Donnersbergkreis Lady M geht – aber hinterlässt keinen Leerstand
Kirchheimbolanden. In Kirchheimbolanden vereinen Frauen, die auf modischen Chic Wert legen, seit 36 Jahren Person und Geschäft kurz und treffend: „Ich geh zu Lady M“. Lady M: Das ist Marita Groß-Hoffmann. Und „Lady M“ ihr Geschäft. Jetzt aber steht ein Einschnitt bevor: Lady M wird in den Ruhestand gehen, ihr Geschäft „Lady M“ aber bleiben. Kein neuer Leerstand in der Vorstadt also, zum Glück.
Und das ist es, was Marita Groß-Hoffmann Ende September den Abschied von ihrem Lebenswerk dann wohl doch nicht ganz so schwer machen wird. Denn ein Glücksfall – die Vermittlung durch einen Modeagentur-Chef – brachte den Kontakt zu Stephanie Kastner-Merz, die in der Bad Kreuznacher Fußgängerzone seit 20 Jahren ein ähnliches Geschäft für Damenmode führt. Ab 1. Oktober wird sie „Lady M“ in Kirchheimbolanden zusätzlich übernehmen. Mit, was Groß-Hoffmann besonders freut, allen fünf Mitarbeiterinnen, aber auch den gewohnten Marken, zu denen sogar noch einige hinzukommen sollen. „Für die Kunden bleibt also alles, wie es ist“, sagt Lady M. Den Namen des Geschäftes ebenfalls beizubehalten, habe die künftige Inhaberin selbst vorgeschlagen. „Lady M“ gehört, wie einige weitere inhabergeführte Fachgeschäfte, schließlich zu jenen Handels-Leuchttürmen, die Kunden auch von weither nach Kirchheimbolanden locken. Es muss ein Paukenschlag in der kleinen Stadt gewesen sein, als die Endzwanzigerin im März 1979 ihr Geschäft eröffnete. Ihre Liebe zu exklusivem Design, zugegebenermaßen nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich, traf sich mit Gespür fürs Geschäft. Das hatte sie vom Vater geerbt, der Optik- und Juwelierläden im heimischen Winnweiler, in Rockenhausen und in Kirchheimbolanden betrieb. Tochter Marita fand schon als Sechsjährige Freude, im Laden herumzuwuseln: „Da gab es so viele schöne Dinge.“ Mit 14 begann sie in Rockenhausen ihre Lehre als Einzelhandelskauffrau, nach deren Abschluss sie den Einkauf für die drei Geschäfte übernahm, aber auch mit bediente und ein Händchen dafür bewies, „dass alles schön dekoriert war“. Aber da war noch mehr die Faszination, die Mode auf sie ausübte, der Wunsch nach einem eigenen Geschäft. Wie’s ihre quirlige, hartnäckige Art ist, fackelte sie nicht lange. In der Schillerstraße 2 – in einem vormaligen Haushaltwarenladen, bei dessen Auflösung sie noch mithalf – eröffnete Marita Groß-Hoffmann im März 1979 eine Boutique für Damen- und anfangs auch Herrenmode, die Geschmack und Stilgefühl einer neuen Generation bedienen wollte. Nicht lange darauf zog sie um die Ecke in größere Räume: In der Vorstadt 22-24 stehen 220 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung, große Schaufenster ermöglichen attraktive Warenpräsentation. In ihrem Elan zu stoppen war die junge Geschäftsfrau auch nicht, als Töchterchen Julia 1986 auf die Welt gekommen war. Aber irgendwie, wundert sich Marita Groß-Hoffmann immer noch ein bisschen, ging alles. Vor allem durch die Unterstützung von Ehemann Dieter Hoffmann, neben seinem eigenen Power-Job bei einem großen Autohersteller: „Wir hatten eine tolle Arbeitsteilung.“ In Erinnerung sind die von Dieter Hofmann moderierten großen Modenschauen, die Glamour in die Kleine Residenz und die mit bis zu 450 Zuschauern gefüllte Jahnturnhalle brachten. Dass es hier wie später in den zweimal jährlich stattfindenden Modenschauen im Geschäft Profi-Models sein mussten, die sportliche, lässige, romantische oder elegante Outfits wirkungsvoll präsentierten, stand für Perfektionistin Groß-Hoffmann immer außer Frage. „Es war eine schöne, erfolgreiche, aber anstrengende Zeit“, blickt sie nun in ihrem kleinen Büro zurück, während die Kundschaft draußen rege das Abschieds-Angebot der reduzierten Herbst-/Winter-Kollektion nutzt. In einer so schnelllebigen Branche wie der Mode über so viele Jahre mithalten zu können, dafür brauche es Gespür für Trends und ein gutes Konzept – „sonst ist man schnell einer von vielen“, sagt Lady M. Als beste Entscheidung der letzten Jahre sieht sie an, sich auf weniger, dafür aber hochkarätige Modelabels zu konzentrieren. Hinzu kamen Accessoires wie Schuhe, Taschen, Gürtel und Schmuck. Als nicht minder wichtig für den Erfolg bewertet sie die persönliche Seite: professionelle Beratung, Wohlfühl-Klima. Der Entschluss aufzuhören, sei ihr nicht leicht gefallen, gesteht sie. Weil sie immer mit Leidenschaft und Herzblut gearbeitet habe. Weil über die 36 Jahre ein liebenswerter Kundenstamm gewachsen sei, der hoffentlich ihrer Nachfolgerin ebenso die Stange halten werde. Und weil sie ihr kompetentes Verkaufsteam schätze und vermissen werde. Doch da ist andererseits auch die Vorfreude auf Zeit fürs Reisen, Golfspielen, die intensivere Pflege von Freundschaften. Und die Genugtuung, dass Tochter Julia, für ein großes Modelabel tätig, den „Spirit“ der Mutter weiterträgt, in den letzten Jahren aber auch immer zur Stelle war, um sie in schweren persönlichen Zeiten im Geschäft zu entlasten. Freude darüber, dass es mit diesem Geschäft weitergehe, habe sie in den letzten Monaten immer wieder bei ihren Kundinnen gespürt, berichtet Marita Groß-Hoffmann. „Und ich denke, das tut auch der Stadt gut. Mehr denn je schätzen Kunden heute eine persönliche, sympathische Einkaufswelt.“ Hin und wieder wird man Lady M in persona wohl auch noch als Unterstützung im Tagesgeschäft von „Lady M“ erleben. Denn zu viel Ruhe, man ahnt es, tut ihrem unruhigen Geist (noch) nicht gut.