Donnersbergkreis Mit dem Elektrocamper drei Monate durch Europa
Man darf getrost behaupten, dass Matthias Klein in und um Rockenhausen, vielleicht sogar im gesamten Kreis und den angrenzenden Gebieten, bekannt ist wie ein bunter Hund. Seit 25 Jahren ist der Rathskirchener in der Kinder- und Jugendarbeitaktiv, macht mit seinem Unternehmen „klein.team“ erlebnispädagogische Angebote und ist mit seinem Konzept „Dorfspiel-wagen“ in der gesamten Nordpfalz unterwegs. Gut möglich also, dass sich so mancher in den vergangenen Wochen gefragt, wo „de Mädes“ – wie er (nicht nur) von seinen Freunden genannt wird – eigentlich abgeblieben ist.
Die Antwort hat Klein der RHEINPFALZ vor ein paar Tagen gegeben: Da hat er unserer Redaktion eine E-Mail geschrieben – aus Albanien. Und er hat uns geschildert, dass er derzeit mit seinem Elektro-Vanster für drei Monate quer durch Europa unterwegs ist. Auf seiner großen „E-Auto-Abenteuerreise“ fahre er über die Balkanstaaten nach Griechenland, von dort mit der Fähre nach Italien, weiter über Frankreich nach Spanien und Portugal. An Weihnachten will er wieder zurück in der Heimat sein, so Klein.
E-Auto statt Verbrenner, Balkan statt Türkei
Seine Reise hatte Klein zunächst mit einem herkömmlichen Wohnmobil mit Verbrennermotor geplant – und mit dem Ziel Türkei. Im Sommer habe er dann für ein Wochenende den E-Vanster – getestet und sei sofort begeistert von der Verbindung zwischen Elektromobilität – mit der er zuvor keinerlei Erfahrung hatte – und Camping gewesen. Schnell war dann für ihn klar, dass er seinen Trip mit dem Gefährt unternimmt. Wegen der mangelnden Ladeinfrastruktur auf dem Weg dorthin habe er sich allerdings nicht getraut, in die Türkei zu fahren. Stattdessen plante er dann eine Tour durch Südeuropa. In der Vorbereitung hat Klein sich zusätzliche Lithiumbatterien, Solarmodule und einen Wechselrichter in den Camper eingebaut. „Damit kann ich im Falle eines leeren Fahrzeugakkus noch einmal rund 30 Kilometer aus der Reserve holen.“
Mehr als 4000 Kilometer hat er inzwischen seit September mit dem E-Vanster von Pössl zurückgelegt, „das erste serienreife Elektro-Wohnmobil auf dem Campermarkt“, schildert der Rathskirchener. Seine ursprünglich Furcht, „irgendwo stehen zu bleiben und keine Lademöglichkeiten zu finden“. habe sich inzwischen komplett gelegt. Denn Klein lädt sein Wohnmobil immer auf Campingplätzen – und davon gebe es in allen Ländern genug. Selbst in Albanien sei ein dichtes Netz vorhanden. Die meisten Plätze gehörten Bauern, die ihre Wiese für Camper zur Verfügung stellten. „Sie bieten immer auch sanitäre Anlagen und Strom mit an“, schreibt Klein. Zwei- bis dreimal in der Woche übernachte er auf diesen privaten Stellplätzen, ansonsten autark. Er findet sie über die Camping-App „Park4Night“.
Nach 25 bis 30 Stunden ist Akku wieder voll
Zwar dauert das Laden seines Campers über die 230-Volt-Anschlüsse 25 bis 30 Stunden, am nächsten Tag sei das Auto aber meist wieder voll. „Wenn ich schöne Plätze in den Bergen oder am Meer finde, bleibe auch mal für mehrere Tage an einem Platz“, so Klein. Nach seinen bisherigen Erfahrungen in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien würde er im Vorfeld auch einiges anders machen, beispielsweise auf sein zusätzliches Elektropaket komplett verzichten. Und eine weitere Befürchtung habe sich als falsch herausgestellt: dass die Campingplätze für seinen Strombedarf nicht gut genug ausgerüstet sind. Auch das sei kein Problem: „Bis jetzt hat es immer sehr gut funktioniert.“
Allerdings ziehe er gerade in Albanien mit seinem E-Vanster viele staunende Blicke auf sich: „In dem Land, in dem die höchste Mercedes-Dichte Europas besteht und das Auto als Statussymbol eine große Rolle spielt, gibt es so gut wie keine Elektrofahrzeuge und dementsprechend auch keine Ladeinfrastruktur“, berichtet Klein. Zudem betont er, dass es ihm auf seiner Reise zu keinem Zeitpunkt langweilig sei. Bevorzug suche er Orte auf, die touristisch nicht überlaufen sind. „Ich fahre gerne ins Hinterland, erkunde auf Wanderungen kleine Bergdörfer, Flüsse und Seen und suche Kontakt zu den Einheimischen – frei nach dem Motto des Autors Stefan Ort: ,Menschen sind immer das interessanteste – in jedem Land’“, betont Klein.
Barfußwanderung der Höhepunkt
Zwar falle es ihm schwer, ein einzelnes Erlebnis als bisheriger Höhepunkt seiner Reise herauszugreifen: „ Jeder Tag ist voll von neuen Eindrücken, tollen Naturerlebnissen und schönen Begegnungen mit Einheimischen und anderen Reisenden.“ Eine Tour rage dann aber doch heraus: „Die Barfußwanderung auf einen Berggipfel in Bosnien-Herzegowina. Selbst ein einheimischer Bergführer hatte mich davor gewarnt, so dort hochzugehen. Das war schon ein großer Sprung raus aus der Komfortzone“, sagt Klein.
Drei Monate ganz ohne Arbeit geht für den Geschäftsführer von „klein.team“ dann aber doch nicht: Von unterwegs erledige er über Internet die Büroarbeit der Firma, halte durch regelmäßige Zoom-Meetings Kontakt zu seinen Mitarbeitern und organisiere die Arbeit seiner zwölf Angestellten. Wer wissen will, wo Klein sich gerade aufhält, kann mal in seinem Youtube-Kanal „Mädes unterwegs“ vorbeischauen.
Hund Nikki ist immer dabei
Ganz allein ist er auf seiner großen Fahrt jedoch nicht: Vierbeiner Nikki weicht als treuer Begleiter nicht von seiner Seite. Im Dezember wollen der Hund und sein Herrchen, das bekannt ist wie ein bunter Hund, dann wieder im heimischen Rathskirchen sein. Vorausgesetzt, der Akku seines E-Wohnmobils hält durch. Viele Nordpfälzer drücken ihm dafür die Daumen!