Donnersbergkreis Kunst auf Narrenköpfen

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Mainz. Der Mainzer OB trägt sie, der neue Mainzer Weihbischof trägt sie, Stimmungssänger Oliver Mager – Narrenkappen sind in Mainz eigentlich Teil der Uniform von Komiteemitgliedern. Doch die Narrenkappen auf den genannten Köpfen sind anders: individuelle Kunstwerke, zugeschnitten auf den jeweiligen Kopf und Anlass. In einer kleinen Werkstatt in Mainz-Gonsenheim stellt Sylvia Kindling eigenhändig Kappen der besonderen Machart her.

Narrenkappen entstanden in den 1820er Jahren in Köln, erfunden als Eintrittskarten für Fastnachtsveranstaltungen, weiß man im Mainzer Fastnachtsmuseum. Damals wurden die Kappen am Ende der Saison verbrannt – undenkbar für heutige Narren, sind die Kappen doch Insignien für Garden und Vereine, ihre Farben und Formen vorgeschrieben von Vereinstraditionen. „Das ist für mich eine andere Welt“, sagt Sylvia Kindling, „ich finde es schön, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Traditionellen und dem Individuellen.“ Seit ein paar Jahren interpretiert die Mainzerin in ihrer kleinen Werkstatt die Kopfbedeckung der Narren völlig neu: da gibt es Kappen in leuchtendem Orange, mit pinkfarbenem Fell oder mit buntem Blumenmuster. Jede Kappe ist ein Unikat, zugeschnitten auf ihren Träger. So bekam der Mainzer Weihbischof Udo Benz natürlich eine Mütze mit dem Dom darauf, ein Ponyhof bekam eine Kappe mit Hufeisen. Bis zu 25 verschiedene Einzelteile näht Kindling für eine Kappe schon mal zusammen: Als Unterstoff nimmt sie Material, das sonst für Taschen verwendet wird, das sei weicher im Tragekomfort als die eher harten Schabracken der klassischen Komiteeterkappen. „Der Tragekomfort ist so höher“, sagt Kindling, „die passen sich der Temperatur an und halten trotzdem ihre Form.“ Auf den Unterstoff kommen Überstoffe, Bänder, Hutband und Applikationen, an der Spitze sitzt immer ein individueller Anhänger. „Da kommt jede Menge Fummelei zusammen“, sagt Kindling schmunzelnd. Die 49-Jährige „fummelt gerne“. Kreativ, erzählt sie, sei sie schon immer gewesen. Wahrscheinlich liegt es in der Familie, die Urgroßmutter war Näherin, die Urgroßeltern hatten ein Theater in Bremen. Aus ihrer Heimatstadt Bremen zog Kindling vor zwölf Jahren nach Mainz, ihr Mann hatte im Rhein-Main-Gebiet einen Job gefunden. Den Umzug bewältigten sie am 11.11., erzählt sie lachend – es muss ein Zeichen gewesen sein. Es war wieder ein 11.11., als ihr Mann zum Fußballspiel wollte. Kindling tackerte im Wohnzimmer spontan auf dem Fußboden eine Narrenkappe zusammen. „Die kam so gut an, dass noch mehr so eine Kappe wollten“, erzählt sie – es war der Beginn des kleinen Unternehmens. „StarKapp Narrenkappen“ heißt das inzwischen, in einem kleinen Gartenhaus hat die Manufaktur ihre Räume. „Für mich ist das Entspannung, eine kleine Flucht“, sagt die zweifache Mutter. Ihre Kappen werden alle von Hand gefertigt und mit der Nähmaschine genäht, mindestens drei Stunden dauert die Fertigung eines Stücks. Seit drei Jahren boomt das Geschäft, „rund 150 Narrenkappen werden es in dieser Saison bestimmt“, sagt Kindling. Eine Kappe kostet von 62 Euro an aufwärts, der Erwerb solle erschwinglich bleiben, findet Kindling. Sie liebe die Mainzer Fastnacht, für sie sei das „eine regionale Comedy-Art“, sagt Kindling. Als nicht-gebürtige Mainzerin fühle sie sich aber andererseits „nicht so an die alten Zwänge gebunden.“ Damit polarisiere sie durchaus: „Die einen finden es ganz toll, die anderen halten sich mehr an die traditionellen Gardekappen.“ Der Durchbruch kam vor drei Jahren mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD): „Es kam eine Email aus seinem Büro, ob ich eine neutrale Kappe fertigen könnte“, berichtet Kindling. Ebling müsse als OB auf vielen verschiedenen Fastnachtsveranstaltungen präsent sein, da sei ein neutrale Kopfbedeckung nützlich. Kindling schneiderte ein Modell in Rot und Schwarz mit Dom darauf. „Ich freue mich sehr, dass ich ihn dauernd mit der Kappe sehe“, sagt sie. Und wenn dann der Weihbischof für die Fernsehsitzung eine Kappe wolle, oder Stimmungssänger Oliver Mager auf einmal in der Werkstatt stehe, „dann ist dass schon eine Bestätigung.“

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