Donnersbergkreis Mehr Unfälle wegen zu wenig Abstand

Auch bei parkenden Autos gilt: Genug Abstand halten! Die Anzahl der Unfälle, die sich aufgrund von unzureichendem Abstand ereign
Auch bei parkenden Autos gilt: Genug Abstand halten! Die Anzahl der Unfälle, die sich aufgrund von unzureichendem Abstand ereignet haben, ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen.

An einem Sonntagmittag Anfang September rast ein 20-Jähriger mit seinem Motorrad beim Überholen auf der B 48 zwischen Winnweiler und Hochstein in ein entgegenkommendes Auto. Der junge Mann überlebt den Unfall nicht. Rund zwei Wochen später kommt ein 65-Jähriger mit seinem Wagen von der nassen Fahrbahn der Landstraße 386 in Richtung Bastenhausen ab. Das Auto überschlägt sich, der Fahrer stirbt an seinen Kopfverletzungen. Zwei der insgesamt 1022 Unfälle, die die Beamten der Polizeiinspektion Rockenhausen im vergangenen Jahr in ihrem Bereich verzeichnet haben, endeten tödlich – zwei weniger als im Jahr 2017. Auch die Gesamtanzahl der Unfälle hat sich damit im Vergleich zu den Vorjahren verringert: 2017 waren es 1032, 2016 gab es 1054 Unfälle. Anzahl der Verletzten steigt Insgesamt wurden im Jahr 2018 128 Personen bei Unfällen im Bereich der Polizeiinspektion Rockenhausen verletzt. Zwei Personen starben, wie erwähnt, an ihren Verletzungen, 33 weitere wurden schwer verletzt. Damit kamen in 87,5 Prozent aller Unfälle keine Personen zu Schaden. Dennoch ist die Anzahl der Verletzten im Vergleich zum Vorjahr um 37 gestiegen – 2017 wurden 91 Personen verletzt. Häufigste Unfallursachen Eine der häufigsten Unfallursachen ist laut Polizei nicht angepasste Geschwindigkeit. 118 Unfälle – darunter die beiden tödlichen – haben die Beamten im vergangenen Jahr aufgenommen, weil Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs waren. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl damit allerdings sogar verringert, 2017 war überhöhte Geschwindigkeit bei 139 Unfällen ursächlich. Norbert Völker, Sprecher der Polizeiinspektion Rockenhausen, vermutet dahinter mehrere Faktoren: „Zum einen spielen die kontinuierlichen Geschwindigkeitsüberwachungen, also die Blitzer in der Region, eine Rolle. Außerdem wurden die Bußgelder wieder erhöht.“ Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei könne dazu beitragen, dass sich Verkehrsteilnehmer mehr an Tempolimits hielten. Dagegen ist die Anzahl der Unfälle, die sich aufgrund von unzureichendem Abstand ereignet haben, auf 174 (2017: 157) gestiegen. Seit 2017 wird laut Völker allerdings auch der seitliche Abstand dazugezählt. „Das kann sich natürlich auf die höhere Anzahl ausgewirkt haben“, gibt er zu bedenken. Die meisten Unfälle durch zu wenig Abstand passierten in geschlossenen Ortschaften. Der richtige Abstand Um den richtigen Abstand zu berechnen, gibt es eine Faustformel. Innerorts gilt: Der Abstand zum Vordermann soll der Strecke entsprechen, die in einer Sekunde zurückgelegt wird. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern wären das etwa 15 Meter. Auf Autobahnen und Landstraßen, wo schneller gefahren werden kann und sich damit der Bremsweg verlängert, muss sich auch der Sicherheitsabstand entsprechend anpassen. Hier gilt: Der Abstand zum Vordermann soll dem halben Tachowert in Metern entsprechen. Bei 80 Stundenkilometern wären das 40 Meter, bei Tempo 160 80 Meter. Aber auch bei parkenden Autos könne zu geringer Abstand schnell zum Unfall führen. „Da passt man beim Ausparken nicht auf oder fährt zu dicht am parkenden Auto vorbei und zack – ist der Außenspiegel ab“, verdeutlicht Völker. Handy am Steuer Wie viele Unfälle durch das Handy am Steuer verursacht werden, lässt sich laut Völker nur schwer einschätzen. „Das setzt voraus, dass der Unfallverursacher entweder zugibt, dass er das Handy benutzt hat, oder dass er einwilligt, dass man das Gerät untersucht“, informiert der Beamte. Im Zweifel müsse die Staatsanwaltschaft eine Einsicht in das Gerät einfordern. Das sei aber selten. Eine genaue Angabe lasse sich daher nicht ermitteln. Anzahl der Unfallfluchten steigt Die Anzahl an Unfallfluchten hat sich laut Polizeistatistik in den vergangenen Jahren erhöht. „2014 haben sich 105 Beteiligte unerlaubt vom Unfallort entfernt, 2018 waren es 153“, berichtet Völker. Dabei handele es sich immerhin um 15 Prozent aller Unfälle aus dem Jahr 2018. „Die 15 Prozent sind eigentlich 15 zu viel. Denn das Ziel ist immer die Schadensregulierung. Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, entzieht sich dieser natürlich“, betont Völker. Dazu komme, dass die Aufklärungsquote solcher Unfallfluchten im vergangenen Jahr bei rund 37 Prozent lag. „Das ist uns eigentlich noch zu gering. Umso wichtiger ist die Mitarbeit der Bürger. Je mehr Hinweise wir zu Unfällen bekommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese aufgeklärt werden können.“ Risikogruppe: Junge Fahrer Junge Verkehrsteilnehmer gelten bei der Polizei als Risikogruppe. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen war nach Angaben der Polizei im vergangenen Jahr an 199 Unfällen beteiligt. In Bezug auf ihren Anteil an der Bevölkerung von acht Prozent seien sie mit rund 20 Prozent überdurchschnittlich an Unfällen beteiligt. „Als Prävention machen wir immer wieder gezielte Kontrollen, bei denen wir die jungen Leute auf die Gefahren wie überhöhte Geschwindigkeit aufmerksam machen“, berichtet Norbert Völker. Risikogruppe: Senioren Eine weitere Risikogruppe sind die Senioren, die 2018 an 164 Unfällen (16 Prozent) beteiligt waren. Da ihr Anteil an der Bevölkerung 21 Prozent beträgt, sind sie laut Statistik unterrepräsentiert. Relativierend dürften sich allerdings auswirken, dass ältere Leute weniger Fahren, heißt es von der Polizei. 122 der 164 Unfälle – und damit der Großteil – hätten sich innerorts ereignet. „Das liegt auch daran, dass da die Konfliktfläche größer ist. Es gibt mehr Kreuzungen, parkende Autos und der Verkehr verteilt sich auf eine kleinere Fläche“, meint Norbert Völker. Senioren, die gerade in ländlichen Regionen auf das Auto angewiesen sind, empfiehlt der Beamte vor allem eins: „Regelmäßige Besuche beim Arzt und vor allem beim Augenarzt.“ Außerdem sollten auch Nebenwirkungen von Medikamenten beachtet werden, die sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirken könnten. „Und am besten zu Zeiten fahren, in denen weniger los ist. Einkaufen zum Beispiel am Vormittag um 10 Uhr, wenn die meisten Leute arbeiten.“ Weniger Wildunfälle Für 2018 hat die Polizei im westlichen Donnersbergkreis 426 Wildunfälle verzeichnet. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2017 waren es noch 47 mehr, also 473. Woran das liegt, könne man nur vermuten, sagt Norbert Völker. „Das können höhere Abschusszahlen der Jäger sein oder auch Witterungseinflüsse, die dafür sorgen, dass die Tiere weniger in Richtung Straße laufen.“ Defensiv fahren Generell gelte im Verkehr: „Immer defensiv fahren und entspannt sein. Man soll sich beim Fahren nicht aufregen. Wir sind alle nur Menschen“, rät Norbert Völker.

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