorsitzender des Bezirks, ohne Unterbrechung. Die Nordpfalz lenkt er fast drei Jahrzehnte. Eigentlich ist der Radsportenthusiast ja Vorderpfälzer. Ein Maxdorfer, von drüben, aus der Rheinebene. Erst pfiff er 22 Mann auf dem Rasen mit der Trillerpfeife, dann, als die Knochen schwer und das Rennen zur Tortur wurde, wechselte er auf den Drahtesel. Irgendwann die ersten Verbandssitzungen, das Eine ergab das Andere. „Nach dieser Sache wollte ich Ruhe in den Bezirk bringen“, erzählt der Wahl-Bisterschieder von einer Zeit, in der sich Vereine den Miesepeter zuschusterten, sich in den Haaren lagen. Kunstradfahrer des einen Klubs fuhren auf einmal bei der Konkurrenz, Trainer hätten gemeutert, Vereine krepierten, Vorstand gegen Abteilungen, Abteilungen gegen Vorstand, und die Pfalz-Bosse hielten sich gediegen fern von den Querelen. Über Namen und so weiter, sagt Meinert, müsse man heute nicht mehr reden. Nur so viel: Für ihn war dieser Zustand Startbedingung. „Da gab es vernichtende Szenarien, man ist fast aufeinander losgegangen“, meint er. Eine seiner ersten Amtshandlungen deshalb: Innerhalb des Bezirks durfte kein Sportler künftig ohne Erlaubnis des Vereins wechseln. Man musste sich absprechen. Wer heute für Kerzenheim in die Pedalen trat, konnte das morgen nicht einfach so für Rüssingen tun. Fertig, Ende. Nach 25 Jahren sind die Zankäpfel fast ausgemerzt. „Eigentlich ist der Posten kein großartiger Job. Man muss Verständnis mitbringen und schauen, dass es ordentlich läuft“, sagt Meinert so dahin, als wäre es nichts. Hat er offenbar geschafft. In seinem Büro im zweiten Stock plaudert der 69-Jährige aus dem Leben. Wie er 1981 in die nördlichste Pfalz nach Bisterschied kam, dass der Fliesenlegermeister seinen Ehering einzig am Hochzeitstag trug, dass er im pfälzischen Radsport den PC salonfähig machte. Ohnehin, Digitales sei sein Steckenpferd. Deshalb auch die Menge an Screens, die sich bis zur Decke stapelt. Der PRB, so Meinert, sei in Deutschland Vorreiter gewesen, wenn es um die elektronische Erfassung von Wertungen, Lizenzen, Verwaltung ging. Als Sachbearbeiter haute er in die Tasten. Bis heute. Computer hätten ihn „immer fasziniert.“ Erstes Gerät: ein Commodore VC-20, ganze fünf Kilobyte Arbeitsspeicher. Irgendwann war das zu dürftig, für wuchtige 2600 D-Mark holte man was Gescheites, was Professionelles für die sture Arbeit. Meinert ist unter den pfälzischen Funktionären ein Urgestein, eine Triebfeder. Übrigens durchquert er mit einem seiner sechs Räder noch immer fast jeden Sonntag die Pfalz – wenn wieder irgendwo eine Radtourenfahrt (RTF) über 70, 80 Kilometer die Hobbysportler lockt. „Ich brauche das“, schwärmt er. „Wenn ich das eine Zeit lang nicht hab’, werde ich ganz hippelig. Das sind Entzugserscheinungen.“ 650 Kilometer an der Loire entlang, ein paar Mal um den Bodensee. Fit ist er, mit den Knien, dem Rücken oder den Gelenken hat der Handwerker noch nie gekämpft. Für seine ehrenamtlichen Dienste in Land, Region und Bezirk wurde er jüngst mit der goldenen Ehrennadel des PRB gekürt. Man müsse mit den Leuten „immer vernünftig reden“, war in über 25 Jahren sein Credo, ein Blatt sollte man dabei nicht vor den Mund nehmen. Das hat Günter Meinert, der 1992 in einem Gezanke zufällig über einen Funktionärsposten stolperte, sowieso nie getan.