Donnersbergkreis „Manche fahren hier immer Vollgas“

Enge Angelegenheit: In den Winnweilerer Hopfengärten müssen Fahrer aus Richtung Imsbach wegen parkender Autos ausscheren. Von „u
Enge Angelegenheit: In den Winnweilerer Hopfengärten müssen Fahrer aus Richtung Imsbach wegen parkender Autos ausscheren. Von »unten« kommende Fahrzeuge haben dagegen freie Fahrt. In der Kurve an der Brauerei Bischoff komme es deshalb mitunter zu gefährlichen Begegnungen, berichtet Anwohner Stefan Pfaff.

«WINNWEILER.»Stefan Pfaff steht vor seinem Wohnhaus, schräg gegenüber der Hofeinfahrt zur Brauerei Bischoff. Von Imsbach kommend nähert sich ein Bus, muss kurz vor Pfaffs Standort wegen parkender Autos auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Aus Richtung Bahnhof ist ein Wagen in zügigem Tempo unterwegs. Da die Straße „An den Hopfengärten“ an dieser Stelle einen Knick macht, sehen sich die Fahrer erst im letzten Moment. Beide bremsen, die Fahrzeuge schlängeln sich aneinander vorbei – noch mal gut gegangen. Szenen wie diese hat Pfaff in den vergangenen 20 Jahren hunderte beobachtet. Mehr noch: „Viermal ist uns bislang jemand ins parkende Auto gerauscht, erst kürzlich wurde meiner Tochter mal wieder der Außenspiegel beschädigt“, erzählt der selbstständige Fotograf, der zudem einen Flammkuchenvertrieb unterhält. „Da ich von zu Hause arbeite, kriege ich tagsüber mit, was hier abgeht. Im Sommer ist es mit der Raserei noch schlimmer, da kommen die Motorradfahrer hinzu.“ Ihm ist unverständlich, dass die Behörden nichts tun, obwohl die Situation seit Jahren bekannt sei: „Viele in der Straße teilen meine Meinung. Es hört sich abgedroschen an – aber muss erst ein Kind angefahren werden, ehe sich etwas tut?“ Problem 1: Die Raser Die „Hopfengärten“ zweigen von der Brücke am Bahnhof ab, die den Winnweilerer Ortskern mit der B 48 verbindet. Etwa 300 Meter verläuft die leicht ansteigende Straße weitgehend gerade, dann folgt die erwähnte Rechtskurve an der Brauerei. Es folgt ein ungefähr gleich langer Abschnitt bis zum Ortsausgang Richtung Imsbach. Hier sind auch die Einfahrten in den Wohnpark „Hopfengärten“ (rechts) beziehungsweise das Baugebiet „Unterm Eisvogel“ (links), die im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte entstanden sind. Auf Pfaffs Seite sind über die komplette Strecke sieben Stellflächen für Pkw angeordnet, auf der gegenüberliegenden Seite von der Brücke bis weit hinter der Brauerei-Zufahrt dagegen kein einziger. Erst „oben“, im Bereich der Baugebiete, gibt es Parkplätze – jedoch gerade mal drei. Genau das ist für ihn das Kernproblem: „Wer von Imsbach kommt, muss den parkenden Autos ausweichen und langsamer machen. Aus Richtung Bahnhof können sie dagegen ungehindert losbrettern, weil sie kein Hindernis auf ihrer Seite haben.“ Gerade in der Kurve vor seinem Haus komme es zigfach zu gefährlichen Begegnungen. Pfaff: „Entweder gehen sie voll in die Eisen oder weichen auf den Gehweg aus.“ Bestätigt sieht er sich durch die Geschwindigkeiten, die im Auftrag der Winnweilerer VG-Verwaltung im vorigen November knapp zwei Wochen lang in Höhe der Brauerei-Einfahrt gemessen wurden: Bei erlaubten 50 Stundenkilometern war der Spitzenreiter nicht vom Ortseingang kommend (Höchstwert 90 km/h), sondern aus Richtung Brücke mit 108 „Sachen“ unterwegs. Auch der Durchschnitt der Fahrzeuge, die zu schnell unterwegs gewesen sind, lag auf dieser Seite mit rund 43 Prozent höher als in der Gegenrichtung (38,1 Prozent). „Viele fahren anständig. Aber es gibt einen Prozentsatz, dem das völlig egal ist – die fahren immer Vollgas“, betont Pfaff. Zwar begrüßt er die Messung – enttäuscht ist er allerdings über fehlende Konsequenzen: Der Winnweilerer Gemeinderat hat auf der Grundlage der parallel erhobenen Geschwindigkeiten an der Einfahrt zum „Eisvogel“ entschieden, dass es aus Richtung Imsbach keine mobile Fahrbahnverengung geben wird. Für viel wichtiger erachtet es Pfaff jedoch ohnehin, dass sich von der Brücke her etwas tut. Zumal er einen weiteren Missstand kritisiert. Problem 2: Die Parksituation Nach Pfaffs Ansicht stehen rund um die „Hopfengärten“ viel zu wenige Parkplätze zur Verfügung. Vor der Sanierung der Straße 2008 habe es keine Parkbucht gegeben, die Anwohner hätten einfach vor ihren Häusern geparkt. „Das hat Jahrzehnte gut funktioniert, warum geht das jetzt nicht mehr?“ Zumal die Brauerei seit dem Verkauf ihres Fuhrparks – was den Verkehr in diesem Bereich erheblich belastet habe – nur noch über eine weiter unten gelegene Einfahrt angefahren werde. „In den Neubaugebieten mit über 100 Häusern gibt es nicht für alle Fahrzeuge Stellflächen bei den Gebäuden selbst“, verweist Pfaff darauf, dass heute auf eine Familie oft mehrere Autos kämen. Auch ältere Häuser in der Straße seien im Gegensatz zu früher an verschiedene Parteien vermietet. Er berichtet von einem Nachbarn mit kleinen Kindern, der manchmal nicht wisse, wo er seinen Wagen noch legal abstellen soll. Und wird deshalb „wild“ geparkt, gebe es entsprechend „Knöllchen“. Pfaff betont: „Auch für meine Kunden ist es manchmal schwierig, aber ich mache hier keine Lobby-Politik in eigener Sache. Ich kenne Leute in den Neubaugebieten, die ebenfalls stinksauer sind.“ Nicht zuletzt wegen der vielen hier lebenden Kinder, „die dadurch permanent unnötigen Gefahren ausgesetzt werden“, sieht Pfaff Handlungsbedarf. Die Lösung? Sein Vorschlag: Die Parkbuchten sollten komplett wieder abgeschafft oder aber deren Anzahl deutlich erhöht werden. Dies gelte vor allem für die Brauerei-Seite – entlang der „Hopfengärten“ könnten so etliche Stellflächen links und rechts versetzt ausgewiesen werden. Platz sei vorhanden, „die Straße ist im Gegensatz zu vielen anderen im Ort großzügig ausgebaut“. Das würde nicht nur die Parksituation entspannen, sondern vor allem die Raser von „unten“ einbremsen. „Sicher gäbe es dann noch mehr Begegnungen, aber da müssten sich die Fahrer – wie anderswo – eben arrangieren. Wenn man vernünftig fährt, ist das kein Problem, schließlich befinden wir uns innerorts.“ Begrüßen würde er auch ein Tempo-30-Limit: Die Unvernünftigen halte das vielleicht nicht davon ab, auf die Tube zu drücken, aber eine mäßigende Wirkung sei zu erwarten. „Ich glaube, wir sind die einzige unregulierte Straße in ganz Winnweiler. In der Jakobstraße am Rathaus wurde – ebenfalls nach einer Verkehrsmessung – ruckzuck eine 30er-Zone eingeführt. Warum bei uns nicht?“ Das sagt die Verwaltung Zum Thema „Raserei“ wies der Winnweilerer Verbandsbürgermeister Rudolf Jacob auf RHEINPFALZ-Anfrage darauf hin, dass an beiden Messpunkten – an der Brauerei und am „Eisvogel“ – sowie in beide Fahrtrichtungen mindestens 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht schneller als 57 km/h unterwegs waren. Jacob: „Es kann keine Rede davon sein, dass die Geschwindigkeiten in diesen Bereichen wesentlich voneinander abweichen – weder auf die Örtlichkeit noch auf die Fahrtrichtung bezogen.“ Die Ausreißer seien vor allem nachts festgestellt worden. Er schließe nicht aus, dass subjektiv der Eindruck entstehen kann, es werde im Mittel zu schnell gefahren – „objektiv ist das aber nicht der Fall. Das war auch der Grund, weshalb der Gemeinderat sich damals gegen entsprechende Maßnahmen ausgesprochen hat“, so der VG-Chef. Weiter sagte Jacob, eine Geschwindigkeitsreduzierung wäre – da es sich bei den Hopfengärten um eine Kreisstraße handelt – nur mit Zustimmung von Kreis und Landesbetrieb Mobilität möglich. „Diese wird aber üblicherweise nicht erteilt.“ In der Jakobstraße begännen die 30 auch erst dort, wo es sich um eine Gemeindestraße handele. Zum Thema Parkbuchten teilte er mit, dass es bei deren Ausweisung eine Reihe von Vorschriften einzuhalten gebe: Sie dürften nicht in Kurven, auf Kanalschächten, Hydranten und Hausanschlussschiebern angelegt werden. Ferner müssten Abstände zu Ausfahrten ein- und diese auch gegenüber frei gehalten werden. „Wir haben das überprüft und sind in Abstimmung mit der Polizei zum Ergebnis gekommen, dass im Bereich der Brauerei ein weiterer Parkplatz ausgewiesen werden könnte“, so Jacob. Dies sei aber nur mit Zustimmung von Kreis und LBM möglich, auf einen Ortstermin warte man. Zum Vorschlag, in den Hopfengärten wieder „wildes“ Parken zuzulassen, sagte Jacob: „Das ist ein typischer Fall von ’man kann es nicht allen recht machen’.“ Damals habe es Beschwerden gegeben, dass zu viele Autos hintereinander abgestellt waren und ein Ausweichen nur schwer möglich gewesen sei. Eine Rückkehr zu dieser Regelung hätten seiner Meinung nach deutlich mehr Klagen zur Folge. Und: „Mir sind außer von Herrn Pfaff keine weiteren Beschwerden bekannt.“ Auch habe seiner Ansicht nach der Bau der Reihenhäuser im Wohnpark die Situation nicht negativ beeinflusst, „da zu jedem Haus entsprechende Stellplätze gehören, die von den Bewohnern auch genutzt werden“.

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