Donnersbergkreis Lieblingsstücke nicht nur fürs Ohr
WINNWEILER. Sänger aus vier Chören unter der Leitung von Gudrun Scherrer und zahlreiche Besucher füllten die Protestantische Kirche in Winnweiler beim festlichen Kirchenkonzert „Musikalische Streifzüge durch die Jahrhunderte“. Mit dieser stimmungsvollen Hommage wollte die Kirchengemeinde zum 1125. Jubiläum der Ortsgemeinde beitragen und präsentierte ein vielseitiges Programm.
Florian Jurzitza eröffnete das Konzert mit einer feierlichen Toccata für Orgel von Johann Sebastian Bach. Dem Protestantischen Kirchenchor Winnweiler gelang es, die Atmosphäre der Gregorianik entstehen zu lassen mit dem diesem Stil nachempfundenen Lied des Norwegers Ola Gjello „Ubi caritas“. Aus Mozarts Requiem intonierte der Chor in weichen und harmonischen Klängen das „Ave verum“. Die meisten der vorgetragenen Lieder waren bekannt und „Lieblingsstücke“. So auch „Ich bete an die Macht der Liebe“. Die Melodie schwang in den Köpfen der Zuhörer mit. Aber man war beeindruckt vom besonderen, emotional ansprechenden und hymnischen Vortrag des Jakob Scheller Chores aus Einselthum. Genauso vom beschwingten und sich in der Lautstärke harmonisch steigernden Gefangenenchor aus Verdis Nabucco. Nicht nur die Ohren bekamen Lieblingsstücke zu hören. Unter dem gleichlautenden Titel präsentierte Walter Herrmann sechzig seiner Lieblingsfotos in einer Power-Point- Präsentation, die sich fortlaufend wiederholten. So war es den Besuchern überlassen, den Chören zu lauschen und nebenbei die Fotos von Naturlandschaften, Tieren, Stadtansichten oder Gemälden, die Herrmann auf seinen Reisen machte, anzusehen. Sie konnten sich aber auch auf die Fotos konzentrieren und die Musik gleichsam dazu hören. „Die Entscheidung wollte ich dem Publikum überlassen, es ist mir eh schwer gefallen, nur einige meiner Lieblingsbilder auswählen zu können“, erklärte er. Der große Geiger Louis Spohr schrieb im neunzehnten Jahrhundert eine Sonate für Violine und Harfe c-Moll. Dieses Instrumentalstück spielen Sebastian Galwas (Geige) und Florian Jurzitza (Harfe). Für Liebhaber der Harfe war es ein besonderer Genuss. Ihre Klänge füllten den Kirchenraum und erzeugten eine intime Nähe zu diesem festlichen Instrument. Ausdrucksstark und in fein abgestimmtem Dialog ließen beide Musiker ihre Instrumente erklingen. Pfarrer Friedrich Schmidt hatte zwar zu Beginn darum gebeten, erst am Ende des Konzerts zu klatschen. Die Zuhörer wollten sich aber nach diesem Duett nicht zurückhalten und dankten mit einem Zwischenapplaus. Schmidt trug zum Programm mit zwei Lesungen bei. Die Paulusworte aus seinem ersten Korintherbrief über die Liebe sind wiederum bekannt und wesentlich älter als die Ortsgemeinde Winnweiler. Im Vergleich mit der modernen Popballade „Liebe ist unendlich“ wurde deutlich, wie zeitlos wirksam beide Texte sind. Der Kirchen-Projekt-Chor Winnweiler, die Vereinigung aller Chöre des Konzerts, trug sie ergreifend vor. Auch der Gemischte Chor Dannenfels reihte sich in dieses Projekt ein. Nicht nur die farbigen Schals der einzelnen Chorgruppen mischten sich nun, die Stimmen verschmolzen zu einem hymnischen Klang. Es ist derselbe Chor, der danach in die ganz andere Welt der südafrikanischen Gospels entführt. Temperamentvoll sang er „Masithi“ in vier Sprachen, begleitet vom Trommelspiel Floden Bakalas. Dann vergaß man die Popversion und tauchte ein in die anrührende Interpretation des Projektchores von „Time to say good-bye“. Der Gemischte Chor Vorwärts Gehrweiler entfaltete sich klanglich mit einem der bekanntesten Lieder Robert Prachts: „Das Morgenrot“. Im Crescendo und Decrescendo des Vortrages entstanden innere Bilder der aufgehenden Sonne. Mitreißend und bewegend wurde das „Vater Unser“ der Schlagersängerin Hanne Haller vorgetragen. „Besinnlich, tiefsinnig und unterhaltsam“ so beschrieb Schmidt in seinen Schlussworten das Konzert. Er freute sich, dass zum Abschluss Gemeinde und Chorsänger gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ sangen. Sie alle sind im Anschluss zu einem Empfang im Protestanischen Gemeindehaus eingeladen.