Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Logopädin rechnet wegen Corona mit mehr Sprachstörungen

Das Angelspiel kann nützlich sein, um den Kindern bestimme Laute spielerisch näherzubringen.
Das Angelspiel kann nützlich sein, um den Kindern bestimme Laute spielerisch näherzubringen.

Noch merkt Logopädin Katharina Schäfer die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Sprach- und Lernentwicklung nicht. In der Zukunft sieht sie darin aber ein Problem – und Corona bereitet ihr noch weitere Schwierigkeiten.

Seit 2017 ist Schäfer in ihren eigenen Praxisräumen im Küchengarten in Winnweiler. Die Enkenbacherin therapiert Kinder und Erwachsene mit Sprach- und Entwicklungsstörungen. Dabei arbeitet sie auch viel mit Schlaganfallpatienten, die Schwierigkeiten mit der Stimme haben oder nicht mehr richtig schlucken können. Kindern hilft die Logopädin hauptsächlich bei der Aussprache, dem Wortschatz oder der Satzbildung. Bestimmte Laute zu sprechen, sei für die Kleinsten oft ein Problem, wie zum Beispiel das „k“, das „sch“ oder sie lispeln.

Für viele Therapieformen könnten sich Patienten ein Rezept beim Arzt holen. Die integrative Lerntherapie zum Beispiel werde finanziell hingegen nicht von der Krankenkasse übernommen. „Die integrative Lernhilfe kommt dann zum Tragen, wenn der normale Nachhilfe-Unterricht nicht mehr ausreicht“, so Schäfer. Das seien zum Beispiel Kinder mit Wahrnehmungsdefiziten. „Die Therapie ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.“ Bei Kindern, die die Laute nicht richtig sprechen können, dauere die Therapie rund ein dreiviertel Jahr.

Mimik fehlt zum Lernen

Hygienemaßnahmen in der Corona-Pandemie sind für Schäfer ein großes Thema. Es wird regelmäßig gelüftet, desinfiziert und Hände gewaschen. Außerdem müssen Patienten mit Maske in die Praxis kommen. Das sei ein Problem, denn der Mund- und Nasenschutz erschwere das Lernen und die Kommunikation. „Durch das Masketragen sehen die Kinder keine Mimik“, so Schäfer. „Vor allem Grundschulkinder, brauchen diese aber, um zu lernen und zu verstehen.“

Noch merkt die Logopädin die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Sprach- und Lernentwicklung nicht, „spätestens in einem halben Jahr werde ich das aber spüren“. Sie geht davon aus, dass die Eltern und die Lehrer die aufkommenden Probleme jetzt schon wahrnehmen. Denn viele Kinder würden in der Schule über den Blickkontakt zum Lehrer und dessen Mimik lernen. Das geht wegen der Maske momentan nicht: „Die sehen nicht, ob der Lehrer zufrieden ist oder sich ärgert.“

Spielerische Methoden

Hinzu kommt, dass im Homeschooling der Lehrer als Bezugsperson wegfällt, die Kinder würden auch insgesamt im Online-Unterricht weniger sprechen. Im Präsenzunterricht erschweren wiederum die Masken die Sprachentwicklung, Aussprachestörungen könnten sich verschlimmern.

Wegen der Schließung der Kindertagesstätten sieht Schäfer auch Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung der Kleinkinder, hauptsächlich was die Laute betreffe. Die Schwächen werden sich vertiefen, prophezeit die Logopädin für die Zukunft. In ihrer Praxis nimmt Schäfer Kinder ab drei Jahren auf. Da die Kleinen noch nicht so eine große Konzentrationsspanne haben, greift sie auf spielerische Methoden zurück.

Angelspiel mit Silben

Eine Therapie für das richtige Aussprechen der Laute beginne zum Beispiel, wenn man von dem „T“ zum „K“ übergehe, indem man die Zunge nach hinten in den Gaumen legt. „Das können die Kinder am Spiegel beobachten oder fühlen“, erklärt Schäfer. „Sie können es auch nachahmen, wenn ich es ihnen vormache.“

Danach könnten die Kinder Silben bilden, zum Beispiel spielerisch verpackt in einem Angelspiel. „Immer wenn der Fisch an der Angel ist, sagen die Kinder eine Silbe mit ,K’.“ Dann geht die Logopädin zu Wörtern über, zum Beispiel über Memory oder Bildkarten. „Am Ende können die Kinder Sätze oder ganze Texte bilden, sodass die Laute irgendwann normal für sie sind“, erklärt Schäfer den Abschluss der Therapie.

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