Donnersbergkreis MAINZ: Theodor-Heuss-Brücke wird gesperrt
Sie ist die Lebensader von Mainz über den Rhein, Verbindung zu den rechtsrheinischen „AKK“-Stadtteilen, ein Wahrzeichen von Mainz – nun wird sie zur Problemzone: Die Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden wird ab dem 12. Januar 2020 für vier Wochen für den Individualverkehr komplett gesperrt. An der Brücke müssen Widerlager erneuert werden, das könne nur in der kalten Jahreszeit geschehen, teilte die Stadt Wiesbaden mit – nun fürchtet Mainz einen neuen Brückengau.
Es war im Februar 2015, als ein Bohrunfall die Schiersteiner Brücke über Nacht lahm legte, das darauf folgende Verkehrschaos hat die westliche Rhein-Main-Region schwer belastet: Wochenlang ging auf den verbliebenen zwei Brücken über den Rhein zwischen den beiden Landeshauptstädten nichts mehr. Pendler verzweifelten, Fähren machten Rekordumsätze, Fahrradrouten boomten – und die Staus erreichten wahrhaft epische Ausmaße. Nun haben die Mainzer ein Déjà-vu: die Rückkehr des Brückengaus. Ganze vier Wochen lang wollen Mainz und Wiesbaden die Lebensader Theodor-Heuss-Brücke lahm legen. Bei einer routinemäßigen Bauwerksüberprüfung seien Schäden an den Übergangskonstruktionen in den Pfeilerachsen festgestellt worden, die Traversenlager müssten ausgetauscht werden, teilte die Stadt Wiesbaden mit. Die Arbeiten seien unaufschiebbar und müssten in der kalten Jahreszeit erfolgen. Die auf 420.000 Euro geschätzten Kosten werden zu 62,8 Prozent von Wiesbaden und zu 37,2 Prozent von Mainz getragen – so sind die Besitzanteile an der Brücke.
Kürzere Dauer dank Sperrung
Man habe sich entschlossen, die Brücke vier Wochen voll zu sperren, teilte die Stadt Wiesbaden weiter mit, auch weil sich so die Baustellendauer verkürzen lasse. Außerdem sollten so größere Rückstaus in der Mainzer Innenstadt vermieden werden, weil sich die Autofahrer von vorneherein umorientierten.
Ob das aber klappt, ist fraglich: Pro Tag überqueren nach Angaben der Stadt Wiesbaden heute rund 64.000 Autos und 28.000 Fahrzeuge im Busverkehr die Brücke, dazu kommen rund 3500 Radfahrer sowie 1900 Fußgänger.
Die gute Nachricht: Busse, Taxen, Radfahrer und Fußgänger dürfen während der Bauarbeiten weiter über die Brücke, der ÖPNV soll durch eine Ampelanlage geregelt werden, eine Schranke mit Sicherheitspersonal soll dafür sorgen, dass Individualverkehr „draußen“ bleibt. Weitere Details zur Baumaßnahme sollen zu Beginn des neuen Jahres veröffentlicht werden.
Wo sollen Pendler hin?
Doch wo sollen die 64.000 Fahrzeuge, die hier tagtäglich entlang fahren, stattdessen hin? Bei den Verwaltungen heißt es, Umleitungen sollten über die Weisenauer Brücke der A60 sowie die Schiersteiner Brücke auf der A643 eingerichtet werden, doch auf beiden Brücken bilden sich bereits heute lange Staus im Berufsverkehr. Bislang war die Theodor-Heuss-Brücke die Ausweichroute für Innenstadtbewohner, fällt die nun weg, wird der Verkehr auf den Autobahnen erheblich zunehmen. Der Weg zur Arbeit oder zum Arzt, das werde schwierig, befürchten viele.
Und noch eine Gruppe sieht erhebliche Probleme auf sie zurollen: Am 1. Januar beginnt die Fastnachtssaison, jedes Wochenende findet ein wahres Sitzungs-Hopping bei Rednern, Musikgruppen und Gardisten statt – auch über den Rhein hinweg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln seien die engen Zeitpläne nicht zu bewältigen, klagen Redner. Die Mainzer CDU fordert deshalb nun von der Stadt, kreative Lösungen zu entwickeln. Es brauche Park-and-Ride-Plätze auf der Kasteler Seite mit Shuttlebussen über die Brücke.
„Jeder Tag Sperrung kostet den Einzelhandel bares Geld“, warnte die CDU zudem, das treibt auch die Industrie- und Handelskammer um: „Gestresste Pendler, volkswirtschaftlicher Schaden: Die Infrastruktur zwischen beiden Landeshauptstädten bleibt die Achillesferse der Region“, kritisierte IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz auf Twitter. Nach dem Zusammenbruch der Schiersteiner Brücke hatte die IHK einen wirtschaftlichen Schaden von 1,4 Millionen Euro für die Region berechnet – pro Tag.
Am Mittwoch erinnerte die Mainzer SPD an ihren legendären Alt-OB Jockel Fuchs, der am 11. Dezember 100 Jahre geworden wäre, er starb 2002 im Alter von 82 Jahren. Auf seinem Grabstein auf dem Mainzer Hauptfriedhof steht der Satz: „Die Menschen bauen zu viele Mauern und nicht genügend Brücken.“