Donnersbergkreis Landwirte im Donnersbergkreis: „Mit blauem Auge davongekommen“

Auch auf dem Schmalfelderhof ist die Getreideernte eingebracht.
Auch auf dem Schmalfelderhof ist die Getreideernte eingebracht.

Alle Jahre wieder und doch jedes Jahr immer wieder neu und spannend: die Getreideernte im Donnersbergkreis. Feierten im Zellertal die Landwirte schon ihren Ernteabschluss und bereiten die Mähdrescher nach getaner Arbeiter auf die Winterpause vor, sind die Kollegen und Kolleginnen im westlichen Teil des Kreises oder auch in der Göllheimer Gemarkung noch einige Tage mehr fest am Dreschen gewesen. Doch jetzt liegt die Getreideernte überall in den letzten Zügen.

Das bestätigte auch Gerold Füge, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz-Süd und aktiver Landwirt in Bischheim. „Natürlich ist es bei uns in Ost- und Westkreis immer etwas unterschiedlich, zum einen, was die Dauer der Ernte angeht, und zum anderen, was die Wasserverteilung betrifft. Doch im Vergleich zu den Berufskollegen im Norden Deutschlands sind wir hier noch mit einem blauen Auge davon gekommen und haben keine extreme Trockenheit zu verkraften.“ Füge spricht sogar von einer durchschnittlichen bis guten Getreideernte, einzig der Raps blieb hinter den Erwartungen zurück. „Hier hat die Hitze im Frühjahr ein zu schnelles Wachstum bewirkt, die dadurch einsetzende Knospenwelke führte zu Ernteeinbußen.“ Der Bischheimer erklärt weiter, dass die Landwirtschaft in diesem Jahr ein richtiges Turbo-Frühjahr erlebt habe, die Arbeit auf den Feldern sei relativ spät aus dem Winter gekommen, die große Wärme im April, dann glücklicherweise für die Region der Regen ab Himmelfahrt bis Mitte Juni, das alles führte zu einem extrem guten und schnellen Wachstum. Auch die Qualitäten stimmten bei den Getreidesorten, sodass auch die Mühlen zufrieden sein können, einzig der Weizen hatte manchmal einen geringeren Eiweißgehalt, was sich auf die Backqualität auswirken kann. „Hier macht sich vielleicht auch schon die neue Düngeverordnung bemerkbar“, sagt Füge. „Dadurch, dass weniger Stickstoff aufs Feld ausgebracht werden darf, kann die den notwendigen Eiweißwert beeinflussen, den ein guter Backweizen besitzen muss.“

"Alles in allem ein guter Durchschnitt"

Dass der Raps in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückblieb, bestätigte auch Gernot Wilhelm vom Schmalfelderhof. „Der Raps hat auf unserem Betrieb enttäuscht, was an der kurzen Blütezeit lag. Doch mit dem Rest sind wir zufrieden. Alles in allem ein guter Durchschnitt. Es gibt sehr große Mengen- und Qualitätsunterschiede, weil die Wasserverteilung so unterschiedlich war. Was in diesem Jahr früh ausgesät werden konnte, war jetzt in der Ernte besser als später ausgebrachte Kulturen.“ Fritz Müller vom Bremricher Hof, der neben dem Getreideanbau noch eine der wenigen großen Milchviehhaltungen im Kreis betreibt, ist auch soweit zufrieden mit seinem Ernteverlauf. „Der Mais steht nicht schlecht, zwar nicht so wie im Vorjahr, aber okay. Die Futtergewinnung für die Tiere war auch soweit in Ordnung, der erste und zweite Schnitt vom Gras war gut, jetzt haben die Wiesen aufgrund der Trockenheit das Wachstum eingestellt. Im Vergleich zu den Berufskollegen im Norden sieht es bei uns noch gut aus. Aber die Landwirtschaft wird immer unkalkulierbarer, der Regen kommt, wenn er kommt, zu schnell und zu abrupt, es fehlt die Ausgewogenheit.“ Seine Kühe werden jetzt in der Hitze abends gefüttert. Wenn es kühler ist, fressen die Tiere besser, was sich positiv auf die Milchleistung auswirkt.

Mais bereitet Sorge

Im Zellertal zieht Ralf Schmeiser aus Einselthum auch eine positive Erntebilanz, seine Ernte lief besser als erwartet. Gute bis sehr gute Qualitäten, auch die Menge war zufriedenstellend. „Doch die Kulturen, die auf Felder gepflanzt wurden, auf denen im Vorjahr Rüben gepflanzt waren, standen wieder merklich hinter den Erträgen der anderen Kulturen“, sagt Schmeiser im Blick auf die letzjährige Rübenernte. „Gute Rübenerträge heißen nicht, dass man auch gleichzeitig gute Getreideerträge erzielen kann!“ Die Zuckerrübe verbraucht viel Wasser, was dann im Folgejahr der Getreidepflanze fehlt, gerade wenn die Niederschläge ausbleiben oder zu schnell als Gewittergüsse eintreten, über den trockenen Boden abläuft und nicht in die tieferen Schichten eindringt. Die Wasserversorgung ist grundlegend für eine gute Getreideernte, das bestätigen die beiden Göllheimer Landwirte Wolfgang Driedger und Eberhard Hartelt. Driedger freut sich über eine zufriedenstellende Getreideernte, einen flotten Verlauf und bedauert die Kollegen im Norden. „Vor einigen Wochen war ich in Mecklenburg-Vorpommern, da ist es in diesem Jahr wirklich schlimm, die Trockenheit hat die Getreidefelder zur Notreife getrieben, wir in unserer Region haben dagegen viel Glück und eine gute Ernte gehabt“, stellt der Landwirt vom Gundheimer Hof fest. Der Mais, der zunächst wunderbar gewachsen war, bereitet ihm jetzt etwas Sorge, denn hier fehlt jetzt das Wasser auf seinen Äckern.

Getreidepreise ziehen an

Auf der Füllenweide ist Eberhard Hartelt, Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Pfalz-Süd, zu Hause. Er blickt auf eine entspannte Getreideernte zurück, die bis auf den Raps auch bei ihm überraschend gut ausgefallen ist. „Die meisten Kollegen sind mit der Getreideernte jetzt durch. Beim Raps kann man feststellen, dass im Durchschnitt eine Tonne weniger pro Hektar als im letzten Jahr geerntet wurde. Für die anstehende Bodenarbeit wäre Wasser gut, ebenso für das Grünland, denn der geplante dritte Schnitt beim Gras wächst durch die Hitze nicht. Auch der Mais braucht dringend Wasser, was ja hoffentlich bald kommt. Beim Getreide sind wir hier auf der Füllenweide sehr zufrieden, war er früh gesät, hat er beste Ergebnisse erzielt. Insgesamt können wir Landwirte in unserer Region wirklich entspannt sein. Auch die Getreidepreise ziehen zurzeit an, also alles in allem eine gute Ernte“, resümiert Hartelt. Bis zum Wochenende wird kaum ein Acker mehr abzuernten sein, kommt dann der angesagte Regen auch in sanfter Form, würde er die Landwirte der Region vollends zufrieden stellen.

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