Donnersbergkreis Lachmuskeln im Ausdauertest

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KIRCHHEIMBOLANDEN. Im Rahmen der Lesereise zur Vorstellung seines neuen Buches „Beim Dehnen singe ich Balladen“ hatte Jürgen von der Lippe am Sonntag in der Stadthalle an der Orangerie in Kirchheimbolanden Station gemacht. Wer nicht bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung in der Halle war, musste sich mit Plätzen in den hinteren Reihen begnügen.

Anders als bei Christian Sonntag vor wenigen Tagen füllte Jürgen von der Lippe den Saal spielend mit einem aus allen Altersgruppen gemischten Publikum. Als er pünktlich um 20 Uhr die Bühne betrat, brauchte der Altmeister des plaudernden Humors nur Sekunden, um die Lachmuskeln seiner Zuhörer auf Betriebstemperatur zu bringen und trainierte anschließend zweieinhalb Stunden lang deren Ausdauer. Sein neues Buch stellte der 67-Jährige als das auf lange Zeit weltweit wichtigste Werk der Literatur vor und meinte dazu: „Ich gehöre nicht zu denen, die sich über Gebühr anpreisen – aber ich habe auch eine Wahrheitsverpflichtung. Deshalb habe ich jede einzelne Geschichte in diesem Buch selbst bei früheren Programmen ausprobiert und in ihrer Wirkung optimiert.“ Es folgte Pointe auf Pointe. Er stellte kurze Geschichten und Glossen aus allen Lebenslagen vor - vom Fußballplatz, beim Arzt, im Paradies, beim Heiratsantrag, beim Frühstück im Ehebett – immer pikant und nahe der Gürtellinie. Stets bettete er sie ein in die für ihn typische Plauderton-Moderation. Kurze Witze – wie „Was sagt ein Kannibale, wenn er einen Demonstrationszug sieht? Menschenauflauf!“ oder „Treffen sich zwei Jäger. Jetzt sind beide tot“– dienten nur dazu, neue Themen anzureißen. So belehrte er die Anwesenden, dass Soziolekte Sprachen sind, in denen sich bestimmte Gruppen unterhalten, zum Beispiel Jäger wenn sie vom Hochsitz als „Kanzel“ reden. Er outete sich als Philosoph und zitierte Immanuel Kant, der die „Ehe auch als einen Vertrag zur wechselseitigen Nutzung der Geschlechtsteile“ bezeichnet hatte. „Das ist natürlich Quatsch“, meinte er dazu. „Ein Vertrag enthält schließlich immer eine Garantie. Und welche Frau von heute würde diese nicht nach kurzer Zeit in Anspruch nehmen, den Mann zurück zu seiner Mutter bringen und sagen, hier nimm ihn zurück, er hat Mängel.“ In Folge philosophierte Jürgen von der Lippe über das Glück der kleinen Dinge im Leben, zum Beispiel das eines Stücks Schokolade während einer Diät. Dann ließ er sein Publikum wissen, dass er immer wieder gerne in die Fastfood-Restaurants geht, weil er dort auf viele Menschen trifft, die noch 20 Pfund mehr drauf haben als er. Auch beschäftigte er sich mit Anekdoten aus Interviewsituationen, mit Kosenamen, mit Beziehungskillern sowie mit sprachlichen Fehlleistungen in Zeitschriften und Polizeiberichten. Es ging also um alles, um Gott und die Welt. Erst im Zugaben-Teil erfuhr das Publikum im Übrigen, warum sein Buch „Beim Dehnen singe ich Balladen“ heißt. Zur Demonstration stimmte er bei einer Strechingübung den Engelbert Humperdinck-Titel „Please release me“ an und machte damit deutlich, wie gut das zusammenpasst. In Folge animierte er den Saal, das eine oder andere Lied mit ihm anzustimmen. Zweifellos und zu Recht wird sein Buch – in Erinnerung an einen gelungenen Abend – als Geschenk unter dem einen oder anderen Tannenbaum liegen. Und allen, die diesen Abend mit dem TV-Moderator, Entertainer und Musiker nicht erleben durften, kann man es mit gutem Gewissen als Bettlektüre oder Panikgeschenk empfehlen.

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