Sport im Wandel
Michael Zelt über Entwicklungen im Frauenfußball
Zur Einweihung des Rasenplatzes des FC Marnheim bestritt Frauenbundesligist FC Bayern München gegen eine Auswahlmannschaft des Südwestdeutschen Fußballverbandes ein Einlagespiel. Karin Danner, ehemalige Spielerin und Managerin des FC Bayern München, zeigte damit ihre Verbundenheit zu ihrem Heimatverein.
Begeistert und motiviert von diesem Spiel fanden sich in der Folge ein paar Marnheimer Frauen zusammen und bauten mit dem damaligen Trainer Heinz Becker eine Hobbymannschaft auf. „Am Anfang spielten die Frauen in der Freizeitliga auf dem Kleinfeld“, erinnert sich ihr späterer Trainer Michael Zelt. Der heute 54-Jährige übernahm die Mannschaft, bei der auch seine Frau und seine Nichte mitspielten 2005. „Früher habe ich nicht viel von Frauenfußball gehalten. Ich habe das für meine Frau gemacht“, so Zelt. „Heute sehe ich das natürlich anders. Die Gemeinschaft und Geselligkeit bei den Frauen ist enorm und noch ausgeprägter als bei den Männern.“
Mit Ex-Nationalspielerinnen auf dem Platz
2006 kam die Hobbyliga-Mannschaft in der Runde der damaligen Bezirksliga Westpfalz an. „Wir hatten einen riesen Zuwachs. Zu der Zeit spielten zwischen 40 und 50 Frauen bei uns“, erzählt Zelt. „Das war eine Zeit, in der Frauenfußball sehr modern war.“ Zwei Jahre später war das Team in der Verbandsliga Südwest angekommen.
Bei einem weiteren Heimatbesuch von Karin Danner 2008 hatte sie auch Ex-Nationalspielerin Bärbel Weimar mit dabei, die das Training ein paar Wochen mit leitete. Spontan bot diese auch an, ein paar Spiele bei den Marnheimer Frauen mitzuspielen. „Das war ein Motivationsschub für die Mädels“, erzählt Zelt. „Wir waren im Fahrstuhl nach oben. Senkrechter konnten wir nicht hochsteigen.“
Großer Aufwand für das Abenteuer Regionalliga
2012 stiegen sie in die Regionalliga Südwest auf, die dritthöchste Klasse Deutschlands. Die Mannschaft fuhr auf Spiele in Saarbrücken, Mainz, Montabaur und Bitburg. „Da waren wir teilweise acht Stunden unterwegs.“ Einige Spielerinnen kamen zweimal in der Woche von Mainz oder Dunzweiler nach Marnheim ins Training. Das Niveau des Trainings sei sehr hoch gewesen.
„Die erste und zweite Mannschaft hat immer zusammen trainiert, da habe ich keine Unterschiede gemacht“, erzählt Zelt. „Da sind zwischen den Spielerinnen auch Reibereien entstanden, das gehörte auch dazu.“
„Wir sind hoch geflogen für ein Dorf wie Marnheim“, berichtet Zelt stolz. Auch für den DFB-Pokal habe sich die Mannschaft damals qualifiziert und bei der Sportlerwahl der RHEINPFALZ seien seine Mädels zwei Mal zur Mannschaft des Jahres gewählt worden.
Schwieriger Neuaufbau in der Verbandsliga
Um in der Regionalliga spielen zu können, machte Spielerin Melanie Geil ihren Trainerschein. „Ich selbst hatte keinen Schein“, so Zelt. Auch die Kosten seien in dieser Zeit sehr hoch gewesen. „Wir mussten einen Presseraum stellen. Unser Flutlicht war nicht gut genug, deshalb mussten wir auf den Platz beim TuS Bolanden ausweichen.“ Auch die Auslagen, zum Beispiel für den Mannschaftsbus, seien ins Geld gegangen. „Viele Sponsoren hatten wir nicht, das Geld war knapp.“ So kam es, dass die Mannschaft nach drei Jahren aus der Spielklasse zurückzog.
„Wir sind nicht sportlich gescheitert, das Geld war einfach knapp.“ Zelt habe sich immer eine Frauenmannschaft aus dem ganzen Donnersbergkreis gewünscht, in der Hoffnung, dass diese mehr gefördert worden wäre. „Zurück in der Verbandsliga, sind uns die Mädels dann weggelaufen“, erzählt Zelt. „Viele wollten weiter in der Regionalliga spielen. Einige von ihnen haben es sogar bis in die Zweite Liga geschafft.“
Im vergangenen Jahr war der Verein sogar bereits so weit, darüber nachzudenken, die Frauenmannschaft komplett abzumelden. „Wir haben uns aber doch noch einmal dagegen entschieden.“
Kaum noch neue Spielerinnen im Training
„Jetzt haben wir rund 15 Spielerinnen, die einmal in der Woche zum Training kommen und in der Bezirksliga spielen“, so Zelt, der die Mannschaft aktuell noch als Spielleiter unterstützt. „Trainerin ist heute die damalige Spielerin Melanie Geil, die letzte Verbliebene aus der Erfolgstruppe.“ Damals habe die Ausdauer im Training im Vordergrund gestanden. „Heute lernen die Spielerinnen erst einmal die Grundkenntnisse“, erklärt Zelt. Ein weiterer Unterschied.
Der große Boom des Frauenfußballs sei heute auch vorbei, meint Zelt. Früher seien häufig fünf bis sechs neue Spielerinnen im Training gewesen. Auch an Co-Trainern habe es nicht gemangelt. „Heute sind wir froh, wenn überhaupt jemand Neues ins Training kommt oder als Co-Trainer hilft.“ Wo früher rund 200 Zuschauern bei den Heimspielen an der Bande standen, kommen heute höchsten 30 Besucher zu einem Spiel. „Ich bin froh, dass Trainerin Melanie noch da ist und hinter all dem steht.“
Seit dem Lockdown sei der Spielbetrieb aber komplett eingestellt. Zelt hofft, dass der Zusammenhalt bestehen bleibt und die Mannschaft auch nach der Corona-Pandemie wieder zusammen auf den Rasen zurückkehrt.
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