ZELLERTAL RHEINPFALZ Plus Artikel Mit dem Fahrrad durch den Kreis (3): Landschaftliche Reize als Lohn

Blick zum Donnersberg. Im Mittelgrund ganz links die ersten Häuser von Immesheim.
Blick zum Donnersberg. Im Mittelgrund ganz links die ersten Häuser von Immesheim.

Das Zellertal hat landschaftlich viel zu bieten, auch Mountain-Bikern, die sich im Winter nicht scheuen, auf Tour zu gehen. Und wer mit dem Fahrrad unterwegs ist und sich Zeit nimmt, hat umso höheren Genuss an den spektakulären Blicken. Unsere heutige Radtour erschließ das Tal von seiner südlichen wie nördlichen Seite.

Um mit dieser Tour das Zellertal links und rechts der Pfrimm zu erkunden, benötigt man kein Mountain-Bike. Zumeist ist man auf geteerten Radwegen oder Straßen unterwegs, da reicht ein Trekking-Rad vollkommen. Da aber einige Steigungen zu knacken sind – darunter eine recht anspruchsvolle hoch nach Mölsheim – wäre ein E-Bike schon eine Erleichterung.

Unser Startpunkt liegt in Bolanden am Rathaus. Über den idyllischen Gängelstockweg und den Weierhof gelangt der Radler nach Marnheim. Über die Donnersberger Straße rollt es flott bergab zur Hauptstraße, in die man links abbiegt, wenig später dann nach rechts in die Bahnhofstraße. Nach der Überquerung der Pfrimm sollte man die nächstmögliche Straße links nehmen (Bergstraße), von der nach kurzer Zeit wieder links ein asphaltierter Wirtschaftsweg abzweigt, dem man bis zur Einmündung in die Pfrimmstraße folgt. Hier biegt man rechts ab.

Erster Lohn für die Anfahrt

Nach einem kurzen Steilstück kreuzt man zwei Bahnstrecken. Zum einen überfährt man die Gleise, die in Richtung Albisheim weiter führen, außerdem unterquert man eine nicht mehr vorhandene Strecke, die sich über das Pfrimmtalviadukt, verbliebener Teil einer Eisenbahnbrücke, fortsetzen würde. Nach den Gleisen geht es links weiter. Recht abwechslungsreich geht es dann viereinhalb Kilometer lang mit Steigung und Gefälle bis zur L 447, die von Albisheim nach Immesheim hoch führt. Auf dieser Strecke südlich von Pfrimm und Bahnlinie wird der Radler schon durch schöne Blicke auf die gegenüberliegenden Hänge mit den Weinbergen und den Orten Einselthum und Zell belohnt. Rechter Hand erstreckt sich ein langgezogener bewaldeter Bereich, der sogenannte „Saukopf“.

Eine kurze Steigung bringt uns nach Immesheim. Einige Radwegschilder leiten uns nach links und schließlich über eine lange, genussvolle Abfahrt an einem hübschen Rastplatz vorbei nach Harxheim. Wer es laufen lässt, kommt hier leicht über „Tempo 50“. Durch Harxheim geht es danach bis zur B 47, die über die stattliche Fußgänger- und Radfahrerbrücke überquert werden kann. Auf der anderen Seite führt der Radweg weiter in Richtung Niefernheim. Durch den beschaulichen Weinort, vorbei an den renommierten Weingütern Bremer und Schwan, fahren wir schließlich im Grünen am Fuß mehrerer großer Wingertsflächen entlang bis zur Straße zwischen Wachenheim und Mölsheim. Pferde stehen auf der Weide, mit Glück lässt sich der eine oder andere Raubvogel blicken.

Über die „Mauer“ nach Mölsheim

Links geht es nun steil aufwärts nach Mölsheim. Auf einem Kilometer strapaziert der Aufstieg die Waden, sofern keine Elektromotor hilft. Radfahrern sprechen von der „Mauer“ – nomen est omen.

Nach der Ortsdurchfahrt von Mölsheim erreicht der Radler die „Zellertaler Panoramastraße“ – sie hätte auch die Bezeichnung „Kleine Weinstraße“ verdient – die wir in Richtung Westen befahren. Ein eindrucksvolles Landschaftserlebnis. Man überblickt das gesamte westliche Zellertal mit dem wuchtigen Donnersberg am Horizont. Zur anderen Seite hin geht der Blick bis in die Rheinebene bis zum Odenwald. Rechts oberhalb der Straße erhebt sich das „Zellertaler Ehrenmal“ – das Wahrzeichen des Tals erinnert an die Gefallenen der Weltkriege. Unterhalb davon sollte man an einer Parkbucht anhalten und dieses Panorama genießen.

Voraus liegt dann der Winzerort Zell, der dem Tal den Namen gegeben hat. Sein Ortskern ist als Kulturdenkmalzone ausgewiesen. Drei Gebäude fallen auf: Einmal die Villa Golsen mit dem renommierten Gasthaus und Hotel „Schwarzer Herrgott“ – hier tagte 1947 der Verfassungsausschuss des damals noch ganz jungen Bundeslandes Rheinland-Pfalz, woran eine Gedenktafel an der Hauswand erinnert. Sehr ungewöhnlich für einen so kleinen Ort: zwei Kirchen direkt nebeneinander, die noch „in Betrieb“ sind, die katholische Barockkirche St. Philipp sowie eine protestantische Kirche aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Stopp am Wodansfelsen

Fährt man auf der Höhenstraße weiter, so kommt man nach kurzer Zeit an einem weiteren Aussichtspunkt vorbei, auf den ein Schild an der linken Seite hinweist. Ebenfalls auf der linken Seite, etwas tiefer gelegen, lohnt das Naturdenkmal „Wodansfels“ einen Stopp, eine alte germanische Wotan-Kultstätte, an der zu Beginn des 8. Jahrhunderts Philipp von Zell eine Klosterzelle errichtete und damit den Keim für die heutige Ortschaft legte.

Wir setzen unsere Tour fort, indem wir mit leichtem Gefälle flott nach Einselthum rollen. Durch den Ort bleibt das leichte Gefälle erhalten; man kommt an einigen Weingütern und am Bürgerhaus mit schöner Natursteinfassade vorbei. Kurz nach dem Ortsausgang zeigt ein Radwegschild nach links, dem man folgen sollte. Die Route führt bergab zur B 47 – diese kreuzt man auf einer speziellen Überführung für Radler und gelangt so auf den Teil des Zellertalradwegs, der sich nun auf der anderen, der nördlichen Seite der Pfrimm befindet und zunächst parallel zur Bundesstraße verläuft.

Auf Höhe der Kleinmühle – Ferienwohnung mit Pfrimmblick und eine gelbe Telefonzelle für Büchertausch sind ihre Besonderheit – geht unser Weg von der Straße weg und verläuft etwa 1,5 km durch die renaturierten Pfrimmauen bis nach Albisheim. Nach der Ortsdurchfahrt auf der Hauptstraße findet der Radweg seine Fortsetzung links dicht neben der Bundesstraße mit kleinen Steigungs- und Gefällpassagen. An der Abzweigung zum Heyerhof vorbei erreichen wir Marnheim durch das bereits erwähnte Pfrimmtalviadukt. Wir folgen der Hauptstraße bis an die Stelle, an der rechts die Donnersberger Straße abzweigt.

Nun sind wir wieder auf der Route, die wir am Anfang unserer Tour gewählt haben. Nun in umgekehrter Richtung (Donnersberger Straße hoch – Überquerung von B 47 und A 63 – Weierhof – Gängelstockweg – Bolanden) erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt.

Die Fakten

Strecke: Rund 30 km

Zeit: Etwa 2 ½ bis 3 Stunden (ohne längere Pausen)

Tiefster Punkt: Marnheim (etwa 140 m)

Höchster Punkt: Zellertaler Ehrenmal (etwa 200 m)

Zum vorherigen Teil der Serie geht es hier.

Begeisterter Mountain-Biker: Dieter kaffenberger.
Begeisterter Mountain-Biker: Dieter kaffenberger.
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