Donnersbergkreis Kulturstadt feiert mit

Rheinhessen wird 200 Jahre alt. Und Worms feiert mit. Allein über 50 von rund 560 Veranstaltungen steuert die Kulturstadt der Region zu den Festlichkeiten bei.
Dass sich die Menschen in einer globalen Welt gerne auf die Region beziehen, versucht der Historiker und Dozent an der Universität Mainz, Gunter Mahlerwein (55), zu beantworten: „Man ist heute mobil, ja, dadurch entsteht auf der anderen Seite das Bedürfnis nach Erdung.“ Man will irgendwo dazugehören. Womit er auch die für ihn erfahrbare Begeisterung erklärt, mit welcher der ganze rheinhessische Landstrich feiert. Etwa mit einer gemeinsamen Ausstellung in 27 Museen oder Geschichtsvereinen, in denen jeweils verschiedene Aspekte der rheinhessischen Historie aufgegriffen werden und sich für den Betrachter zu einem Ganzen formen. Worms hat seine Beiträge zum Festjahr in einer kleinen Broschüre gelistet – von stadtteilbezogenen Veranstaltungen wie dem „Fest der Türme“ (18./19. Juni) in Pfeddersheim, dem „Schreinerfest“ in Hochheim (18. September) bis zu Thementagen wie dem Friseurtag (20. Juni) mit Haarschnitten für 20,16 Euro – immer wieder sind Anlehnungen an die Jahreszahl 2016 zu entdecken – oder einem Genussmarkt (15./16. Oktober) im EWR-Kesselhaus. Darüber hinaus wird in Vorträgen und Ausstellungen Rheinhessen, seine Geschichte, sein heutiges Gesicht, seine Menschen, seine Kultur beleuchtet. Ziel ist ein großes, die Region und Menschen verbindendes Fest. Und die Oberbürgermeister von Mainz und Worms sowie die Landräte der Kreise Mainz-Bingen und Alzey-Worms – womit das Gebiet Rheinhessen auch geografisch abgedeckt ist – suchen einen Schulterschluss und wollen mit „Rheinhessen 4.0“ gemeinsame Ziele im Bereich Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung verfolgen. Wir Pfälzer hätten eigentlich auch Grund zum Feiern, denn als vor 200 Jahren auf dem Wiener Kongress die von Napoleon eroberten Gebiete nach dessen Scheitern neu verteilt wurden, betraf dies den gesamten linksrheinischen Landstrich. Während das Großherzogtum Hessen den nördlichen Teil zugesprochen bekam und es Rheinhessen nannte, wurde die Pfalz als sogenannter Rheinkreis bayerisch – wie daraus die „Rheinpfalz“ und die heutige Pfalz wurden, das zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer bis 8. Januar 2017 in der Ausstellung „Die Entstehung des Rheinkreises – 200 Jahre Bezirkstag Pfalz“. Zur Erläuterung: Der Bezirkstag Pfalz sieht sich als Nachfolger des vor 200 Jahren eingesetzten Landrats als oberster Verwalter der bayerischen Exklave. Regionen wurden 1816 auf dem Reißbrett entworfen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ein Identitätsbewusstsein gab es in den Kunstgebilden nicht. Das wollen nun die „Rhoihesse“ mit dem Jubiläum fördern. Dass die Pfalz nicht in dem Ausmaß feiert, dafür hat Mahlerwein eine Erklärung: „In der Pfalz hat man schon vor rund 100 Jahren nach Ende der bayerischen Herrschaft die Idee Pfalz entwickelt und sich als Pfälzer gefühlt.“ Verglichen mit Rheinhessen habe die Pfalz ein starkes Gewicht in der Vergangenheit gehabt, auch in der Forschung oder der Volkskunde. Dies beweisen für ihn viele Abhandlungen und Bücher zur Pfalz und deren Geschichte. „Das zeigt, dass es ein starkes Bewusstsein für die Pfalz als Region gibt“. Und genau das will auch Rheinhessen erreichen. (cei) info —Die Broschüre mit dem Wormser Jahresprogramm „200 Jahre Rheinhessen“ kann heruntergeladen werden unter www.worms.de/kultur/veranstaltungen. —Einen „Immerwährenden Kalender Rheinhessen“ mit fotografischen Impressionen und Auszügen bekannter rheinhessischer Autoren wie Stefan George oder Carl Zuckmayer hat der Historiker Jörg Koch im Wellhöfer-Verlag herausgegeben: ISBN 978-3-95428-179-4.