Weierhof RHEINPFALZ Plus Artikel Luftbild-Serie: „Wohnblock-Mikado“, Gymnasium und Mennoniten

Bei unserem vergangenen Rätsel gesucht: der Bolander Ortsteil Weierhof.
Bei unserem vergangenen Rätsel gesucht: der Bolander Ortsteil Weierhof.

Höchste Zeit, dass unsere vergangene Luftbild-Folge aufgelöst wird. Augenzwinkernd können wir die lange Dauer nur mit den vielen Zuschriften entschuldigen: 83 Leser wussten, wie der gesuchte Ort(steil) heißt. Bei etlichen weckt dieser Erinnerungen.

Es sei gut möglich, schreibt uns Barbi Driedger-Marschall, dass die abgebildete Siedlung „der Aufnahme von Zell nun nach kürzester Zeit den Rang als bisher leichtestes Bilderrätsel abläuft“. Für die Bolanderin war die Lösung ohnehin ein Klacks: Denn politisch gehört der zwei Kilometer entfernte Ortsteil zu ihrem Heimatdorf, obwohl er – nur von A63 und B47 getrennt – „weitaus näher an Marnheim liegt“, wie Karl Bayer aus Einselthum feststellt. Die richtige Antwort lautet natürlich: Weierhof.

Dass dieser auf den ersten Blick zu erkennen war, darin sind sich alle Einsender einig. Aus mehreren markanten Punkten ragt im wahrsten Wortsinn einer heraus, den Bayer wiefolgt auf den Punkt bringt: „So ein kleines Dorf mit so großen Häusern – das kann nur der Weierhof sein.“ Gemeint sind die sechs Mehrfamilienhäuser, die einst von amerikanischen Soldaten bewohnt und deshalb im Volksmund „Ami-Blöcke“ (Lutz Reiter, Göllheim) genannt wurden. Nach Abzug der US-Streitkräfte sind die Gebäude von 1993 bis 1995 aufwändig saniert und zu Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Das „Wohnblock-Mikado“, so Werner Siebold aus Mauchenheim, präge von oben betrachtet das Erscheinungsbild des Ortsteils.

Erinnerungen an Schulzeit werden geweckt

Dieser hat heute rund 900 Einwohner. Gehörte er im Mittelalter als Landwirtschaftsbetrieb zum Stiftungsgut des Bolander Klosters Hane und wurde im 17. Jahrhundert für aus der Schweiz vertriebene Mennoniten zur neuen Heimat, so kam ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Bedeutung als Schul- und Internatsstandort hinzu. Und als solcher hat das Luftbild bei manchen „schöne Kindheitserinnerungen geweckt“, betont Alexander Groth. „Quasi ein Heimspiel“ sei für ihn als früheren Schüler des Gymnasiums das Rätsel gewesen. „Idyllisch gelegen, die schöne Aula, die ursprünglich amerikanische Turnhalle, der Sportplatz, der Gängelstock“, so der Kirchheimbolander. Und er fügt hinzu: „Für uns Schüler war das damals toll, dort zur Schule zu gehen, da gäbe es noch so viel zu erzählen.“

Das kann auch Klaus Gräser, der am Weierhof „als ,Tagesschüler’ aus Bolanden“ sein Abitur gemacht hat. Die „imposante Aula“ (Bernhard Scheib, Imsbach) hat Gräser mit Verweis auf die „vielen hohen Fenster“ ebenso angeführt wie das Gebäude, „in dem die meisten ,Heimschüler’ gewohnt haben“. Zu erkennen seien ferner „der Sportplatz mit 400-Meter-Bahn und rechts oberhalb die erweiterte Schule in U-Form mit dem alten Schulgebäude in der Mitte“.

„Alma Mater“ eines renommierten Professors

Ein Beleg für den „guten Ruf“, den Gymnasium und Internat laut Werner Siebold genießen, ist die E-Mail von Harald Giessen. Der renommierte Forscher im Bereich der physikalischen Optik hat in Arizona promoviert, war Hochschulassistent in Marburg, wurde in Bonn Professor und leitet seit 2005 das 4. Physikalische Institut der Universität Stuttgart. Den Grundstein für seine Karriere hat er allerdings in der Nordpfalz gelegt – denn die Hochschulreife hat der gebürtige Marnheimer, der bis heute regelmäßig in die Heimat kommt, am Weierhof erlangt. „Meine Alma Mater“ bezeichnet er das Gymnasium, das er von 1976 bis 1985 besuchte und das für ihn der entscheidende Hinweis zur Lösung des Rätsels war. Täglich sei er mit dem Fahrrad von Marnheim auf den Weierhof gefahren und dabei auch an den US-Blocks vorbeigekommen.

Untrennbar mit dem Ort verbunden ist auch die Geschichte der aktuell rund 300 Mitglieder zählenden Mennonitengemeinde. Zu ihr gehören eine Forschungsstelle, ein Friedhof und die mehrfach genannte Kirche. Die drei auffälligsten Merkmale fasst Barbie Driedger-Marschall zusammen: „Auf den ersten Blick fallen die drei Wohnblocks in der Bildmitte auf, die die Siedlung wie große Riegel durchbrechen. Dahinter das Schulgelände mit dem prägnanten Aulagebäude und links die Höfe des alten Weierhofs mit der sich heraushebenden Mennonitenkirche.“

Neuer Teil des Ortes stark gewachsen

Ihr Hinweis, das Luftbild zeige „eindrücklich, wie sehr der neue Teil des Weierhofs gewachsen ist“, bestätigt Gerd Schmahl: „Mich hat überrascht, wie groß der Weierhof inzwischen geworden ist; das ganze Wohngebiet rechts im Bild gab es in den siebziger Jahren noch nicht, und der ,alte’ Weierhof links im Bild gerät aus dieser Perspektive etwas in den Hintergrund“, so der Morschheimer, der früher in Marnheim lebte und „meistens zur Schule gelaufen“ ist.

Natürlich hat Thomas Mayr, Vorsitzender des Donnersberger Literaturvereins, neben dem „ins Auge springenden Kreisel“ auch das Blaue Haus entdeckt. Und ihm ist wie Gerno Grüner (beide aus Kirchheimbolanden) nicht entgangen, dass die Aufnahme „schon etwas älter“ – genau genommen von 2016 – ist: Denn seither sind gegenüber des Theaters mehrere Neubauten entstanden. Zudem hat Grüner eine Bitte: Da er selbst ehrenamtlich mitarbeitet, „würde es mich freuen, wenn Sie in der Auflösung ein bisschen Werbung für die hier tätigen Vereine Neuer Landweg und Theater Blaues Haus machen würden“. Tun wir gerne!

„Chef’che“, Jobcenter und früheres Schwimmbad

Weitere Stichworte: das Lokal „Zum Chef’che“, laut Dieter Kaffenberger (Bolanden) „ein in der Region bekanntes, gemütliches Speiselokal“, das „kleine Gebäude des Jobcenters vor dem Neubaugebiet“ (Volker Langguth-Wasem, Sankt Alban), zu dem Petra Heck „mehrmals wöchentlich als Kurierfahrerin“ kommt, sowie das frühere Schwimmbad, das nicht nur Cornelia Storck aus Einselthum vermisst („Wörtlich“). Last but not least stellen Peter und Romy Neumann aus Marnheim ein weiteres Spezifikum fest: „Schön zu sehen, wie grün es hier bei uns noch ist!“

Nachfolgend sehen Sie unser neues Bilderrätsel:

Kennen Sie diesen Ort aus dem östlichen Donnersbergkreis? Dann schicken Sie uns die Lösung per Postkarte, Kennwort „Bilderrätsel“, an die RHEINPFALZ-Lokalredaktion, Luitpoldstraße 20, 67806 Rockenhausen, oder per E-Mail an reddonn@rheinpfalz.de. Einsendeschluss ist Samstag, 20. August. Zu gewinnen gibt es eine RHEINPFALZ-Tasse. Die bekommt auch unsere heutige Gewinnerin: Claudia Hartmann aus Göllheim.

Unser neues Bilderrätsel.
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