Kirchheimbolanden
Maskenpflicht: Schüler und Lehrer finden’s nervig, aber notwendig
Tag für Tag mit Menschen aus mehr als 20 Haushalten in Kontakt kommen und mit ihnen stundenlang in einem Raum sitzen: Angesichts der aktuellen Corona-Zahlen ist allein der Gedanke daran kein schöner. Für Schüler ist das aber seit den Sommerferien Realität, wie Ruben Buschmeyer, Schülersprecher der Integrierten Gesamtschule Rockenhausen (IGS) erzählt: „Man ist teilweise mit bis zu 30 Personen in einem Klassenzimmer. Da konnte ohne Maske nur wenig auf Schutz geachtet werden.“ Nun hat die Landesregierung eine allgemeine Maskenpflicht an weiterführenden Schulen angeordnet. Obwohl Bildungseinrichtungen nicht als Corona-Hotspots gelten, muss jetzt nicht mehr nur in den Pausen und auf den Gängen ein Schutz getragen werden.
Angenehm ist das nicht. „Man muss sich an das Ding gewöhnen, das ist einfach so, und da geht es Schülern nicht anders als den Erwachsenen“, erklärt Thilo Franke, Leiter des Nordpfalzgymnasiums (NPG) in Kirchheimbolanden. „Es ist beschwerlich, aber es ist zu leisten und funktioniert größtenteils problemlos“, findet Ralf Schäfer, Leiter des Wilhelm-Erb-Gymnasiums (WEG) in Winnweiler.
Doch auch wenn der große Vorteil, nämlich die Gesundheit der Kinder, im Fokus steht: Es gibt auch klare Nachteile, die den Unterrichtsalltag noch schwieriger machen, als er ohnehin schon ist. Dass die Maske ermüdend für Schüler und Lehrer ist, ist dabei das kleinste Problem. Abstand halten war an der Realschule Plus in Rockenhausen bei Klassengrößen von 15 bis 17 Schülern bisher unkompliziert. Unter der Maske leiden aber jetzt nicht nur die Kinder, sondern auch ihr Unterricht: „Guter Schulunterricht lebt von Empathie und Mimik, und das ist mit Maske natürlich sehr schwierig“, bemängelt Harald Scheve, Schulleiter der Realschule Plus in Rockenhausen.
„Die Schweigsamen werden noch schweigsamer“
Einen ermunternden oder ermahnenden Blick als nonverbale Kommunikation zuzuwerfen, reiche oft nicht mehr aus, bestätigt Schäfer (WEG). Und: „Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler nimmt ohnehin ab. Die Maske verstärkt diesen Effekt“, so Scheve. Außerdem würden schweigsame Kinder noch schweigsamer, hat er beobachtet. An der Realschule und dem NPG gibt es zudem Schüler mit verminderter Hörfähigkeit, die darauf angewiesen sind, die Mundbewegungen des Sprechenden beobachten zu können. Mundbewegungen sind auch das Stichwort beim Fremdsprachenunterricht: Es sei eigentlich wichtig, die exakte Aussprache gut hören zu können und gegebenenfalls die Mundbewegungen zu sehen, gibt Franke (NPG) zu bedenken.
Unter der Maskenpflicht leidet auch der Sportunterricht: Sport darf nur draußen ohne Maske betrieben werden. Die beiden Gymnasien setzen auf Sportarten, bei denen Abstand eingehalten werden kann, wie etwa Joggen. Steht Basketball auf dem Stundenplan, gebe es eben keine Spiele mehr, sondern nur noch Standwürfe, so Schäfer. Denn: Drinnen darf nicht geschwitzt und nur mit Maske „gesportelt“ werden – wenn nicht die Turnhalle gesperrt ist, weil sie nicht ausreichend durchlüftet werden kann, wie im Falle der Realschule.
In puncto Schulsport droht im Winter Tristesse
Der NPG-Leiter bedauert das besonders: „Aktuell geht es noch, aber wenn es Winter wird, werden wir draußen keinen Sport mehr treiben können und stattdessen Theorieunterricht machen müssen.“ Die Hygienemaßnahmen haben also auch merkliche Folgen für die Gestaltung des Unterrichts: Er wird theoretischer und unpersönlicher, denn empathische Gesten, praktische Experimente, Schulsport und Musizieren sind in der ursprünglichen Form nicht mehr möglich. Im Stundenplan wird vieles durch Theorie ersetzt, doch den Lerneffekt praktischer Inhalte kann das vermutlich nicht ausgleichen. Auch Abwechslung und körperliche Betätigung seien im Schulalltag wichtig. Weil auch der Amateursport gestrichen wurde, sei das ein Problem für die Kinder, betont Franke.
Die Corona-Maßnahmen wirken sich in der Schule ähnlich aus wie in der Gesellschaft. Jeder Landkreis, jedes Bundesland habe andere Regelungen. Und oft kämen die neuen Vorschriften so spät, dass kaum Zeit bleibe, sie ordentlich umzusetzen, bemängelt der WEG-Rektor.
Nach der Schule muss die Maske auch an der Bushaltestelle getragen werden – und das wird ebenfalls kontrolliert. Beim WEG ist das etwas komplizierter: Schüler, die vom Bahnhof zum Gymnasium laufen oder aber aus Winnweiler kommen, gingen oft in Gruppen und ohne Abstand – und ohne Mund-Nasen-Schutz, bemängelt Schäfer.
„Wo Pflichten sind, gibt es auch Rechte“
Die Schulleiter sind sich einig: Der Großteil der Eltern und Schüler im Kreis nehme die Maskenpflicht sehr gut an und halte sich daran, über alle Stufen und Schulformen hinweg, von den Kleinsten bis zu den Großen. Denn wo Pflichten sind, sind auch Rechte: So dürfen die Kinder an den Donnersberger Schulen nach draußen gehen und frische Luft schnappen, wenn sie das Bedürfnis haben: wenn die Konzentration nachlässt, Kopfschmerzen einsetzen, die Maske durchfeuchtet ist oder wenn sie etwas trinken wollen. Dass die Schüler das ausnutzen, hat keiner der Schulleiter beobachtet. Am WEG hat außerdem der Schulelternbeirat empfohlen, dass die Schüler ihre Maske alle zwei Stunden wechseln.
Gibt es doch mal Unmut, weiß Schäfer zu reagieren: „Ich sage den Kindern dann immer, dass sie die Maske nicht für sich, sondern für die Anderen tragen, um sie zu schützen. Da reicht es oft schon, wenn man die Großeltern erwähnt.“ Ausnahmen von der Pflicht aus gesundheitlichen Gründen gibt es aber auch: Am NPG werden solche Kinder zu Hause beschult und bekommen die Möglichkeit, Arbeiten und Tests in der Schule zu schreiben.
„Jetzt ermahnen auch mal die Schüler ihre Lehrer“
Insgesamt, so sind sich die drei Schulleiter einig, funktioniere es mit der Maskenpflicht besser als vermutet. Und vor allem: Sie werde im Donnersbergkreis deutlich problemloser umgesetzt als bei Schulen in Städten, wie Schäfer von Kollegen gehört hat. Und er glaubt, dass die Nachteile des Schutzes in keinem Verhältnis zu dem Nutzen stehen – dass Schulen geöffnet bleiben können. Das sei auch im Interesse der Schüler.
Wie pflichtbewusst diese die Regeln akzeptieren, überraschte dennoch. „Die Schüler sind da sehr aufmerksam, weisen sich gegenseitig darauf hin und ermahnen auch die Lehrer“, so Scheve. Schäfer betont, dass mancher Kollege sich eine Scheibe von seinen Schülern abschneiden könnte.
Und auch Ruben Buschmeyer und seine Mitschüler finden die neue Regelung trotz aller Nachteile richtig: „Die Maskenpflicht ist auf jeden Fall gut. Ohne Maske hat man sich unsicher gefühlt.“ Natürlich sei man genervt davon, vor allem, wenn eine Klassenarbeit anstehe, so der Elftklässler. Trotzdem sei der Großteil der Schüler einverstanden und gehe verantwortungsvoll damit um – verantwortungsvoller als manch Erwachsener.