Donnersbergkreis Medusa entschleiert die Zukunft

Was wird das Jahr 2016 wohl bringen? Wollen wir das nicht alle wissen? Wir können nicht in die Zukunft sehen, unsere Wahrsagerin Madame Medusa aber schon. Deswegen haben wir sie gebeten, ihre Kristallkugel wieder einmal zu Rate zu ziehen. Ob sie recht hatte, werden wir spätestens in zwölf Monaten wissen. Ein Jahres-Vorblick.
JANUAR Besuchswelle aus Mainz. Der Kreis wird von einer Welle von Minister- und Abgeordneten-Besuchen überrollt. Ein Planungsbüro wird mit der Bearbeitung der „guten Nachrichten aus Mainz“ beauftragt, die meist mit Förderbescheiden verbunden sind. Den vermuteten Zusammenhang der Besuchswelle mit den Landtagswahlen im März nennen die Beteiligten „vollkommen abwegig“. FEBRUAR Investor für Outlet? In einer Sondersitzung des Kirchheimbolander Stadtrats bezüglich des geplanten City-Outlets teilt Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller mit, dass sich möglicherweise ein Investor gefunden habe. Alles Weitere soll in einer Sondersitzung geklärt werden. Stadthalle wird dichtgemacht. Die Fasnachts-Sitzungen der Kibo-Karnevalgesellschaft müssen kurzfristig in die Jahnturnhalle verlegt werden. Der Grund: Die Überstunden, die beim Stadthallenteam angehäuft wurden, haben die 500er-Grenze überschritten. Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller muss die Reißleine ziehen und Stadthalle und Orangerie – Letztere ist noch nicht einmal offiziell eröffnet – bis auf Weiteres schließen. Der Stadtrat beauftragt ein Planungsbüro damit, die Arbeitsbelastung zu reduzieren. MÄRZ Bausünden-Lehrpfad öffnet. Wegen der Sanierung wird das Kirchheimbolander Parkdeck bis Oktober gesperrt. Als Kompensation und auch um den Tourismus in der bislang vom Leerstand gebeutelten Kleinen Residenz anzukurbeln, eröffnet die Stadt in Zusammenarbeit mit dem DTV einen interaktiven Bausünden-Lehrpfad. Er führt vom Parkdeck über das ehemalige St.-Josefs-Gelände (mit Medienstation zum Thema Betonbunker der 1970er Jahre und ihre Folgekosten) zum Hallenbad. Den Abschluss bildet die Erinnerungstafel an das ehemalige Thielwoog-Freibad. Das vom Stadtrat eingeschaltete Planungsbüro hebt als Plus hervor, dass der Pfad für künftige Bausünden beliebig erweiterbar ist. Ein Antrag einer Bürgerin, dann doch gleich den neuen Anbau des Hotels Schillerhain einzubeziehen, scheitert allerdings. Investor stellt sich vor. In einer Sondersitzung des Stadtrats stellt sich ein möglicher Investor für das City-Outlet vor. Zwar hat er selbst kein Geld, er kennt aber jemanden, der Geld hat. Der Stadtrat bittet ihn, bis zur nächsten Sitzung konkrete Pläne vorzulegen und beschließt, ein Planungsbüro zwecks Projektsteuerung einzuschalten. APRIL Feuerwehr-Einsatz im Bad. Nach monatelanger Schließung nach einem Brand öffnet das Kibobad wieder seine Becken. Bei einer Feierstunde lassen es sich die Mitglieder des VG-Rates nicht nehmen, das Schwimmerbecken per gemeinsamer Gesäßbombe einzuweihen. Kurz darauf muss die Feuerwehr schon wieder anrücken – diesmal allerdings nicht um zu löschen, sondern um das Wasser nachzufüllen. MAI ESC kommt nach Winnweiler. Beim Eurovision Song Contest in der schwedischen Hauptstadt Stockholm geht für Deutschland überraschend Mark Forster an den Start. Und die Sensation tritt ein: Forster holt den Sieg nach Deutschland. Im Überschwang der Gefühle erklärt Ortschef Rudolf Jacob: „2017 findet der ESC bei uns statt!“ Da keine andere deutsche Metropole bereit ist, die Gastgeberrolle zu übernehmen, bleibt die Sache tatsächlich an Winnweiler hängen. Um dem internationalen Ansturm Herr zu werden, beschließt der Gemeinderat den Bau einer neuen Festhalle. Die Kollegen in Kirchheimbolanden geben den Tipp, auf jeden Fall ein Projektsteuerungsbüro einzuschalten. JUNI Delegation beim RLP-Tag. Zum Rheinland-Pfalz-Tag schickt Kirchheimbolanden eine Abordnung ins benachbarte Alzey. Von einem eigens für den Festzug gestalteten Umzugswagen in Form einer überdimensionalen Wutz werden 15.000 Mozartkugeln ins Publikum geworfen. Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller zeigt sich nach der Aktion (und drei Gläsern Scheurebe) ungewöhnlich euphorisch: „Was die können, können wir schon lange. Kibo wird sich für den Rheinland-Pfalz-Tag 2020 bewerben.“ Ein Planungsbüro sei bereits eingeschaltet. JULI Kommt jetzt ein Investor? Das vom Kirchheimbolander Stadtrat beauftragte Planungsbüro zur Projektsteuerung des City-Outlets legt erste Ergebnisse vor: Der Bekannte des vermeintlichen Investors, der sich bereits im März im Rat vorgestellt hatte, werde zwar nicht selbst als Investor in Erscheinung treten, habe aber bereits Kontakte zu einer möglichen Investorengemeinschaft geknüpft. Es gelte jetzt nur noch, deren konkrete Pläne vorzulegen. AUGUST Bürger gegen Techno-Party. Beim Residenzfest in Kirchheimbolanden gehen Bürger auf die Barrikaden, als die Techno-Party, die auch in diesem Jahr wieder im oberen Teil des Schlossgartens stattfindet, alle Dezibel-Rekorde bricht. Mehrere Anwohner erleiden Hörsturze und müssen notärztlich versorgt werden. Eine ältere Dame wird von der Sicherheitsfirma aufgegriffen, als sie nachts durch den Schlossgarten irrt auf der Suche nach dem Stecker, den sie rausziehen will. Als Kompromiss – und weil das doch ohnehin besser in den Mozart-cum-Barock-Rahmen passen würde, schlägt ein vom Stadtrat beauftragtes Planungsbüro vor, doch künftig zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und nur noch Mozart-Stücke zu spielen, die aber in Techno-Version. SEPTEMBER Riesenerfolg für Freifunk. Freifunk-Westpfalz vermeldet die Komplett-Versorgung des Kreises mit schnellem Internet. 1648 Router sind alleine in Kirchheimbolanden aufgestellt. Thomas Bock, einer der Initiatoren von Freifunk-Westpfalz, begrüßt mittlerweile auch die Idee eines City-Outlets in der Kreisstadt. Der Grund: Er möchte den Absatz der WLAN-Router, die über ihn erhältlich sind, weiter ankurbeln. OKTOBER Infotafel des Schreckens. Besucherrekord beim „Ausflug des Schreckens“ in Breunigweiler. Rund 10.000 Besucher kommen, um sich zu gruseln. Besonders gut kommt dabei ein neuer Schreckens-Bereich an: Auf blutigen Tafeln wird der voraussichtliche Schuldenstand der VG Winnweiler am Ende des Haushaltsjahres gezeigt. Whuaaa! NOVEMBER Neue Finanzierungsidee für City-Outlet. In einer Sitzung von Stadtrat und Gewerbeverein Pro Kibo in Sachen City-Outlet Kirchheimbolanden stellt sich der Bekannte eines Bekannten eines potenziellen Investors als Vertreter einer Investorengemeinschaft vor, die aber selbst zunächst nicht in die Finanzierung einsteigen möchte. Er schlägt vor, dass Bürger und ansässige Unternehmen stattdessen in einen Pool zur Anschubfinanzierung einzahlen sollen. Darauf lassen sich Stadtrat und Pro Kibo aber nicht ein. Stattdessen soll ein Beratungsbüro nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten suchen. DEZEMBER Palmenstrand statt Glühweinstand. Nachdem 2015 den bisher wärmsten Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hervorgebracht hat, wird die Skala 2016 noch um einige Grade nach oben erweitert. Die Stände auf dem Kirchheimbolander Christkindlmarkt machen den schlechtesten Umsatz seit Beginn der Christkindlmarkt-Aufzeichnungen, auch die Weihnachtsmärkte im Umland verzeichnen einen starken Besucherrückgang. Statt des alljährlichen Weihnachtszaubers inszeniert der Gewerbeverein Pro Kibo deshalb auf dem Römerplatz ein „Weihnachten wie Down Under“: Mit Palmen, künstlichem Sandstrand und eiskaltem Bier statt Glühwein. Natürlich wird auch gegrillt, und für die Kinder gibt es statt der Plastik-Schlittschuhbahn ein Plastik-Schwimmbecken. Beheizt. Mit der Umsetzung ein Planungsbüro zu beauftragen, lehnt der Pro-Kibo-Vorsitzende Jürgen Heck allerdings ab: „Nee, das machen wir schon schön selbst!“ (ajh/fky/Illustration: Frankfurter) Wir wünschen Ihnen einen guten